Montag, 24. November 2014

Wenn Hintergrundmusik versucht Hauptsache zu sein

Nachdem ich am Samstag das hervorragende Konzert vom Windwerk in der Emmauskirche wieder sehr genossen hatte, freute ich mich umso mehr auf die Piano Guys im Tempodrom. Die Youtube-Stars spielten vor fast voller Halle, vor einem bemerkenswert unkritischen Publikum. Die Klavier/Cello-Interpretationen klassischer Werke und verschiedener Popstückchen waren durchgängig angenehm zu hören. Aber häufig blieb unklar, wie viel wirklich live auf der Bühne gespielt und wie viel aus Aufzeichnungen zusätzlich eingespielt wurde. So drängt sich der Vergleich mit Straßenmusikern auf, die häufig kleine Orchester aus der Dose mit sich herumtragen. Schade, bei einem live-Konzert erwartet man mehr.

Die Stücke waren zwar alle schön, aber durch die abwechslungsreichen Videoclips geriet ohnehin das Visuelle in den Vordergrund und das Klangliche wurde zur gemütlich ablaufenden Hintergrundmusik degradiert. So wurde die Bühne heute Abend quasi ein stark vergrößerter Youtube-Screen. Nur schade, dass ich nebenher nicht, wie zuhause, andere Dinge machen konnte.

Immerhin: die beiden Jungs waren recht sympathisch, unterhaltsam und konnten gut mit dem Publikum interagieren, da habe ich schon ganz andere Konzerte erlebt*.

Kurz: nett, aber bei aller musikalischer Kompetenz, mehr (leider) auch nicht.


(*z.B. vor Jahren Joe Cocker, der es ganze dreimal schafft mit dem Publikum zu sprechen 1. „Hello Innsbruck“, 2. „May I introduce the band to you: This is Jim, this is Pete, this is ….“, 3. „Goodbye Innsbruck“).


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