Dienstag, 4. August 2015

Limonade im Limonadier - wow!



Ich glaube, dass ich manches hier nicht schreiben würde, wenn es deutlich mehr Leser dieses Blogs gäbe. So aber kann ich mich darauf verlassen, dass meine privaten Geheimtipps fast geheim bleiben und nicht durch unnötige Publizität mein Lieblingslokal o.ä. plötzlich von Besuchermassen überrannt und dadurch vermutlich negativ verändert würde.
Ich bin kein Kenner, Genießer oder gar Insider, was großartige Cocktailbars angeht, ganz ehrlich, je nach Lust und Laune schmeckt mir auch mal ein Cocktail beim Inder, Typ süße Pampe für Vierfuffzich. Und (ganz, ganz tolle - wirklich!) Cocktails für 14,50undmehr kann ich schon wegen des Preises gar nicht mehr richtig genießen.

Limonade, Likör und Espresso: alles 1A
Wie auch immer, das Limonadier in der Nostitzstraße ist eine geschmacksmäßige Erleuchtung für mich und eine wunderbare Erweiterung des Spektrums „kann man immer hingehen“. Wobei das „immer“ für mich auch nur eingeschränkt gilt, es ist eine Raucherbar. Somit nur im Sommer erträglich, wenn man draußen sitzen kann. Selbst der Gang aufs WC durch die Rauchschwaden ist eine Vergewaltigung der Geruchs- und Geschmackssinne, die man doch eigentlich noch für den Genuss der Cocktails benötigt.

Die Getränke jedenfalls: phantastisch! Sinnvolle Eigenkreationen mit pfiffigen Kombinationen aus Alkoholika, Gewürzen, Säften/Sirups und was der Gemüsegarten sonst noch so hergibt. Mein Favorit: das/der Kreuzberg-Spritz, eine erfrischende „Limonade“ mit viel Ingwer. Und der abschließende Espresso? Erste Sahne! (da kenne ich mich wenigstens aus). 
Darüber hinaus eine sehr freundliche, überaus hilfsbereite und wundervoll kompetente Bedienung - da macht es endlich mal richtig Spaß, um Rat zu fragen und ihr nur ein paar Sinneseindrücke hinzuwerfen, sie findet das passende Getränke dazu und kennt außerdem jeden einzelnen Likör in der Karte einschließlich des dazugehörigen Familienstammbaums. Sehr Beeindruckend.

Samstag, 25. Juli 2015

"The Last Five Years"

Musical von Jason Robert Brown im O-Tonart. Trotz wunderbaren Samstagabend-Sommerwetters also hinein ins Theater, ein Musical im englischen Original. Ehrlich gesagt bin ich immer noch zu entnervt, um darüber auch nur mehr als zwei Minuten zu schreiben. Das O-Tonart ist nett, die beiden Darsteller sicherlich privat auch, aber außer, dass "Sie" eine sehr gute Stimme hatte ("Er" leider weniger), war es einfach nur langweilig. Und ein Musical, bei dem die Darsteller - hochmodern - die halbe Zeit auf ihr Handy starren, bzw. auf einem Sidescreen ihre Posts eingeblendet werden, brauche ich nicht. Das Schauspiel habe ich mit Musikstöpsel im Ohr jeden Tag live in der U-Bahn.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Oxytocinparty in der Psybient Bar



Schuldig! Ich habe mich nur hin getraut, weil ein guter Freund mich mitnahm. Das war sozusagen die Gegeneinladung, nachdem ich ihn zuvor zum Blind Dance Event animiert hatte. Den genauen Titel der Veranstaltung weiß ich nicht mehr, aber die Kurzfassung: Ich war auf einer Kuschelparty. 
Kuscheln, fast jeder mag es, eigentlich alle brauchen es, aber dennoch ist es in unseren Breitengraden gesellschaftlich in die Tabuzone verdrängt worden. Warum eigentlich? Zu wenig Körperkontakt schadet der Psyche. Manche Regeln unserer Gesellschaft sind einfach nicht nachzuvollziehen.

Alleine wäre ich jedenfalls nie gegangen, zu groß waren meine Vorurteile über die Teilnehmer einer solchen Party und über das, was dort so vor sich gehen würde (fremde Menschen berühren mich? Welche, die ich vielleicht gar nicht mag? Oder niemand will mich berühren und ich sitze dumm daneben?). Nun, zum Glück brach ich aus der Komfortzone aus, mit den Resultaten:

Donnerstag, 16. Juli 2015

Chaussee der Enthusiasten

Chaussee der Enthusiasten im Frannz-Club
Endlich mal wieder bei einer Lesebühne! Dieses mal im Frannz-Club in der Kulturbrauerei. Aufgrund der Sommerferien war von der Stammbelegschaft der Chaussee der Enthusiasten nur Andreas Kampa anwesend, dafür jedoch mit aberwitzigen Texten, bei denen man sich teils vor Lachen kaum auf dem Stuhl halten konnte. Die Gäste, deren Namen ich mir leider nicht merken konnte, waren ebenfalls glänzend, ein sympathischer taz-Kolumnist mit Nachdenklichem, munter-musikalische und teils bitterböse Kleinodien aus Sachsen, insgesamt ein gelungener Abend. Ein guter Grund, wieder hinzugehen.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Strandbartango

Spontan ist oft besser. So auch heute: Auf die gemütliche Verabredung um 19:30 Uhr zum Eisessen im Volkspark am Weinberg folgte ein anschließender Spaziergang in Richtung Spree. Bis wir "zufällig" am Monbijoupark ankamen. Die volle Tanzfläche schreckte nicht ab, betörende Tangomusik zwang uns zu Verbleib und Tanz, so sah ich dann mein Bett erst um 3 Uhr früh.
Ach, schön war's wieder, musikalisch unterm Sternenzelt...

Mittwoch, 8. Juli 2015

LaLeLu lächelst Du

Bereits zum zweiten Mal gönnte ich mir einen Auftritt der A-Capella Band LaLeLu aus Hamburg, wieder einmal glänzende, musikalische Unterhaltung kombiniert mit Wortwitz, Charme und Fröhlichkeit. Als gute-Laune-Macher absolut empfehlenswert!

Sonntag, 5. Juli 2015

Open (Desp)Air Klassik am Gendarmenmarkt



Wahrscheinlich war ich in meinem Leben schon bei mehreren hundert klassischen Konzerten. Aber wenn ich mich recht entsinne, war es heute das erste Mal unter freiem Himmel. Classic Open Air. Was für Erlebnis. Der Gendarmenmarkt ist abgesperrt wie zu einem Staatsbesuch. Aber ist man erst einmal hinter den dreckigweißen Plastiksichtblenden, stört es einen gar nicht mehr, man ist ja schließlich drinnen und nur die da draußen haben das Problem mit der schlechten Aussicht. Man bekommt also einiges geboten, für seine 70 EUR Eintritt. Zum Beispiel die Möglichkeit Mineralwasser des Sponsors (O-Ton des Ansagers „Ohne unsere Sponsoren wäre das alles hier nicht möglich gewesen“) zu genießen. Läppische zwei Euro für 0,2l halbwarmen Spreequells, welches Dank des Pappbechers nach selbigem schmeckte. Ich habe den Teil mit dem „Sponsor“ anscheinend nicht richtig verstanden. Im Moment merke ich nur, dass ich der Sponsor für Spreequell bin. 

Hell erleuchtet lenkt keine überflüssige Dunkelheit mich von der Schönheit des Platzes und den lautstark schreienden Plakatwänden auf Fußballstadionniveau ab, die begleitende Hintergrundmusik dazu auf der Bühne ist nett, ein Querschnitt bekannter Arien auf dem Niveau einer Klassikradio live performance. Zwischen den Reihen laufen pausenlos Herden von Menschen herum, getränkesuchende Zuhörer, Hostessen von links nach rechts und umgekehrt, Unmengen anderer Veranstalter-Mitarbeiter, die gerade nichts Besseres zu tun haben. Unterhaltungen um mich herum erfolgen dankenswerterweise nur halblaut, aber doch laut genug, dass mir die im Vergleich zur Philharmonie (naturgemäß) schwächere Akustik des Platzes nicht zu sehr auffällt, sehr mitfühlend von allen. Überraschende Sensation für mich war der (anscheinend auch ansonsten noch nicht so bekannte) rumänische Tenor Remus Alazaroaie, es gibt nur wenige Tenöre, die ich wirklich gerne höre, seine weiche und warme Stimme packte mich jedoch sofort, da verzeiht man gerne einen Ansatzfehler. Also Namen unbedingt merken.

In der Pause genoss ich den Anblick der Mitarbeiter der Getränkestände: mehr Entspannung und Gelassenheit habe ich selten spüren können bei Menschen, die nur 15 Minuten Zeit hatten, hunderte von Gästen mit Getränken zu versorgen, vorbildlich. Aber die Wartenden in den Schlangen vor den Buden hatten überraschenderweise viel weniger ZEN-Gesinnung als die Angestellten und verzichteten lieber reihenweise auf den Kauf der Getränke. Mir tat da der „Sponsor“ schon ein bisschen Leid, der dadurch auf einen guten Teil seiner möglichen Einnahmen verzichten musste.

Ute Lemper nach der Pause sollte das Highlight sein, aber mir hat ihre gequetschte Stressstimme noch nie gefallen, sondern mich immer eher nervös gemacht.

Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Aber der Mensch ist, was seine Erwartungen aus ihm machen. Also schwenke ich um und genieße den Abend als Erfahrungspunkt: Open Air und Klassik ist in für mich keine schöne Kombination. Und auch Klassikradio hört sich zu Hause einfach besser an. Und zum Schluss wurde es auch noch richtig unterhaltsam, als die Gäste aufgrund des herannahenden Sturmes scharenweise aufstanden und vorzeitig, fast panisch raushetzten. Der Regen setzte erst zehn Minuten nach Ende des (verkürzten) Konzerts ein. 

Schade eigentlich.

Samstag, 4. Juli 2015

Nächtlicher Tango hinter der Neuen Nationalgalerie

Schade, wie so oft, in den schönsten Momenten reicht die Kamera nicht aus. Nachdem die Milonga auf dem Schiff abgesagt worden war, hatte irgendwer eine spontane Ersatzveranstaltung auf der Freifläche hinter der Neuen Nationalgalerie angekündigt. Und so trafen sich 80-100 verwegene Tangotänzer in der Spiegelung der Abendsonne der Türme des Potsdamer Platzes, aber zugleich versteckt und ruhig abseits des Durchgangsverkehrs, zum Tanz. Die meisten hatten, wie zum Picknick, stilvoll Wein, Gläser, Wasser, Knabbereien und Kerzen mitgebracht. Musik aus einer kleinen Stereoanlage und los gings. Ein denkwürdiges Erlebnis. Hoffentlich bald wieder.

Samstag, 21. Februar 2015

Pizza Aba

Auf Empfehlung meiner neuen Friseurin war ich bereits zum zweiten Mal in der Pizzeria ihrer Geschwister. (Derzeit noch) ein echter Geheimtipp.
Auch wenn es scheinbar nur einer dieser kleinen Pizzaläden ist, die vorrangig ihr Geschäft für die take-away-Kundschaft betreiben: die Speisen sind exzeptionell!
Von einem "Ambiente" mag man angesichts der zwei kargen Tische auf dem gewellten Plastikfußboden mit Holzdesign gar nicht reden. Auch dass die Pizzen auf einer roten Plastikunterlage serviert werden, spricht nicht gerade meine ästhetischen Sinne an (Pasta und Salat kamen im schöneren Geschirr). Aber es schmeckt riiiiiichtig gut, gelernt ist gelernt! Sowohl die Pizzen, als auch die Pasta, wie auch der Salat munden wirklich vorzüglich. Fast zu schade für ein schnelles Essen zwischendurch. Ich wünsche den Inhabern, dass sie schnell wachsen und schönere, größere und gemütlichere Räume finden, für die Qualität wäre es jedenfalls angemessen.

Samstag, 7. Februar 2015

Mädchenitaliener

Trotz Berlinale konnten wir noch einen Tisch reservieren, Glück gehabt.

Ambiente super, gemischte Vorspeisenplatte exzellent, die Flasche Wein sehr gut und die Trüffelpasta lecker. Und auch die charmante Bedienung war trotz ihrer Vergesslichkeit eine Bereicherung. Freundlichkeit geht vor Perfektion.

Da komme ich doch gerne wieder.

Dienstag, 3. Februar 2015

Good Bye English Comedy by Kim

Zum Letzten Mal nach neun erfolgreichen Jahren moderierte Kim Eustice den English Comedy Club. Und wie (fast) immer bedeutete das: knappe drei Stunden herzhaftes Lachen und fröhliche Gesichter. Im ausverkauften Kookaburra Club gab's dafür zum Abschied gleich sechs verschiedene Comedians auf der Bühne, von humorig-musikalisch über derb unter der Gürtellinie bis hin zu amüsant verpackten Lebensweisheiten war von allem etwas dabei. Das Publikum dankte mit standing ovations. Danke für die vielen Male, die ich dort zum Lachen gebracht wurde. Bin gespannt, wie die Lücke gefüllt werden wird - die Nachfrage nach englischsprachiger Comedy in Berlin erscheint ja ungebrochen hoch.

Sonntag, 30. November 2014

Drei-Stunden-Parteitagsrede: Ich habe durchgehalten!



So schnell kann’s also gehen. Da saß ich plötzlich und unverhofft in einer Wahlveranstaltung der Partei DIE LINKE. Wohin einen die Neugierde nicht alles treibt. Aber ich liebe Informationen aus erster Hand, auch wenn sie manchmal ein starkes Sitzfleisch erfordern. 

Der Redner hatte Talent. In guter kommunistischer Manier hielt er über geschlagene drei Stunden eine Kampfrede, die ihresgleichen sucht. Wortgewandt und vor allem mit teils elegantem, teils rüdem Wortwitz schaffte er es, die etwa 3.500 Gäste bei Laune zu halten. Im ersten Teil überwogen pointenstarke Überspitzungen, wie sie besonders erfolgreiche Politiker zu platzieren wissen. Die Zuhörerschaft lachte viel und laut und bedankte sich mit regelmäßigem Zwischenapplaus. Selbst wenn einem die politische Ausrichtung nicht passte, die Pointen saßen und der Unterhaltunsgwert war gegeben. 
Im zweiten Teil setzte sich das Gewitter der Vorwürfe gegen die anderen Parteien fort, reduziert allerdings um den humorigen Teil und angereichert um jede Menge kleinerer sarkastischer Anmerkungen und größerer Beleidigungen an die stumpf dauerklatschenden Sekundanten („Sie klatschen, aber ein Großteil von Ihnen hat genau diese Leute bei der letzten Wahl gewählt und wird es wieder tun“). Spaß machte es da schon lange nicht mehr, wilde „Fakten“(?), Verschwörungstheorien, Pauschalisierungen vom Feinsten und billige populistische Schnelllösungen („Wenn wir den Reichen über zehn Jahre verteilt fünfzig Prozent abnehmen, haben die hinterher immer noch ganz viel, aber wir sind nachher alle schuldenfrei“) gaben sich die Hand. Jedoch das Publikum wusste, was es seinem intellektuellen Großmeister schuldete, und applaudierte fleißig durch, echte Anhänger eben. Aber die gibt’s nun wirklich in jeder Partei, da darf man sich nicht beschweren, wenn man sich auf einer PDS-Show befindet. 

Was mich wirklich beeindruckte, war der rhetorische Coup des Gastgebers, in drei Stunden Redezeit genau EIN einziges Mal den Parteinamen „DIE LINKE“ in den Mund zu nehmen – grandioser Kunstgriff, aufrichtige Gratulation! So konnte man fast meinen, in einer Kabarettveranstaltung, statt auf einer Parteitagsrede gewesen zu sein. Auch die Tatsache, dass die Zuhörer knapp 20-30 EUR Eintritt für die Rede im ausverkauften Tempodrom gezahlt hatten, unterstützte diesen Eindruck nachhaltig. Das sollen CDU, SPD & Co erstmal nachmachen! 

Andererseits: Politisches Kabarett ist idealerweise ein kritischer Finger in den Wunden der Regierung oder auch der Opposition, nicht jedoch primitive Propaganda für eine bestimmte Partei, siehe z.B. die hervorragende „Heute Show“ im ZDF.

Kurz: Es war eine Erfahrung, die zumindest ich nicht wiederholen muss. Von daher werde ich vermutlich nicht noch einmal zu einer Veranstaltung von Volker Pispers gehen.

Montag, 24. November 2014

Wenn Hintergrundmusik versucht Hauptsache zu sein

Nachdem ich am Samstag das hervorragende Konzert vom Windwerk in der Emmauskirche wieder sehr genossen hatte, freute ich mich umso mehr auf die Piano Guys im Tempodrom. Die Youtube-Stars spielten vor fast voller Halle, vor einem bemerkenswert unkritischen Publikum. Die Klavier/Cello-Interpretationen klassischer Werke und verschiedener Popstückchen waren durchgängig angenehm zu hören. Aber häufig blieb unklar, wie viel wirklich live auf der Bühne gespielt und wie viel aus Aufzeichnungen zusätzlich eingespielt wurde. So drängt sich der Vergleich mit Straßenmusikern auf, die häufig kleine Orchester aus der Dose mit sich herumtragen. Schade, bei einem live-Konzert erwartet man mehr.

Die Stücke waren zwar alle schön, aber durch die abwechslungsreichen Videoclips geriet ohnehin das Visuelle in den Vordergrund und das Klangliche wurde zur gemütlich ablaufenden Hintergrundmusik degradiert. So wurde die Bühne heute Abend quasi ein stark vergrößerter Youtube-Screen. Nur schade, dass ich nebenher nicht, wie zuhause, andere Dinge machen konnte.

Immerhin: die beiden Jungs waren recht sympathisch, unterhaltsam und konnten gut mit dem Publikum interagieren, da habe ich schon ganz andere Konzerte erlebt*.

Kurz: nett, aber bei aller musikalischer Kompetenz, mehr (leider) auch nicht.


(*z.B. vor Jahren Joe Cocker, der es ganze dreimal schafft mit dem Publikum zu sprechen 1. „Hello Innsbruck“, 2. „May I introduce the band to you: This is Jim, this is Pete, this is ….“, 3. „Goodbye Innsbruck“).


Samstag, 8. November 2014

25 Jahre Mauerfall, und ein bisschen weise

Am Vorabend der 25-Jahre-Gedenkfeiern des Mauerfalls zeigten die abertausenden Menschen auf den Straßen, welches für sie der wirkliche Gedenktag der Deutschen Einheit ist. Nicht der künstliche, damals politisch gewollte, 3. Oktober, sondern eben der 9. November. Die Kette der leuchtenden Ballons, markiere recht anschaulich die alte Trennung. Aber am anschaulichsten war dann doch die große Fernsehwand gegenüber der amerikanischen Botschaft, auf der in endlos-Schleife Original-TV-Aufnahmen aus den Zeiten des Mauerbaus liefen ("Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen"). Die Tränen der Kinder und der Erwachsenen, als sie fassungslos vor der sich langsam auftürmenden Mauer standen und auf der anderen Seite ihren Eltern, Großeltern oder Geschwistern zuwinkten waren so grausam anzusehen und jagten mir Schauer über Schauer über den Rücken. Damals hatte keiner von ihnen auch nur geahnt, dass dieses Bauwerk so lange stehen bleiben sollte und ein ganzes Land in ein Gefängnis mit gnadenloser Todeszone verwandeln würde. Hätten sie es geahnt, wären die meisten von ihnen vermutlich, wie einige andere, aus den letzten offenen Fenstern in den Westen gesprungen.
 Wirklich hart packte es mich allerdings, als ich mich umdrehte, um nach Hause zu gehen. Denn plötzlich sah ich die tausenden Zuschauer, die auf die Fernsehwand starrten. Eine unendlich große menschliche Wand aus erstarrten, entsetzten, ergriffenen, fassungslosen Gesichtern. Ob alt, ob jung, das Grauen stand allen in ihre Gesichter geschrieben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur einer der Zuschauer zu den Wählern der Nachfolgepartei der Mauerbauer zählte.
Lebendige Erinnerung in Wort und Bild ist so unglaublich wichtig für ein ganzheitliches Geschichtsverständnis. Wachhalten und aktives in Erinnerung rufen verhindert vielleicht einmal das Wiederholen schrecklicher, geschichtlicher Fehler. Auch dafür war der Standort der Übertragungswand hervorragend gewählt.

Freitag, 31. Oktober 2014

Schnuller mit ein paar zehn Jahren Verspätung

Es war schon seit vielen Jahre ein running gag in meiner Familie: das (unterstellt) fehlende Geburtstagsgeschenk zu meinem nullten Geburtstag. Heute holte dies plötzlich meine Mutter per Post und mit einer launigen Grußkarte nach, herrlich!

Kleine Freuden erleichtern den Start in den Tag doch erheblich. Wie schön, wenn man einen Grund mehr hat, um mit einem Lächeln in die U-Bahn zu steigen.

Die Frage bleibt: was mache ich nun mit dem unverhofften Geschenk?

Donnerstag, 25. September 2014

Wer entwickelt mal ein originelles Shoppingcenter?

So. Nun steht also das "Mall of Berlin" vor meiner Haustür. Das mit 76.000 Quadratmetern Verkaufsfläche "fast größte" Shoppingmall der Stadt. Wie ärgerlich, wenn man schon von vorneherein als Nr. 2 startet, aber immerhin die Nr. 2 von ab jetzt 65 Einkaufszentren in Berlin.

Da heute um zehn Eröffnung für das einfache Volk war, bin ich mal kurz reinspaziert und habe mich umgesehen. Wie schon erwartet - die üblichen Verdächtigen: h&m, p&c, c&a, dm, aldi, etc. Aber immerhin dazwischen dann doch immer wieder der eine oder andere Farbtupfer in Form einzelner Minishop-Schmankerl zwischen den bekannten Größen. So unterscheidet man sich wenigstens ein bisschen von den anderen Shoppingcentren in Dubai, Las Vegas oder Kleinknippersdorf. Edle Materialien (ich konnte nirgends anständig laufen, da das Marmor zu glatt ist und wäre mehrfach fast hingefallen), schönes Interieur und typische Linienführung machen dennoch einen guten Eindruck. Kurz: wenn man in der Nähe ist und das Übliche braucht, hat man Vieles an einem Ort, gepflegt und regensicher. Wenn man ein besonderes Shoppingerlebnis sucht, findet man hier leider im Wensentlichen nur das Übliche.

(Mindestens) zwei Espressobars sind praktischerweise ebenfalls mit drin, eine schöne Aufwertung für die Umgebung. Nur deren Premiumpreise passen leider überhaupt nicht zum banalen Sitzplatz in zwar besserer - aber letzten Endes doch - Kaufhausathmosphäre.

Warum schafft es kaum keiner, ein Kaufhaus im Stile eines Planet Modulor am Moritzplatz zu entwerfen? Da geht man hin, wenn man genau nicht das Gewöhnliche sucht. Ich bin mir sicher, dass viele Kunden das schätzen und suchen würden. Und bei 65 Einkaufszentren macht Differenzierung vieleicht auch etwas Sinn.