Mittwoch, 22. Juli 2015

Oxytocinparty in der Psybient Bar



Schuldig! Ich habe mich nur hin getraut, weil ein guter Freund mich mitnahm. Das war sozusagen die Gegeneinladung, nachdem ich ihn zuvor zum Blind Dance Event animiert hatte. Den genauen Titel der Veranstaltung weiß ich nicht mehr, aber die Kurzfassung: Ich war auf einer Kuschelparty. 
Kuscheln, fast jeder mag es, eigentlich alle brauchen es, aber dennoch ist es in unseren Breitengraden gesellschaftlich in die Tabuzone verdrängt worden. Warum eigentlich? Zu wenig Körperkontakt schadet der Psyche. Manche Regeln unserer Gesellschaft sind einfach nicht nachzuvollziehen.

Alleine wäre ich jedenfalls nie gegangen, zu groß waren meine Vorurteile über die Teilnehmer einer solchen Party und über das, was dort so vor sich gehen würde (fremde Menschen berühren mich? Welche, die ich vielleicht gar nicht mag? Oder niemand will mich berühren und ich sitze dumm daneben?). Nun, zum Glück brach ich aus der Komfortzone aus, mit den Resultaten:
Horizont grandios erweitert! Komfortzone erweitert! Sympathische Menschen kennengelernt! Eineinhalb Stunden im Oxytozinrausch geschwebt! Yeah!

Die Nomad Bar ist die perfekte Location für so etwas, Schuhe aus und ab auf die gemütliche Kuschelkissenwelt, eine von vorne herein entspannte Atmosphäre. Und wer war nun da? Rund ein Dutzend oder mehr Teilnehmer, erfahrene Profis und unsicheren Neulinge, wie ich. Altersdurchschnitt irgendwo in den 30ern, alle sehr gepflegt und eher Neukölln-Wedding-Fhain, als Charlottenburg-Pberg-Spandau. Hätte ich ein heiteres Beruferaten  vorgenommen, wäre dabei in etwa rausgekommen: Sozialarbeiterin, spanischer Austauschstudent, selbständige Designerin, wissenschaftlicher Mitarbeiter, was auch immer. Einige schüchtern, andere selbstsicher, vor allem aber: alle entspannt, piano - piano, wider allen Klischees, oder besser Erwartungen, wen man da alles treffen könnte: es waren lauter nette, normale Menschen, mit denen man (ich) auch woanders einen Kaffee trinken könnte.

Es gab eine kurze Anleitung, vorsichtige erste, gemeinsame Schritte, damit auch Anfänger reinkommen und die Hemmschwelle abgebaut wird, die die meisten eben mit sich herumtragen. Und was sofort auffiel: Der respektvolle Umgang miteinander, zaghafte Berührungen, loslassen, genießen und abwarten. Denn schon nach rund fünf Minuten Streicheleinheiten beginnt das Gehirn ja Oxytocin auszuschütten, der Cortisollevel wird abgesenkt, der Stress in Kopf und Körper verschwindet, die Entspannung und das Wohlbehagen setzen ein. Lächeln, träumen, den Moment genießen und an kein Morgen, Heute oder Gestern mehr denken, einfach „sein“. Ich sag nur: Oxytocin - mehr Droge braucht kein Mensch. Und das auch noch legal, gratis und jeder hat es bereits immer dabei.

Krass. Jedes Mal, wenn ich aus dem Gewohnten ausbreche und solche neuen, bereichernden und beglückenden Erfahrungen sammle, weiß ich, dass ich das noch viel, viel öfters machen muss. Horizont - ich komme!

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