Mittwoch, 12. Dezember 2012

Tschüss Schlechtesgewissenterror

Ein schöner Wintermorgen. Es ist kurz nach Acht und die Sonne klettert in diesem Moment über die anderen Häuser und beginnt mir ins Gesicht zu scheinen. Im Radio läuft eine erhabene Version des Ave Maria und die Überreste meiner Hawaiiparty, ein langer Strang hängender künstlicher Orchideen, leuchten durch die Sonnenstrahlen in Orange-Weiß-Pink vor dem heute klar-blauen Himmel.
Der Lärm der Baustelle vor meinem Haus malträtiert mein Gehör. Das Ave Maria ist vorbei und penetrante Spendenaufrufe für krebskranke Kinder kommen vom Sender. Klassikradio mutiert im Dezember immer zu einem Spendensammlungspropagandprogramm in Dauerschleife. Nach jedem zweiten Stück erzählen traurige krebskranke Kinder von ihrer Chemotherapie. Wie viele Stunden und Tage muss man sich Mitleidsbeiträge verständnisvoll anhören, um in unserer Umwelt nicht als gefühlskalt zu gelten? Katholiken, schätze ich, ziemlich viel, Atheisten wohl eher weniger. Mir reicht es jedenfalls an Erinnerungsbombardement, dass es anderen Menschen schlecht und vor allem schlechter als mir geht. Ich will den Tag, das Leben genießen. Es ist ohnehin kurz genug.
Ich wechsle den Sender.
Beschwingende, unweihnachtliche 70er-Jahre Musik ertönt. Fröhliche Moderatoren plappern munter drauflos.
Die Sonne scheint mir ins Gesicht.
Ich beginne zu lächeln und freue mich aufs Büro.

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