Donnerstag, 24. Juli 2014

Alte Verwandtschaft rostet nicht

Wieder so einer dieser Momente, die man vorher vollkommen unterschätzt hat: Meine Cousine aus den USA kam mit ihrer Familie zu Besuch. Seit über 25 Jahren hatten wir uns nicht mehr gesehen und in den letzten zwei Jahren lediglich wieder einen FB-Kontakt. Nach gefühlten fünf Minuten warming-up mit einem irgendwie vertrauten aber auch noch erst fremden Gegenüber, waren wir wunderbar im flow fließender Unterhaltung. Ihr Mann ebenfalls spitze. Da macht Verwandtschaft doch richtig Spaß. Im Dauerregen und dennoch ohne Regenschirme bestanden sie dann auf meine Stadtführung von Potsdamer Platz über Gendarmenmarkt, Alexanderplatz und Museumsinsel bis zum Reichstag. Neugierige, fröhliche Menschen auf gleicher Wellenlänge, phantastisch. Gegenbesuch garantiert.

Sonntag, 20. Juli 2014

Paddeln in Klein-Venedig

Köpenick ist ja schon eine halbe Weltreise für den Otto-Normalberliner. Die Freundin von mir, die vor einiger Zeit der Liebe wegen dort hingezogen ist, beklagt sich auch schon immer, dass niemand mehr sie besuchen kommt. Aber 1,5 Stunden hin und wieder zurück für einen Kaffee sind schon eine viel größere Investition, als mal eben auf der Bergmannstraße für eine halbe Stunde vorbeizuschauen.

Nun stand also nach langer Zeit mal wieder Paddeln auf dem Programm. Das Wetter war hervorragend, der Kanuverleih hatte moderate Preise und ein sonniger Sonntag rechtfertigte die lange Anreise zum Müggelsee. Nicht übermäßig freundlich, aber dennoch hilfsbereit und schnell ging das Ausleihen, und -zack- waren wir auf dem Wasser. Untrainiert, wie ich beim Paddeln inzwischen leider bin, kostete es mich zwar deutlich mehr Kraft, als erwartet. Aber die vielen, kleinen Kanäle entschädigten die Mühen. Nur die wirklich harte Rücklehne hatte ich vergessen. Früher hatte ich dagegen immer irgendeinen weichen Puffer dabei, leider hatten wir auch die Rettungswesten nicht mitgenommen, ein großer Fehler, die hätte ich wenigstens zwischen Rücken und Lehne stecken können. So aber tat es nach einer Weile heftig weh.
Trotzdem: Sonne, Wasser, Bewegung, schöne Gespräche und leckere Kekse: die Weltreise an diesem Sonntag hat sich absolut gelohnt.

Montag, 9. Juni 2014

Der Morgen danach

Die Sonne sang ihr helles Lied im munteren Zwiegespräch mit den tausend Spatzen vor meinem Balkon. Ein leichter Windhauch umwirbelte meine Nase und machte die frühe Hitze erträglicher. Dann setzte Sie sich an mein Klavier und begann zu spielen. Eine Zauberei russischer Romanzen, herzzerreißend in ihrer besonderen Melancholie. Noten schwebten neugierig, fast tastend, durch die Luft und zerplatzen wie kleine Seifenblasen in meinen Ohren. Traurige Töne erfüllten den Raum, den bis eben nur der frische Kaffeeduft bewohnt hatte und ließen unsere Gedanken in eine andere Welt abgleiten. Ein wohliger Moment ohne Zeitgefühl. Ein melancholischer Moment. Ein schöner Moment. Beruhigend. Hoffnungsvoll. Wirklichkeitsverachtend. Leise Lächelnd.

Die Musik hallt nach. Das Thermometer zeigt bereits jetzt 26°C und dennoch war es bis eben so warm und gemütlich hier. Vorbei und aus.

Ein kurzes Lächeln, ein letzter Gruß, Adieu.

Wir sind ja erwachsen.

Aber doch nicht immer.

Dienstag, 6. Mai 2014

Snowpiercer

Den Film Snowpiercer hatte ich schon länger auf meiner "zu sehen"-Liste, perfekt, dass es heute spontan klappte: Science Fiction und Action, eine Mischung die ich mag. Und ein südkoreanischer Regisseur klang nach interessanter Perspektive. 128 Minuten. Viel Zeit fürs Geld. Und die Minuten waren fast durchgängig mit Spannung gefüllt - damit hatte ich nicht gerechnet. Denn normalerweise ziehen sich solche one scene location-Movies immer wieder unnötig in die Länge. Aber hier startete die Action gleich in den ersten Minuten. Und zwar richtig. Es folgte ein blutrünstiges Gemetzel auf das nächste. Auf Spannung hatte ich gehofft. Mit derartig ausführlichen Schlachterszenen aber nicht gerechnet. Mein Kompliment an den Regissuer: der Spannungsbogen hielt mich trotzdem im Kinositz. Der Film fesselt einfach. Auch wenn die Auflösung zum Teil recht vorhersehbar war und das Ende (in meinen Augen) etwas zu französisch ausfällt: dieser Kinofilm hat sich mal wieder sehr gelohnt!

Samstag, 3. Mai 2014

Die 3 von der Linienstraße

Kultur war angesagt. So entschlossen wir drei Jungs uns, das Gallery Weeken Berlin ins Auge zu fassen. Wir schafften ganze drei Gallerien. Denn vor einem netten portugiesischen Designshop in der Linienstraße stand draußen eine kleine, sehr gemütliche Bank in der strahlenden Sonne. Und eine Flasche mediterranen Weins kostete lediglich acht Euro, bei gleichzeitig hervorragender Qualität. Tja. Da war es um unseren Galleriedurst geschehen. So kultivierten wir uns also selber und saßen schlussendlich mehrere Stunden intensive über den Sinn des Lebens philosophierend buchstäblich auf der Straße: Zur Freude der Passanten und übrigen Gallerieflaneure als angeheitertes Trio und hatten unseren Spaß. Ungeplant und deshalb besonders erinnernswert.

Zur Geburtstagsfeier am späteren Abend wäre ich dann fast zu spät gekommen. Eine großzügige Wohnung mit Dachterrasse und weitem Blick über Charlottenburg im Abendrot. Das Grillen war entspannt, nur die Gäste hatten sich stark verändert, seit der Gastgeber "in festen Händen" ist: Pärchenquote 80%. Bis zum vorletzten Jahr waren seine Feiern immer eine bunte, laute und lustige Mischung interessanter und vor allem lebendiger Menschen gewesen. Nun saßen die ganze Paare brav nebeneinander aufgereiht um die Tische herum und nickten verständnisvoll bei den gegenseitigen Erzählungen. Krass.

Samstag, 26. April 2014

Eisige Überraschung

Das Eiscafé Kibo im Wedding
Der Wedding ist nicht gerade als Gourmethochburg verschrien. Um so mehr überrascht dann das kleine Eiscafé Kibo, das unauffällig in den ehemligen Räumlichkeiten einer alten Gaststätte Quartier gefunden hat: Hausgemachtes Eis bester Qualität, dazu eine äußerst freundliche Bedienung und (wenn das Wetter mal nicht mitspielt) eine schöne Inneneinrichtung, so dass man da durchaus auch das angebotene Frühstück ausprobieren sollte. Das kommt für den nächsten Besuch auf die Tagesordnung. Der wunderschöne, sonnige Samstag heute ließ uns jedoch einen Platz im Freien genießen. Da die Rehberge nur einen Steinwurf entfernt sind, bot sich ein kleiner Spaziergang an: Riesige Wiesen mit blühendem Löwenzahn. Soooooo schön!


Löwenzahn in den Rehbergen

Freitag, 25. April 2014

Frühlingssonne im Körnerpark

Vielleicht war ich einfach nur lange nicht mehr dort, aber es überraschte mich doch, als ich heute mal wieder in den Körnerpark ging, dass es dort richtig voll war. Ein schönes Kleidnod mitten in Neukölln, wie geschaffen für eine kurze Nachmittagslektüre auf dem Rasen.

Donnerstag, 17. April 2014

Ein Leben für eine Grabrede



Heute las ich einen interessanten Gedanken: Lebe Dein Leben für Deine Grabrede. Nicht für Deinen Lebenslauf.

Wie würde ich mir eine Grabrede meines besten Freundes für mich wünschen? Sicher nicht traurig. Sondern unterhaltsam. Mit einem Augenzwinkern. Joaaaa, hier und da ein Verweis auf meine wahnsinnig ehrenwerten und edlen Charaktereigenschaften wäre schon OK. Aber darüber hinaus: So sehr das auf selbstinszenierten Beerdigungen anscheinend ausgelutschter Standard ist, eine „I did it my Way“ Beerdigung wünsche ich mir zehnmal lieber, als eine mit warmen Worten wie

 „Er war ein engagierter Mitarbeiter, der immer pünktlich zur Arbeit erschien, vorbildlich widerspruchslos vor sich hinackerte, so dass seine Vorgesetzten glänzende Karrieren machen konnten, fast nie krank war, alles mit sich machen ließ und deshalb mit wenig Gehalt auskam. Er verbrachte sein gesamtes Leben in Verhältnissen, die „man“ geordnet nennt: selten den Arbeitgeber gewechselt, aber niemals seine Frau. Seine Kinder im Kirchchor und ohne Tattoos. Präsident vom lokalen Taubenzüchterverein und Abonnent des Lokalblattes. Einen Baum hat er gepflanzt und ein Häuschen gebaut. Und die Nachbarn hat er immer so freundlich gegrüßt. Sie alle, und sein Dackel Wimmi, vermissen ihn furchtbar und werden ihn nie, nie, niiiiiiiie vergessen. Auf ewig. Versprochen!“

Weil er so ein aufregender Typ war?

Da ich nicht anwesend sein werde: Haltet meine Grabrede wie Ihr wollt, sie soll die Trauernden trösten, nicht den Verstorbenen.

Ein paar Arbeits- und Lebensjahre habe ich nach dem obigen Schema angesammelt. Aber zum Glück genügend bessere. Trotzdem stelle ich gerade fest: da muss ich doch noch mehr Material zusammen tragen, damit die Rede auch mir wirklich gefallen würde. Nicht der große Wurf fehlt. Aber durchaus ein paar mehr Farbkleckser passen da durchaus noch rein.

Leben – ich komme!

Sonntag, 13. April 2014

Kellerbäckerei

Nach längerer Pause gab es mal wieder eine Verabredung zum Frühstück in netter Runde. Ziel war das Museums-Café "Frau Bäckerin" in der Villa Oppenheim. Die Terrasse wäre traumhaft gewesen. Leider war es dafür heute zu kalt. So blieb uns also nur der Keller: vergitterte Fenster im Souterrain, durch die man den Sonnenschein draußen allenfalls erahnen konnte, ach wie schade! Zum vegetarischen Frühstück (7 EUR) gab es dann abgezählte zwei Brötchen inklusive. Wow! Die Qualität war zwar ohne Frage exzellent, aber a bisserl knausrig sind's schon dort. Der Caffè Latte ebenfalls sehr gut. Nichtsdestotrotz verließ ich vorzeitig die fröhliche Truppe, um die Sonne zu genießen und einen ebenfalls exzellenten Kaffee genussvoll in der Bergmannstraße zu schlürfen. Dieses Mal allerdings in der Sonne sitzend.

Samstag, 1. März 2014

Nymphomaniac ("Teil 1")

Ich wollte nicht in diesen Film. Aber ich hatte versprochen mit ins Kino zu kommen und das war der einzige, für den es noch Karten gab. Ich möchte im Kino gut unterhalten werden, angeregt werden, informiert werden. Aber nicht gelangweilt, das kann ich auch woanders. Und ich wusste vorher, dass das was drauf steht nie drin ist, wenn ein so genanntes „Enfant terrible“ lautstark einen tabubrechenden (hört, hört!) Film dreht

Also Lars von Trier. Der Film wirkt wie eine Ausrede für ältere Herren, mal wieder ganz offiziell etwas nackte Haut ansehen zu dürfen. Wenn es wenigstens ein richtiger Porno gewesen wäre (OK, für meine Mutter wäre es definitiv einer gewesen, aber für sie ist bereits eine Nivea-Werbung tendenziell pornographisch). Einzig die sinnfreie Aneinanderreihung der Szenen darf getrost pornoesk genannt werden: Irgendwie muss man ja Gründe konstruieren, um immer wieder Szenen rammelnder Paare zu zeigen, die allerdings selten erregen. 

Summa Summarum einige wenige schöne, ästhetische Sequenzen, auch nur wenige die ich wirklich erotisch nennen würde, im Wechsel mit Drama, Langeweile, Ekel (im Krankenhaus) und Geschmacklosigkeiten (die Hauptdarstellerin wird feucht davon, ihren Vater auf dem Sterbebett zu sehen...der Anspruch an ein Enfant terrible - Klischee muss ja erfüllt werden).

Dass der Film übergangslos im Nichts "endet" mag dem Konzept des Zweiteilers geschuldet sein, um den Zuschauer zwecks Auflösung der ungeheuren Spannung auch noch in Teil 2 zu locken. Meine Lebenszeit ist mir dafür zu schade. 
Lieber Lars von Trier, ein Rat zum Schluss, falls Du noch einmal einen Porno drehen möchtest: Kein Mensch will zwei-Stunden-Pornos sehen, in der Kürze liegt das Geheimnis. 
Aber das war in diesem Fall Dein kleinstes Problem.

Samstag, 3. August 2013

Das Glück des Augenblicks

Ich bin der festen Überzeugung, dass die schönsten Momente im Leben ausschließlich unverhofft kommen. Und nicht nur das. Eine hohe Erwartung an ein kommendes, erwartetermaßen wunderbares Erlebnis zerstört die Chance, dass es ein "schönster" Moment wird, denn eine (im Idealfall) erfüllte Erwartung ist ungleich weniger, als eine weit übertroffene (nicht-)Erwartung.

Milonga auf der Brücke des Bodemuseums
Aber man kann sich auf diese Momente vorbereiten und offenen Auges durch die Welt gehen, um sie zu pflücken, wenn sie sich anbieten.

Nach einem bereits genialen Tag in der Sonne mit Besuch der Liebermann-Villa und stundenlangem Picknick am Heiligen See in Potsdam kam solch ein Moment dieses Mal durch eine Verabredung zum Tango, in der wahrscheinlich heißesten Nacht des Jahres in Berlin.

Tango im Säulengang der Alten Nationalgalerie
Milongas an wechselnden Plätzen in der Innenstadt, Hit & Run genannt: die Gruppe taucht an einem schönen Platz auf. Die Musik ist in zehn Minuten aufgebaut. Und nach vielleicht einer Stunde sind alle wieder weg, bevor sich jemand beschweren kann oder ein Wachdienst genügend Zeit hatte, um zu entscheiden, dass man dort nicht tanzen solle.

Die erste Station auf der Brücke des Bodemuseums fand noch in der Helle eines hochsommerlichen Abends statt, wenngleich einzelne Regentropfen für Abkühlung sorgten (und mit einem Schirm zu tanzen ist wirklich anstrengend). Aber die Aussicht entschädigt - so man die Zeit dazu fand.

Bei der nächsten Station, im Säulengang der Alten Nationalgalerie, war es dann gegen 23 Uhr schon dunkel und die Mischung aus Tangomusik, Tanz, dem alten Gemäuer und der vorbeifließenden Spree schuf eine heimelige Tangoatmosphäre.

Mitternachtsmilonga neben der Spree
Als gegen Mitternacht die Truppe in Richtung Alexanderplatz weiterzog begann ein Musikantenpaar mit elektrischem Piano und Akkordeon, im Säulengang vorne zur Straße hin platziert, Piazzolla zu spielen, dem Meister des Tango Nuevo.

Ein langer Gang, Sommernacht, verführerische Musik. So tanzten wir spontan weiter durch die Nacht. Ein intensiver Moment, unerwartet, beseelend. Die Musiker legten ein Stück nach dem anderen nach, glückselige Momente im berührenden Klang, durch ihn zu schweben, eine Ästhetik perfekter Harmonie aus Bewegung und Musik.

Ich glaube, für diesen Moment habe ich die letzten 1,5 Jahre lang Tango gelernt. Ohne ihn zu erwarten. Jedoch bereit.
Auch wenn ich kein Photo von diesen letzten Tänzen habe: ich werde mich sicher noch viele Jahre an diesen wunderbaren Augenblick erinnern.

Samstag, 27. Juli 2013

Tu, was Du kannst. Und lass' den Rest.

Trotz brüllender Hitze von rund 32°C in Berlin wagten wir uns abends in die Wühlmäuse und wurden mit einer funktionierenden Klimaanlage belohnt, vorbildlich! Und entgegen meiner Erwartung wollten so viele Menschen Désirée Nick live erleben, dass der Zuschauersaal praktisch vollbestzt war, beeindruckend!
Désirée Nick selbst war dann für mich eine kleine Enttäuschung. Insgesamt eine runde Show, aber einfach nicht so mein Geschmack, kann ja jedem passieren. Die Anekdoten & Zoten waren meist tief unter der Gürtellinie (was nicht schlecht sein muss, aber auch nicht automatisch "witzig" heisst...). Gar nicht jedoch ging ihr "Gesang". Für ein musikalisches Ohr war es eine Qual: Die Fähigkeit mehrheitlich Töne zu treffen ist oberstes Gebot, wenn man sich singend auf eine Bühne wagt. Eine klare Stimme, um Töne zu halten und den Raum zu füllen, zweite Voraussetzung. Désirée Nicks Kernkompetenz ist der wortwitzige Vortrag.

Dienstag, 16. Juli 2013

Guerilla-Milonga

Eine Freiwildmilonga im Säulengang der Alten Nationalgalerie, träumerisch im Abendlicht mit Blick auf Spree, Fernsehturm und Dom. Rund 50 Tänzer hatten sich dank Internet konspirativ zusammengefunden, um unkompliziert, ungefragt und unaufdringlich mit Musik aus dem batteriebetriebenen Megablaster ein paar Stunden (und überraschend ungestört von irgendwelchen Sicherheitsleuten) dem Tango am besonderen Orte zu frönen. Tolle Idee!

Dienstag, 9. Juli 2013

Schlafen Sie mit Ihrem Chef!

Eine Freundin von mir war auf Jobsuche und so verschlug es sie auf eine der zahlreichen Karrieremessen in der Hauptstadt. Über einen "praktischen" Karrieretipp, den sie dort von Promotern einer Headhunting-Firma in die Hand gedrückt bekam, war sie allerdings weniger amused, denn eigentlich hat sie mit Doppelstudium und fünf fließend gesprochenen Sprachen vor, durch Arbeitsleistung im Job zu brillieren:
Kondome für die Karriere

Mittwoch, 3. Juli 2013

Schokolade sofort - oder Mord

Die knackige a-cappella Formation LaLeLu aus Hamburg gastierte mit ihrem Programm "Pech im Unglück - a-cappella-Lebensberatung" in der ufa-Fabrik und - kurz gesagt - war ein Genuss. Die Mischung aus sprachlichen und gesanglichen Parodien bei den zur Zeit doch angenehmen Temperaturen garantierte einen unterhaltsamen Abend unterm Sommerzelt. Es machte richtig Freude, viele bekannte Songs zu hören, denen die vier Sänger dann neue und größtenteils sehr witzige Texte hinzugefügt hatten. Der tosende Applaus, auch immer wieder zwischendurch, war durchaus angemessen. Empfehlenswert!

Donnerstag, 20. Juni 2013

Das neue "Bahn-Comfort"-Programm?

Auf der Zugreise mit der ÖBB nach Graz ging es romantisch durch die Berge. Die Klimaanlage war leider (wie zuvor schon bei einem Zug der Deutschen Bahn...) teilweise ausgefallen, so dass alle Reisenden gebeten wurden, nur Waggons mit funktionierender Klimaregelung zu besetzen. Der Stimmung tat es kaum Abbruch, die Aussicht entschädigte reichlich.
Da auch im Speisewagen tropische Temperaturen herrschten, war die Mitarbeiterin mit einer Warenauswahl in ein kleines Personenabteil umgezogen.
Das übliche kollektive Schweigen im Großraumabteil fand ein jähes Ende, als eine Schaffnerin folgende Durchsage durch die Lautsprecher machte: "Im letzten Abteil des Wagens 24 erwartet Sie eine Zug-Mitarbeiterin, um ihnen Sex und Getränke anzubieten."
Sie hatte wohl „Snacks“ gemeint, aber das ganze Großraumabteil brüllte bereits vor Lachen.

Sonntag, 19. Mai 2013

Kreuzberg am 19. Mai 2013

Ein wunderbarer sonniger Sonntag, perfekt geeignet für einen schönen Spaziergang nach einem äußerst gemütlichen und leckeren Frühstück im Café Morsh in der Vorbergstraße 8 in Schöneberg. Das Kleine Frühstück war mehr als reichhaltig und, genau wieder Obstsalat, qualitativ absolut top.
Der Kreuzberg ist bei diesem Wetter immer ein Wohlfühlort:

Sonnenwiese auf dem Kreuzberg

Wasserfall auf dem Kreuzberg

Auf der einen Seite, auf dem Sonnenhügel, die Sonnenanbeter, Yoga-Praktizierer, Jonglierer, Picknicker, Draußenleser und Denker.

Auf der andere Seite die planschenden Kinder in den Wasserfällen, unter steter Bebobachtung panikerfüllter Eltern, die ihren Kleinen beim Kraxeln über die glatten Steine zuschauen, allzeit bereit sich in die Fluten zu stürzen, falls eines einmal hineinfallen sollte.

Und dann der Karneval. Hunderttausende, meist entspannte, lachende, fröhliche, neugierige, genervte, suchende, betrunkene Zuschauer für das schönste Kreuzbergevent des Jahres. Die Vorher-Nachher-Betrachtung unterscheidet sich nicht nur durch den Promilllgrad der Besucher.

Ich habe noch nie so viele leere Pfandflaschen herumliegen sehen. Die Flaschensammler kamen nicht einmal ansatzweise mit ihrer Sammelei nach. Man sah sie zuhauf mit allesamt hofffnungslos überquellenden Riesentaschen, Wägelchen und Oversize-Fahrradanhängern herumlaufen. Und trotzdem blieben tausende Flaschen liegen. Es muss ihnen das Herz gebrochen haben, als die BVG ihnen am Ende den großen Rest der Arbeit abnahm.

Gneisenaustraße vor dem Karnevalsumzug

Die Straßen im Kiez, auch die Seitenstraßen, waren weitflächig mit unzähligen Glasscherben übersäht. Es war kaum möglich, seinen Fuß irgendwohin zu setzen, ohne dabei knirschend auf zerbrochenes Glas zu treten. Ich stehe nicht auf Verbote, aber hier gehört echt dringend ein Glasflaschenverbot her.

Gneisenaustraße: Ende der Party



Sonntag, 28. April 2013

Explosionsfrühling

Café Jenseits in Kreuzberg. Das Interieur gemütlich, der Tisch leider noch voller Krümel der vorherigen Gäste. Aber der offene Blick auf den sonnigen Heinrichplatz entschädigt. Die Begrüßung nicht zu freundlich. Der Café Latte zu heiß und der Espresso verbrannt. Der Cheesecake auffällig klein geschnitten, kostet dennoch so viel wie ein normalgroßes Stück Kuchen woanders. Die Kellnerin liebkost minutenlang innig den Hund eines Gastes und serviert dann übergangslos die Sandwiches an die Gäste am nächsten Tisch, Hände waschen gehört leider auch nicht zu ihrem Serviceprogramm. Aber dafür die Zigarette, mit der sie sich neben die vollbesetzten Außentische stellt. Die Verabschiedung ist sehr freundlich. Ich werde wohl trotzdem nicht wiederkommen.

Beim späteren Spaziergang genieße ich den Kreuzberger Frühling, als ob alles darauf gewartet hätte, explodiert nach diesem viel zu langen Winter überall das junge Grün. Die Fußwege um den Landwehrkanal sind mit Menschen geflutet, erst Richung Lohmühlenstraße wird es gemütlicher. Frühlingsdüfte durchziehen meine Nase. Frühlingsfarben erfreuen das Herz. Glücklichmachend.

Mittwoch, 24. April 2013

Musikalischer Volltreffer



Preisträgerkonzerte sind oft angenehm kurzweilig. Die Gewinner eines Wettbewerbs spielen ihre besten Stücke, bevorzugt solche, die auch gut beim Publikum ankommen und langweilige Sätze und Passagen, wie sie in den meisten Werken irgendwo vorkommen, finden in der Regel keinen Platz auf solchen Veranstaltungen. Also ein Grauen für jeden orthodoxen Klassikfan aber hervorragend geeignet für Klassikradiohörer wie mich.
Das Konzert der Preisträger des Dussmann-Musikwettbewerbs war unter den Musikabenden dieses Typs dann aber noch einmal ein besonderes Schmankerl: Während man bei vergleichbaren Konzerten die musikalischen Fähigkeiten der Kinder (und vermutlich damit oft auch den überstarken Ehrgeiz der Eltern) bewundert und anerkennt, so gab es im Keller von Dussmann ein qualitativ glänzende Aufführung exzellenter Musiker, die zufälligerweise auch noch Kinder bzw. Jugendliche waren. Der Moderator übersah (obwohl selbst Musiker) leider die Korrepetitoren und vergaß konsequent jedes Mal, ihre Namen anzusagen, als ob es sie auf der Bühne gar nicht gebe, dafür aber fing die Hausherrin das Publikum schnell mit ihrem Charme wieder ein.
Da waren u.a. Moses Yoofee Vester, der mit einer Eigenkomposition im Jazz sowohl technisch, als auch musikalisch einen wunderschönen Kontrapunkt setze, Marijn Seiffert und David Scherka, die mit ausgebuffter Professionalität während ihres Bottesinis abwechselnd mit ihren Instrumenten, miteinander und mit dem Publikum flirteten, und Sebastian Lange, der mit seinem Saxophon einen modernen japanischen Komponisten wie einen alten klassischen Meister zelebrierte.
Zwei Stunden Höchstgenuss.