Sonntag, 30. September 2012

Geburts Tag

Als ich heute morgen geboren wurde, spürte ich einen leichten Schmerz im Rücken. Auf wundersame Weise war mir die Erinnerung an mein früheres Leben nicht genommen worden. Ich konnte mich an einiges aus der Vorzeit erinnern. Mit wackeligen Beinen ging ich zum Fenster. Obwohl Ende September, schien mir die Sonne in strahlend warmen Licht ins Gesicht. Ein schöner Tag, um zu leben.

Ich stolperte durch die Wohnung, die anscheinend mein Zuhause werden sollte. Überall lagen leere Flaschen und abgerissene Dekorationen herum. Anscheinend hatte es hier am Vorabend eine riesige Party gegeben. Schade, dass es mich da noch nicht gab. Dem Augenschein nach musste es recht feuchtfröhlich zugegangen sein.

Aber wo war meine Mutter? Hatte ich überhaupt eine? Soweit ich es aus meinem Instinktgedächtnis entnehmen konnte, wurden Säuger doch immer von ihrer Mutter geboren, die sie dann auch anfangs ernährte und aufzog. Zum Glück fanden sich reichlich Essensreste und Trinkbares in meinen Räumen, mit denen ich meinen ersten Hunger und Durst stillen konnte.

Ich blickte an mir herunter. Ich war nackt. Wahrscheinlich der normale Zustand für einen Neugeborenen, nun aber begann ich zu frösteln. Die Sonnenstrahlen durch die geschlossenen Fenster reichten nicht aus, um mir die gewohnte Wärme des Mutterleibes zu ersetzen.

In einem Nebenraum entdeckte ich eine Dusche. Mein Instinktspeicher ließ mich ohne nachzudenken die richtigen Bewegungen ausführen, so dass bald warmes Wasser auf meine Haut prasselte und alle Reste der Geburt von mir spülte.
Ich fiel in eine Art Trancezustand. In einem Schnelldurchlauf lernte ich die Zusammenhänge der Welt kennen, die anscheinend abrufbereit pränatal irgendwo in meiner Gehirnstruktur gespeichert worden sein mussten. Es gab Leben und Tod. Dazwischen blieb den irdischen Lebewesen ein wenig Zeit, um aktiv zu werden. Nur selten wussten diese Lebewesen um die genaue Zeitspanne ihres aktiven Daseins auf der Erde. Eintagesfliegen etwa, konnten es sich denken. Schließlich trafen Sie nie andere Eintagesfliegen, die ihnen vom Vortag erzählen konnten. Sie lebten wohl sehr bewusst ihr Leben.

Mir wurde mulmig. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie einen anderen Menschen getroffen, der mir von früheren Zeiten berichten konnte. Vielleicht war ich ein Eintagesmensch und mein Leben am Abend schon wieder vorbei? Reflexartig stoppte ich den Wasserfluss der warmen Dusche und erstarrte. Meine Uhr tickte. Ich musste Leben.
Jetzt sofort.

Montag, 24. September 2012

Kundenservice verkehrt

"Tanzschule" Kreatango in der Obentrautstraße. Die Webseite leicht veraltet, aber mit reichhaltigem Programm. Wir wollten testweise mal einen Open-Class-Kurs dort besuchen. Klingeln? Keine Reaktion. Zehn Minuten vor Kursbeginn kommt ein weiteres Tanzpaar und wartet mit uns gemeinsam. Der Tanzlehrer sei etwas unzuverlässig und komme öfter mal knapp oder verspätet. Oder (wie kürzlich geschehen) auch gar nicht. Gar nicht?? Das war leider prophetisch auch für den heutigen Tag: eine akademische Viertelstunde nach geplantem Kursbeginn gehen wir alle entnernvt nach Hause.
Naja, war mal ein Versuch. Reicht dann auch für immer mit diesem einen.
Macht doch wenigstens ein Schild an die Tür: Herabgewirtschaftete Tanzschule zu verkaufen. Dann weiß jeder Bescheid.

Dienstag, 18. September 2012

Magnum aus der Bergmannstraße

Auf der Suche nach einem knackigen, grellen Hawaiihemd für meine geplante schräge Magnum-Mottoparty stieß ich aufs "Colours" in der Bergmannstraße: Der Laden ist der Hammer für Vintageklamotten (früher, in Verkennung der wahren Bedeutung dieses Kulturguts, "2nd Hand Kleidung" genannt). Ich bin eigentlich nicht der Gebrauchte-Kleidung-Träger, aber bei der sensationellen Auswahl und Präsentation komme ich gleich auf ganz neue Partyideen.... 70er Jahre Party, Bad Taste Party, Wildlederparty, Hutparty, ....

Das Publikum dort ist unerwartet cool: eher studentische Berlin-Fashion-Elite auf der Suche nach hippen Einzelstücken, als Hartz-IV-Shopper. Für mein schönes Hawaiihemd und die dazu passende, unglaublich furchtbare, kurze, enge, weiße Polyamidhose im perfekten Magnum-Look zahle ich dann zusammen ganze 3,31 EUR. Japp.
Hier werde ich zwar nicht Stammgast, aber mit Sicherheit Wiederholungstäter.

Montag, 17. September 2012

"To Rome With Love"

Ich bin kein Woody Allen Fan. Und werde es wohl auch nicht werden... Der vorletzte, "Midnight in Paris", war ein genialer Film, aber leider (für mich) eine Ausnahme von Woody Allen. "To Rome With Love" nun war nun zwar kein schlechter Film, aber eben auch nicht das, was mich in höchste Glücksgefühle versetzte. Zu viele Absurditäten, Nebenhandlungsstränge, die zur Haupthandlung nichts beitragen. Aber ich verstehe ja Helge Schneider auch nicht... Der Hauptstrang ist jedoch schön, romantisch, sympathisch. Die Rombilder alle bezaubernd. Wie schon die Parisbilder im vorherigen Film.

Definitiv genialistisch: Die Operninszenierung mit Duschkabine auf der Bühne, damit der Bestattungsunternehmer, der leider nur unter der Dusche so gut singen kann, auch auf einer Bühne brillieren kann, auf die Idee muss man erst einmal kommen...

Ein schöner Dialog bleibt mir im Gedächtnis:
Allen sitzt mit seiner Frau im Flugzeug, Landeanflug, es wird unruhig.
Sie: "Beruhige Dich, das sind nur Turbulenzen".
Er: "Ich kann mich bei Turbulenzen nicht beruhigen. Ich bin Atheist!"

Sonntag, 16. September 2012

Goldberg

Restaurantkurzkritik: Mal wieder im Goldberg gewesen (Kreuzkölln), unglaublich gute Gnocchi, gute vegetarische Lasagne, sehr guter Salat. Und wie immer: superfreundlich! Das richtige Ambiente, um mal eben in drei, vier Stunden alle Weltprobleme zu lösen und nebenbei zwei Kilo zuzunehmen.

Samstag, 15. September 2012

BVG-Fähre


Es hat nur knapp neun Jahre gedauert, bis ich es endlich nun mal geschafft habe, mit einer der BVG-eigenen Fähre unter Ausnutzung meiner Monatskarte über den Langen See in Köpenick zu schippern. Zwar namenswidrig nur ein kurzes Vergnügen, aber doch irgendwie malerisch. Würde ich in der Nähe wohnen, wäre ich vermutlich täglicher Stammgast und würde mich nur hin und her fahren lassen...

Köpenick ist ohnehin wunderschön. Alte Häuser, alte Bäume, große Gärten. Die kombinierte Geburtstags-/Promotions-/Schwangerschafts-Gartenparty zu der ich eingeladen war, fand in so einem alten Garten statt, Herbstsonne, anregende Gespräche, phantastisches Essen, da kann man sich zwischen Raum und Zeit verlieren.

Schade, dass die beiden Flügel im Haus so verstimmt waren, sonst hätte der Abend noch ganz anders ausgehen können. So aber ging es schon früher zurück. "Nur" 1:15 Stunden Fahrtzeit bis zurück nach Berlin-Mitte. Da kann man ja gleich bis Leipzig fahren...

Freitag, 14. September 2012

Tango-ART

Ein unterhaltsamer Abend im ART13. Erst ein Mittelstufenkurs (vielseitige Variationen gelernt), dann eine Practica (brauchbare Anleitung) und anschließend Milonga (mit glücklicherweise genügend Tanzraum für jeden) bis um 2 Uhr, da kann man öfters hingehen.
Über sechs Stunden Tango Argentino am Stück.
Ich brauche zwei Tage Pause.

Mittwoch, 12. September 2012

Singleshopping

Zu recht später Stunde, vorhin beim Kaiser's in der Pappelalle, Prenzlauer Berg.

Gang für Gang im Blickwechsel.
Sie nimmt Bananen. Ich nehme Pfirsische.
Sie nimmt eine Packung Milch. Ich nehme die gleiche.
Ich nehme eine Packung Frühstücksmüsli. Sie nimmt die gleiche.
Ich nehme Erdnüsse. Sie nimmt Chips.
Wir stehen an der Kasse hintereinander.
Blickwechsel.
Ich habe meine Kopfhörer drin. Sie hat ihre auf.
Sie geht.
Ich gehe.

Draußen halte ich kurz fragend inne.
Als bekennender Flirtlegastheniker stelle ich fest: einfach ein schöner Moment.
Und gehe mit einem Lächeln nach Hause.

Sonntag, 9. September 2012

Frühstück in Kreuzberg und Brötchenphantasien

Sehr schöne Ergänzung meiner Frühstückslokale: die Helvetia Bar in Kreuzberg (nahe Heinrichplatz). Dieses Schweizer Lokal bietet (neben Rühreivarianten und gut aussehenden Toasts) im Wesentlichen ganze zwei richtige Frühstücke: "großes Frühstück" (9,50 EUR) und "kleines Frühstück" (6,50 EUR). Die sehen dann auch noch fast gleich aus und bereits das kleine ist üppig genug, um satt zu werden: Liebevoll angerichtet, sehr gute Auswahl und Qualität, frische Feigen dabei, Preiselbeermarmelade, leckeres Brot, dezente Klassikmusik im Hintergrund, umsichtige Bedienung, leckerer Kaffee, kurzum perfekt!
Angenehm: man muss nicht reservieren, sondern bekommt auch so einen freien Tisch.
Großes & kleines Frühstück...und auf jedem Tisch stehen Buntstifte zum Malen, nette Idee :-)
Carmen erzählte mir von ihrer Erleuchtung am Vortag. Sie ist seit zwei Jahren mit ihrem Freund zusammen. Gestern fanden sie plötzlich zufällig heraus, dass beide eigentlich gar keine Brötchen zum Frühstück mögen, sondern nur Müsli bzw. Vollkornbrot. Aber sie hatte vor zwei Jahren bei seinem ersten Übernachtbesuch Brötchen für ihn gekauft, und er brachte seither immer welche zu ihr mit, weil er dachte, sie frühstücke ja gerne Brötchen. Und so haben beide sich zwei Jahre lang dem anderen zuliebe mit eigentlich ungeliebten Brötchen zum Frühstück herumgeschlagen, herrlich :-) Das war quasi Watzlawick bzw. Eric Berne live: Wenn (Ehe-)Paare nicht miteinander kommunizieren. Na wir haben jedenfalls schön drüber gelacht. Ein fröhliches Frühstück.

Dienstag, 4. September 2012

Optimism is just lack of information

Nach langer Zeit mal wieder im English Comedy Club Kookaburra gewesen. Inhaber Sanjay Shihora brillierte mit Mathematikunterricht und seiner nackten Haut. Höhepunkt des Abends war jedoch das englischsprachige Programm vom (mir bis dato unbekannten) Klaus-Jürgen Deuser vulgo "Knacki": zurecht tobender Applaus für seine beiden gelungenen Auftritte, mit denen er die ausländischen Klischees des typischen Deutschen (und insbesondere des typischen Berliners) pointiert auf die Schippe nahm. Absolut wiederholenswert.

Frühstücken in Berlin

Eine kurze Zusammenfassung meiner Frühstückscafés der letzten Zeit:

  • Alibi, Oranienstraße, Kreuzberg: Günstig & nett, man findet immer noch einen freien Tisch.
  • Bilderbuch, Akazienstraße, Schöneberg: Während der Woche wunderbar! Wochenends soll da großes Gedränge sein.
  • Gottlob, Akazienstraße, Schöneberg: Eigentlich mag ich das Essen dort sehr gerne, aber zehn Minuten auf den Kellner, und 33 Minuten auf das Frühstück warten ist mir künftig dann doch zu viel.
  • Atlantic, Bergmannstraße, Kreuzberg: Günstiges und gutes Frühstück, aber wenig Kaffee fürs Geld. Sehr freundlich.
  • Dachgartenrestaurant Käfer im Bundestag, Tiergarten: Aufgrund des Preisniveaus nur zu empfehlen wenn man dahin eingeladen wird, Aussicht sensationell, Ambiente & Personal distanziert und leider (zwangs-)spießig, Portionsgrößen recht übersichtlich, aber von guter Qualität.
  • Hannibal, Wiener Straße, Kreuzberg: Ich brauche morgens Ruhe & Frieden und ertrage kein Gedränge am Buffet.
  • Morena Bar, Wiener Straße, Kreuzberg: Immer wieder aufs Neue festgestellt: die können keinen ordentlichen Kaffee machen. Und keinen freundlichen Service. Schade.
  • Café Marx, Spreewaldplatz, Kreuzberg: Freundlich, super Qualität, aber drinnen sehr eng & dunkel. Eigentlich nur etwas für draußen.
  • Mokkabar, Gneisenaustraße, Kreuzberg: Note 1 für Frühstücke, Ambiente & Freundlichkeit. Nur beim Kaffee nicht ganz mein Ding, leider.
  • Schönes Café, Dieffenbachstraße, Kreuzberg: Klein aber 1A.
  • Gasthaus Lentz, Stuttgarter Platz, Charlottenburg: Top, nur drinnen etwas laut.
  • Morgenland, Skalitzer Straße, Kreuzberg: Ich war immer noch nicht drin, weil es nach übereinstimmenden Aussagen permanent überfüllt und mit grässlichem Gedränge am Buffet sein soll.
  • Rote Harfe, Heinrichplatz, Kreuzberg: Früher für ein Buffet-Frühstück eine meiner Lieblingslocations, nach Wechsel in der Küche leider nicht mehr mein Ding.
  • Kuchenkaiser, Oranienplatz, Kreuzberg: Auch zum Frühstück immer eine Empfehlung. Personal immer freundlich!
  • Zimt & Zucker, Schiffbauerdamm, Mitte: sehr teuer, langsame Bedienung, enge Tische.
  • Salon Schmück, Skalitzer Straße, Kreuzberg: Sehr gemütlich, eigentlich lecker, aber für unseren Geschmack hätte es ein wenig sauberer dort sein dürfen...
  • Literaturhaus, Fasanenstraße, Charlottenburg: Im Sommer im Garten frühstücken, herrlich!
  • Helvetia Bar, Mariannenstraße, Kreuzberg: sehr kleine Auswahl, top Qualität, ruhig und nett. 
  • Café Aroma, Hochkirchstraße, Schöneberg: sehr teuer, sehr gut, sehr laut.
Ich merke gerade, ich muss mal wieder in ein paar neue Bezirke.

Gibt es eigentlich Menschen in Berlin, die Sonntags daheim frühstücken? Kleiner Tipp: Ihr werdet vermutlich erst dann wissen, was Ihr verpasst habt, wenn Ihr mal in eine andere Stadt umzieht, ohne so eine großartige Frühstückskultur wie hier in Berlin... Sehr hilfreich finde ich übrigens immer diesen Frühstücksratgeber.

Samstag, 1. September 2012

Eisdiele Falckensteinstraße

Da man sich auf den Berliner Sommer und die Sommertage ja nie so recht verlassen kann, war das vielleicht heute Abend das letzte Eis des Sommers 2012. Zum Glück gabe es heute wieder Pflaumeneis, mein absoluter Favorit hier, zum dahinschmelzen....
Ach ja, vielleicht kommen ja doch noch ein paar warme Abende, ich hoffe drauf.

Sonntag, 26. August 2012

Schönes Café

Brunch im Graefekiez. Das Schöne Café in der Dieffenbachstraße kann ich sehr empfehlen. Nur kleine Auswahl an Frühstücksvariationen, aber ich brauche auch keine 25 Menues zur Auswahl. Dafür Demeter-Produkte, geschmacklich und optisch alles sehr gut, einschließlich dem leckeren Latte Macchiato und sehr freundlicher Bedienung. Acht Außentische und nur drei Innentische, daher vermutlich eher eine Empfehlung für sonnige Sommertage. Aber definitiv ein Empfehlung!

Samstag, 25. August 2012

Und wieder auf dem Wasser

Berlin ist die Stadt der Wasserratten. Ich werde sicher keine solche, aber ich fühle mich sauwohl auf den zahlreichen Gewässern in und um Berlin. Im Rahmen einer Geburtstagsfeier ging es nach Potsdam, auf einem Steg wurde gefeiert. Aber ich war gefühlte zwei Stunden nur auf einem der Boote und ließ mich herumchauffieren. Passiver "Sport" ist zwar auch schön, aber: ich muss doch dringend wieder mit dem Rudern anfangen. Es fehlt mir.

Ach ist das schön, wenn an einem Sommertag der frische Wind um die Nase weht, die Wellen plätschern und das Ufer an einem vorbeizieht, ein echter Kurzurlaub - und das direkt vor der Haustüre.

Das Grillen am Abend bildete dann den passenden Abschluss. Ich glaube, so viel Fleisch, wie in den letzten zwei Wochen, habe ich seit Monaten nicht gegesssen. Aber in jedem Fall: Vielen Dank für die großzügige Einladung, hat tierisch Spaß gemacht!

Sonntag, 19. August 2012

Werder im Sommer


Werder/Havel Kajak mieten
Paddeln in Werder
Vom Oder-Havel-Kanal im Norden Berlins ging es direkt ins südliche Umland von Berlin, an die Havel, nach Werder. Wir mieteten uns ein paar Boote und paddelten munter auf der Havel herum. Was ich nun sicher nicht mehr empfehlen kann: das 10er-Kajak. Theoretisch könnte man da mit viel Spaß und Power auf dem Wasser herumdüsen und mit seinen Freunden gemeinsam sporteln. Praktisch hat man mindestens fünf Kapitäne. Ich hasse unerwartete und (für mich) überflüssige Teambuildingmaßnahmen. Erst recht in meiner Freizeit... Also nächstes Mal bin ich wieder in einem 2er Kajak. Cool war es trotzdem.
Zwischendurch landeten wir an einem Badestrand und sprangen dort mit der ganzen Truppe für 30 Minuten ins warme Wasser, herrrrrrlich....... Zum Abschluss dann gemütliches Grillen im riesigen Garten einer Freundin. Werder ist wirklich wohnenswert. Besser kann man sich einen heißen Sommersonntag mit seinen Freunden einfach nicht vorstellen, Volltreffer!

Samstag, 18. August 2012

Sommerhochzeit


Irgendwie müssen alle immer im Sommer heiraten, aber OK, ich würde es vermutlich nicht anders machen... Nachdem ich nur ein Wochenende Verschaufpause hatte ging es schon zur nächsten Hochzeit, dieses Mal nach Velten - quasi Pampa vor den Toren Berlins - in das Gasthaus Zum weißen Schwan.
Biergarten und Hotel Radweg Berlin-Kopenhagen
Das gemeinsame Frühstück am Morgen danach
Ein richtig schönes Ausflugslokal (mit einfachen Zimmern zur Übernachtung), direkt am Oder-Havel-Kanal gelegen, mit wunderbarem Biergarten unter alten Bäumen und netter Bedienung. Besser konnte man es bei diesem Sommerwetter wirklich nicht machen. Als Tagesausflugsziel übrigens auch sehr zu empfehlen (liegt direkt am Berlin-Kopenhagen-Radweg)!


Der Saal für die Feierlichkeiten passte optimal, die rund 100 Gäste waren fröhlich, die Musik wirklich exzellent. War übrigens auch während der zahlreichen Reden eine sehr unterhaltsame Hochzeit - wenn zwei heiraten, die beide nicht auf den Mund gefallen sind, kann es nur lustig werden. Highlight war jedoch die Rede des Brautvaters. Hätten Blicke töten könne, hätte sich die Braut in dem Moment fraglos kurzerhand selbst zur Halbwaisin gemacht. Schade, dass man jemandem nicht wünschen kann: heiratet bald wieder... ;-)

Mittwoch, 15. August 2012

Aktuelle Biergartenblitzkritik

Da der Sommer nun doch noch zu uns gefunden hat, waren die letzten Wochen öfters biergartenfähig. Hier meine Kurzkritik über die zuletzt besuchten:

  • Café am Neuen See: schön gelegen, solange noch die Sonne scheint, überlaufen, Pizza lecker, aber zu dünn (man wird nicht satt). Promifaktor und Touristendichte sorgen leider für etwas Grundhektik.
  • Schleusenkrug: auch überlaufen, aber gemütlicher als am Neuen See, Publikum gelassener.
  • Marina Beach im Tempelhofer Hafen (auf der künstlichen Halbinsel): super Lage (Abendsonne bis zuletzt). Ganz schlecht: es gibt aufgrund der Brauereibindung kein alkoholfreies Bier. Überhaupt das Bier da, nun ja, ist eher ein Biergarten für Limotrinker. Aber freundliche Bedienung.
  • Freischwimmer: Sehr leckeres Essen, sehr freundliche Bedienung. Nichts für Insektenphobiker.
  • Capital Beach: Beste Hanglage direkt am Wasser, Liegestühle, Abendsonne bis zuletzt. Besser vorher zu hause essen. Aber Cocktails im Plastikbecher - naja, wer's mag...

Für alle hier genannten Biergärten gilt: Wer klugerweise ein Mückenspray mitbringt findet umgehend viele neue Freunde...

Freitag, 10. August 2012

Berliner Leben: "Oma und Bella"

Wunderschöner Film über zwei sehr sympathische Berliner Damen. Man schwankt zwischen Wehmut, Neugierde und Heiterkeit und bekommt irgendwie den ganzen Film über Hunger, weil gefühlte 50% der Zeit jüdisch gekocht wird oder jemand beim Essen gezeigt wird. Mjam, mjam.

Sonntag, 3. Juni 2012

Probesterben für Anfänger


So ein Berliner Regensonntag treibt seltsame Blüten. Erst der schöne Tangounterricht am Morgen, anschließend ein bisschen aufgeräumt im Leben, ein langer Kaffee mit einer guten Freundin,  ein schönes Telephonat und dann plötzlich, als es schon wieder dunkelte, die Philosophierlaune: Bin deshalb, resultierend aus dem Querlesen eines Buches über Prioritäten im Leben setzen, kurzerhand mal eben zur Probe gestorben. Was bereute ich?

Die Hitliste, in Reihenfolge:
  1. Dass es Menschen (Freunde, Verwandte) gibt, denen ich nicht mehr rechtzeitig ausdrücklich gesagt habe, wie gerne ich sie habe
  2. Dass ich immer noch nicht in eine tolle Loftwohnung mit einem 150m² Wohnzimmer und einem Flügel in der Raummitte umgezogen war
  3. Dass ich mich in meiner Freizeit doch zu wenig auf die wirklich schönen Beschäftigungen/Hobbies fokussiert hatte, zu selten Freunde zu mir nach Hause eingeladen hatte, zu selten ein Picknick mit Freunden und Gitarre geplant hatte
  4. Dass ich zu selten alte Freunde in Österreich und Südtirol besuchte
  5. Dass ich die alten Erbmöbel nicht schon längst an mein Patenkind verschenkt hatte
  6. Dass ich viele Male im Leben hätte konsequenter sein müssen (Jobwechsel, Beziehungen)
  7. Dass ich viele Male im Leben nicht mutig genug war
  8. Dass ich nichts Bleibendes hinterließ, die Welt zu wenig veränderte.
Und ein paar privatere Dinge, die hier nicht reinpassen, soll ja kein Seelenstriptease sondern nur eine Anregung sein, selbst mal so eine Liste aufzustellen und drüber nachzudenken.

Mal schauen, was davon ich in nächster Zeit selbst in die Hand nehmen kann und werde. Nr. 1 wäre ja wirklich billig umzusetzen. Kostet aber leider manchmal ganz schön viel von Nr. 7. Schon seltsam, wie man so tickt…

Und was gefiel mir? Ooooooh, lange Liste :-) 

Meine vielen Partys in meiner Wohnung, meine vielen Freunde, die (hoffentlich) einige schöne Momente mit mir hatten, die Telephonate, bei denen ich meine Mutter immer wieder zu einem herzhaften Lachanfall bringen konnte, meine Reisen, mein Umzug nach Österreich, mein steigender Mut/Bewusstsein zum "vernünftigen" Hedonismus einhergehend mit der Emanzipation von Konventionen (wahrscheinlich Resultat der schleichenden Berlinisierung, oder genauer, Kreuzbergisierung von mir). Und all die Momente, in denen ich jemandem im Leben eine richtig tolle Freude gemacht habe.

Ich glaube, es geht mir ziemlich gut.

Danke für die schöne Inspiration, Regensonntag!

Donnerstag, 31. Mai 2012

Erwartungsdruck trifft Ich-will-es-Dir-rechtmachen

Das kleine Drama im Alltag: Ein Studienfreund von mir, sehr erfolgreicher Arzt mit eigener Großpraxis, verkündete vor einem Monat stolz, dass er beabsichtige, nach zwölf gemeinsamen Jahren seine Langzeitfreundin, ebenfalls erfolgreiche Ärztin an einer renommierten Klinik, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Zwei Wochen später folgte die Absage der Hochzeit.

Was war geschehen?

Durch einen kleinen Zufall war herausgekommen: Sie arbeitete in Wirklichkeit gar nicht an der Klinik. Sie war auch keine Ärztin. Hatte kein Studium. Keine Ausbildung. Nur ein paar Scheine aus den ersten Semestern des Medizinstudiums. Und seither hatte sie ihm die erfolgreiche Partnerin vorgespielt, die er sich immer gewünscht hatte. Statt zur Uni oder zur Klinik fuhr sie jeden Tag zum Supermarkt, um dort an der Kasse ihr Geld zu verdienen.
Sein trockener Kommentar: “Wenn Du den ganzen Koordinierungs- und Verschleierungsaufwand ins Studium gesteckt hättest, hättest Du den Doktortitel schon lange in der Tasche gehabt.”
Nun hängt der Haussegen zwar schief, aber sie wollen es trotzdem irgendwie weiter miteinander probieren. Nur erstmal ohne Hochzeit und ohne Kinder. Sie will das Studium nun noch einmal richtig versuchen...

War es ungleiche Augenhöhe? Fehlender Respekt? So elementare Bausteine.

Ohne Kommissar Zufall wären vielleicht beide bis an ihr Lebensende glücklich miteinander gewesen. Nur aufgrund eines perfekten Anscheins. Faszinierend-schauriger Gedanke...

Jeder sucht sich den Partner, den er braucht...

Sonntag, 27. Mai 2012

König Karneval der Kulturen

Der Karneval der Kulturen, wie jedes Jahr, mein persönliches Kulturhighlight in Berlin. Wenn es die Verantwortlichen nur endlich einmal schaffen würden, beim großen Straßenumzug sicherzustellen, dass die Lücken zwischen den Wagen nicht zu groß werden, denn das wirkt so stimmungstötend. Ansonsten: Straßenfest und Umzug wunderschön!
Streetdance-Performance beim Straßenfest

Großes Gelächter gab es, als der Baum die Prinzessin vom Turm kickte. Aber dafür dann auch brandenden Applaus, als sie es nach mehreren Anläufen wieder auf ihren Platz geschafft hatte

Sonntag, 20. Mai 2012

Tango und Schwangerschaftsstrategien

Ich weiß nicht, ob der Lehrer wichtiger sein kann, als der Lehrstoff. Nach meiner Erfahrung jedoch macht ein schlechter Lehrer aus Lehrstoff Leerstoff. Ein guter Lehrer jedoch bringt einen, unabhängig vom Stoff, immer ein Stück weiter. Im konkreten Fall sogar ein außerordentlich großes Stück: zweitägiger Tango-Workshop im Mala Junta, Tanzlehrer Jonas hat es echt drauf. So viel habe ich in anderen Kursen weder hier, noch an anderen Tanzschulen, in so kurzer Zeit gelernt. Exzellent! Mein Learning: Die Empfehlung einer Tanzschule bringt gar nichts, nur die Empfehlung eines Lehrers. Fühle mich ab sofort zumindest elementar milongafähig: der Tangosommer kann beginnen, jippieh!


Empfängnismethode oder Verhängnismethode? 

 

Am Abend lockte endlich wieder das Wetter in den Biergarten, dieses Mal mit einer sehr guten Freundin in den Brachvogel. Das Thema des Abends: Sie will ein Kind. Soll sie ihrem nächsten Liebhaber vorgaukeln, dass sie verhüten würde? Mit nun 41 Jahren will sie nicht mehr warten, bis „der Richtige“ vielleicht mal vorbeikommt. Finanzielle Ansprüche will sie keine stellen. Der Stoff reichte reichlich über schwule Erzeuger per Kleinanzeige und Samenbank über Erbrecht bis hin zu ehrlicher Kommunikation, Serendipität und Vertrauen, so dass es bis tief in die Nacht wurde, problemlos, dank Berliner Sommerwetter.

Nachtrag, 26.5.12, SMS erhalten, dass die Zielperson im Urlaub sich beharrlich weigert , auf den Schutz zu verzichten. Noch. Ich bin gespannt...

Donnerstag, 17. Mai 2012

Chansons, Party, Chormusik

"Satiriker sind keine Lyriker" in der Bar jeder Vernunft. Tim Fischers bissige Chansons deckten alles ab, was die aktuelle Presse so hergibt: Facebook und der Börsencrash, Kapitalismus und Ausbeuterei, amerikanische Kriegsdrohnen und Sex (der Orgasmussong - göttlich!), DAX und Versagensängste, Islam und Kopftuch, Berlusconis Frauen und Guantanamo (beschwingend-karibische Salsamusik zu bitterbösen Texten - genialistisch!). Am Klavier saßen abwechselnd Rainer Bielfeldt und -man halte sich fest- Gerhard Woyda, als Texter und Komponist, ...im stolzen Alter von 87 Jahren auf der Tastatur virtuos wie ein 20jähriger, unglaublich!!!
 "Ich hasse Blumen" als wirklich krönender Abschluss: Wunderbare Show, der Applaus für die drei entsprechend.


Anschließend ging's weiter zur Wir-sind-Helden-Party im Ritter Butzke. Jürgen Vogel stand wir versprochen am Einlass und begrüßte alle jungen Mädels mit flotten Sprüchen. Kurzer Auftritt des Berliner Kneipenchors (mitreißend, das Publikum sang bei Grönemeyers "Männer" geschlossen mit, Hut ab!), anschließend getanzt bis um 3. Auch wenn wir den Altersschnitt vermutlich verdoppelt haben: Tolle Party!

Nachtrag 18.5.12: Na bravo, und nun stehen wir seit heute beim Konkurrenzchor als Werbung auf deren neuen Facebook-Titelbild ;-)

Dienstag, 1. Mai 2012

Hasenheidenkultur

Cricketspieler in der Hasenheide
Indische Cricketspieler in der Hasenheide, ich liebe diesen Ort!

Montag, 16. April 2012

Freunde, Vorstellungen & Realitäten


Hermann Hesse, "Freunde". In drei Stunden glatt durchgelesen. Hans sucht. Er findet Freunde. Im Privaten. In der Studentenverbindung. Im Universitären. Im Geiste. In der Lebensweise. Er findet Freunde. Aber er findet nicht seinen Weg. Liegt es an seiner Herangehensweise? Oder gibt es Menschen, die ihren Weg vielleicht niemals finden können?

Eine gewisse Leere bleibt bei mir zurück. Oder Beklommenheit? Nachdenkenswert.


Was ich mitnehme?


"Hans meinte zu wissen, dass jeder Mensch sein eigenes Ziel habe, jeder ein anderes und dass scheinbare Übereinstimmungen hier nur Täuschungen sein könnten. Immerhin war es möglich, dass zwei Menschen grosse Wegstrecken gemeinsam gingen und Freunde waren."

Da ist sie wieder. Die Erkenntnis, dass die meisten Freunde nur Freunde für jeweils einen Lebensabschnitt sind. Tempus fugit. Pflücke den Moment, denn er kommt nie wieder und ist (tatsächlich) ein Geschenk. Im Guten, wie im Schlechten. Ein frommer Wunsch, vom Alltag regelmäßig erfolgreich verdrängt.
 
und:

(Nach einem großen Vorwurf): "Nicht schimpfen, Hans! Es kommt Dir vielleicht so vor, aber Du weißt doch, die Sachen sind immer anders, als sie uns vorkommen"

Das bedingungslose "immer", das Hesse hier statt des (heute) üblichen "meistens" verwendet machte mich nachdenklich und erinnert mich an Watzlawick: jeder Mensch hat seine eigene Wirklichkeit. Wir sollten weniger vorwerfen, als Verstehen lernen. Und akzeptieren. Und manch Anderer hat uns vielleicht in Wahrheit weitaus weniger wichtig genommen, als wir es gerne gehabt hätten. Und sein uns ungeliebtes Tun oder Unterlassen war in seiner Realität ein Nichts. Und nur in unserer eigenen ein schmerzvoller Tsunami.

Mir fehlen die nächtelangen philosophischen Diskussionen aus der Studentenzeit.

Samstag, 7. April 2012

Mailand in Berlin

Die Filarmonica della Scala spielte in der Philharmonie Berlin, und dann noch unter Daniel Barenboim. Kann ja eigentlich nur gut werden. Aber es wurde sogar sensationell: Barenboim dirigierte so, wie wohl ein Sonnengott seine Lichtstrahlen beherrscht. Rossini und Verdi waren ohnehin Selbstläufer, die mit tosendem Applaus bedacht wurden. Aber selbst der Debussy (nicht gerade mein Favorit) wurde zum Glanzstück. Neben göttlicher Musik lag das wahre Festspiel jedoch in der einzigartigen Kommunikation des Meisters, individuell mit jedem einzelnen seiner Musiker. Mit strengen oder lachenden Mienenspielen, fordernden oder zurechtweisenden Fingerzeigen, verträumten und verzückten Lächeln, wilden oder entrückten Grimassen, mal flehenden, mal warnenden, bremsenden oder anheizenden Augenspielen, "ich-liebe-Dich"-Blicken und manchmal auch mit einer wilden "ich-trete-Dir-in-den-Allerwertesten"-Geste.
Die besten Sitze bei Barenboim sind eindeutig nicht auf den teuersten Plätzen. Wer nur seinen Rücken sieht verpasst das Herz der Aufführung.
Oh, was für ein Tag!

Dienstag, 3. April 2012

Es gibt viele Patienten in Berlin

Heute beim Inder in der Zossener Straße:

Ein Paar am Nebentisch, Typ Altkreuzberger Lehrer.

Der indische Kellner räumt das Geschirr der Vorspeise ab und fragt ihn: "Oh, hat Ihnen die Suppe nicht geschmeckt?"
Mann blafft zurück: "Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Scheiß!"
Kellner (nach fünf versteinerten Schrecksekunden) leise: "Ich verstehe". Und geht ab.

Riesenszene am Tisch. Die Frau ist geschockt und auf Hundertachtzig wegen des Benehmens ihres Begleiters. Er solle sich gefälligst beim Kellner entschuldigen, und ob er noch alle Tassen im Schrank habe. Er kuscht, wird immer kleinlauter und verlässt schließlich das Lokal (im Vorbeigehen leise zum Kellner: "warnichsogemeint").

Kellner bringt später der Frau den Hauptgang und fragt sie unschuldig: "Und Sie sind sein Betreuer?".
Sie schaut ihn mit weit aufgerissenen Augen an, der Inder sinniert verständnisvoll weiter: "Ja, es gibt viele Patienten in Berlin..."

Der Gesichtsausdruck der Frau: Unbezahlbar... :-)))

Montag, 2. April 2012

Extravaganza - one day more

Musicals sind in Berlin eher rar gesäht, insbesondere kleinere Produktionen sind schwer zu finden. Besondere Freude macht da die geniale Inszenierung des schrägen Stücks "One Day More/Extravaganza" von Johannes Müller (für mich ein Regiegenie), Santiago Blaum (tolles Arrangement!) und Philine Rinnert (wunderbar in Bühnenbild/Kostümen) in den Berliner Sophiensälen. Der Kapitalismus geht unter (ein bisschen), Tod & Auferstehung, eine in sich spannende Story, aber vor allem: kombiniert mit wunderschöner Musik (warum geht man auch sonst in ein Musical?!) aus Les Misérables, brilliant gespielt und gesungen von Jill Emerson, Jessica Gadani, Hauke Heumann und (wie kann man nur so viel Text behalten?) Sebastian Straub. Und unterstützt von einem phantastischen :-) Berliner Chor! Die wilde Handlung kontrastiert perfekt mit der so sehr melodischen, einfühlsamen Musik. Der Zuschauer wird hin- und hergerissen zwischen Mitleid mit Occupy-Demonstranten, Kopfschütteln über durchgeknallte Investmentbanker, hier und da einem Mord und berührender Musik, die einen in Harmonie und Glückseligkeit schweben lässt.
Soweit meine völlig befangene und subjektive Meinung. Aber unabhängig davon: Die Zuschauer haben jedenfalls jeden Abend getobt.
Wer es noch erleben möchte: nur noch bis 4.4. in den Sophiensälen.

Freitag, 30. März 2012

Gesangliche Gehversuche

Zum ersten Mal seit über 20 Jahren wieder auf einer Bühne. Schminken nervt. Erst recht, wenn es nur für eine Probe ist. Und ist für so einen kleinen Hobbybackgroundsänger wie mich sowieso totaaaal überflüssig!!!

Samstag, 17. März 2012

Frühling in Berlin

Dies war einer dieser Tage, an denen ich diese Stadt nach dem düsteren Winter immer wieder aufs Neue zu lieben beginne: Frühlingsanfang. Ab jetzt wird Berlin für die nächsten sechs Monate wieder zur schönsten Stadt der Welt. Ich habe den Eindruck, dass ich heute zum ersten Mal seit Monaten wieder die Vögel zwitschern höre. Der Görlitzer Park ist geflutet von bunten Menschen, die es nicht mehr in ihren Wohnungen hält, Technobässe aus der einen Ecke, Percussionsounds aus der anderen. Ein Stück Pizza in Treptow, ein leckerer Café Latte in der Sonne vor einem kleinen Café in Kreuzkölln. Die Menschen strahlen. Ich auch.

Später dann in das Konzert eines Freundes in der Emmaus-Kirche. Oh Gott, ein Kinderkonzert? Doch dann die Überraschung: Eine Sandzeichnerin entführte mittels Beamer nicht nur die Kinder in eine zauberhafte Traumwelt. Eine faszinierende Paarung von Musik, Technik und Ästhetik, die auch für die Erwachsenen das Märchen vom Mondbrunnen zu einem einmaligen Genuss werden ließen, Hut ab! Schade, hätte mich gerne noch mit ihr unterhalten, aber wir hatten schon einen Tisch reserviert.

Das Essen, anschließend im Mirchi, mit bekannt schwachem Service und viel zu intensiver Erdnusssoße. Da konnte später auch der Cocktail in irgendeiner Bar in der Oranienstraße nicht helfen. Aber so liebe ich diese Straße: unzählige Tische auf dem Gehweg, Menschentrauben mit Bierflaschen in der Hand, lachende Gesichter, die sich alle viel zu erzählen haben.
2012 beginnt - und ich fühle mich sauwohl.




Freitag, 16. März 2012

Zu wenig Swinger in Berlin

So, Swing ist erst einmal raus. Ein dritter Kurs macht nun alleine keinen Sinn. Bei nur vier Paaren im Kurs gab es leider auch keine Alternative für mich. Vielleicht werde ich zum Beibehalten des Erlernten gelegentlich zum Swingabend ins Clärchens gehen und im Winter an eine Fortsetzung eines Lindy Hop Kurses denken.
Neben dem weinenden bleibt das lachende Auge: die unschlagbare Eleganz des Tango Argentino. Gut, bei mir dürft der Begriff "Eleganz" im Moment noch weit gefehlt sein, aber Herausforderungen sind das Salz des Lebens.

Dienstag, 6. März 2012

Ron ist keine Diva

Überraschungstickets sind häufig gut für wertvolle Entdeckungen. So kam ich zufällig zu einem Konzert des Musikers Ron Diva im Kaffee Burger. Und ganz entgegen seinem Namen gab er sich gänzlich unprätentiös. Einfühlsame Songs, sympathische, persönliche Geschichten zwischendurch und ein dankbares Publikum. Wiederhören macht Freude, hoffentlich kommt er bald wieder mal nach Berlin!

Dienstag, 24. Januar 2012

"The Girl With The Dragon Tattoo"

Sehenswerter Film, eigentlich "nur" ein klassischer Krimi, in der Art eines Mankell/Wallanders, der auch im englischen Original gut verständlich ist. Praktisch ohne Längen, mit einem perfekten Spannungsbogen über den gesamten Film. Das Ende ebenfalls schön, mit einem kleinen Wermutsspritzer, sehr elegant gemacht! Störend nur, das die manchmal sichtbaren Texte (Zeitungsausschnitte, etc.) auf Englisch waren, obwohl der Film in Schweden spielt, da hat einer nicht aufgepasst.

Montag, 23. Januar 2012

Macht Tango schön?

Verfallen in experimentelle Hektik stürzte ich mich im Januar zugleich in zwei musikalische Abenteuer: einen 4-wöchigen Swing-Kurs (Lindy Hop) im Café Garbáty und einen Tango-Argentino-Workshop. Letzterer fand statt bei "Tangotanzen macht schön". Mal schauen, wie lange man da üben muss, bis es wirkt.
Zum Swing brachte mich ein unglaublich schönes Video. Dieses eine reichte als Zündfunke schon völlig aus. War jedenfalls beides genial. Ich beginne langsam, mich über den bei mir regelmäßig wiederkehrenden Gedanken zu ärgern: "das hättest Du schon viel früher machen sollen"...
Swing liegt mir wie ein Maßanzug. Punkt. Verflixt, warum habe ich den nicht schon vor 20 Jahren kennen gelernt?? Swing kostet allerdings deutlich mehr Schweiß als Tango. Bei dem geht mir dafür beim Tanzen das Herz über. Bin gespannt, welcher Tanz bei mir das Rennen macht. Werde erst einmal beide weitermachen. Unabhängig vom Schweißfaktor: Was Spaß macht macht schön :-)

Donnerstag, 1. Dezember 2011

"Ziemlich beste Freunde"

Deutschlandpremiere im Kino International: Tränen gelacht. Und Tränen gelacht. Und Tränen gelacht. Und zwischendurch strich ein warmer Hauch über das Herz. Auf voller Länge ein unglaublich schöner Film! Das Publikum applaudierte endlos für die anwesenden Regisseure und den einen Hauptdarsteller. Ein französischer Film der Spitzenklasse, mein persönlicher Film des Jahres 2011. Auch die anschließende Premierenfeier war gut gemacht. Ein großes Danke für die Einladung und diesen unglaublich glücklichmachenden Abend.

Freitag, 14. Oktober 2011

Scheinbar

Die Scheinbar ist nur scheinbar
eine Weinbar
Dort wagen sich nur Kühne auf die
viel zu kleine Bühne
Die Guten ernteten Applaus
Die And'ren schauten kraus
Was man auch einsah.

Montag, 3. Oktober 2011

Mein schöner 3.Oktober

Der Sonntag beginnt mit Stress: zu spät aufgestanden, in Lichtenberg die Regionalbahn verpasst. Aber die strahlende, warme Sonne lässt mich dann die Stunde auf dem Bahnsteig entspannt genießen und in Sonntagsstimmung kommen. Die Fahrt mit der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft nach Wendisch-Rietz ist traumhaft, Weiden, Wälder, Pferde, alte Katen, Seen. Ich beginne mich angesichts der Schönheit der Landschaft langsam etwas zu ärgern: zwei Sommer lang habe ich das Berliner Umland verpasst. Doch als ich ankomme, ist aller Ärger verflogen, die Natur lockt. Und das von Freunden organisierte Tischtennis-Turnier. Ein Heidenspaß: Teenager, Rentner, Elektriker, Akademiker zeigen ihre teils etwas eingerosteten, teils sehr imposanten Tischtenniskünste und alle kämpfen verbissen um jeden Punkt. Ich schaffe es sogar in die Finalrunde (um dann den letzten Platz der Gruppe machen...).

Als es später dunkel wird folgt das gemeinsame Grillen an langer Tafel, weitere Nachbarn stoßen hinzu. Als es kühler wird macht der Hausherr ein Lagerfeuer an, schenkt Selbstgebrannten aus. Stefan steigt zur Erheiterung aller auf die extra herbeigetragene Leiter, um mit seinem Laptop doch noch Internetempfang zu bekommen. Aber es nützt nichts, die moderne Zivilisation ist zu weit weg, die Handys bleiben aus. Welch ein Glück.

Es ist nach Mitternacht, ein harter Kern von acht Nachtschwärmern steht um das wärmende Feuer, da es trotz der 26°C tagsüber dann nachts doch schon kühler wurde, als jemand sagt: „Es ist gerade 3. Oktober geworden. Wenn es die Einheit nicht gegeben hätte, stünden wir heute hier nicht zusammen“. Und alle fangen an, sich zu freuen. Und erzählen ihre Geschichten. Fünf Ossis, drei Wessis. Plötzlich beginnt eine (Ost) die Nationalhymne zu singen. Ich halte kurz die Luft an. Doch das Wunder geschieht: alle stimmen lachend ein und genießen unter dem hell strahlenden Sternenhimmel diesen sehr persönlichen Moment der Deutschen Einheit und Freiheit.

Montag, 26. September 2011

Random Sports & Casual Classics

Hmm. Nachmittags ist - auch während der Woche - die Schwimmhalle nicht wirklich leerer: Querplanschende Kinder versus im Zeitlupentempo bahnschwimmende Berufstätige am Abend. Eigentlich ist es wohl egal, wann man geht. Nicht zur Nachahmung empfohlen: meine Sport-Kultur-Kombination. Denn anschließend ging ich auf Einladung einer Freundin in die Philharmonie, ein Konzert der Serie der "Casual Concerts". Erst Sport und dann Klassik geht leider gar nicht. Ich hatte dauernd mit der Müdigkeit zu kämpfen. Dabei waren sowohl das Konzert selbst (DSO mit Schubert), als auch die gekonnte Moderation (Dirigent Ingo Metzmacher) sowie die After Concert Lounge ("Brandt Brauer Frick") eine wirklich gelungene Mischung für eine schönen Abend. Die nächsten Konzerte sind leider erst in einem halben Jahr. Merken!

Samstag, 3. September 2011

Besser als jedes Klischee

Nach Hauptstadt und Meer fehlen mir jetzt noch die Berge von Georgia, in die Nähe der kitschig-schönen "Alpenstadt" Helen, im Norden des Staates.
Ich buche eine kleine Landhausvilla und setze mich 5 1/2 Stunden hinters Steuer. Dann die Überraschung: das ist das beste Hotel, in dem ich in meinem bisherigen Leben übernachtet habe! Den ganzen anonymen Hilton-Schrott kann man vergessen. Ein kleines familiäres Hotel mit nur 5 Zimmern ist für mich die Krönung der Hotelschöpfungen. Wunderschön zwischen alten Bäumen auf einem Hügel gelegen, 170 Jahre alt, unglaublich liebevoll restauriert und von unschlagbarer Freundlichkeit. Die Türen bleiben rund um die Uhr offen. Jetzt gerade sitze ich nachts mit einem Weißwein auf der breiten Veranda, die Grillen zirpen, der Mond ist hinter den Bergen verschwunden, es duftet bezaubernd. Ein Traum. Hier kann man den Rest der Welt vergessen und wirklich ausspannen. Ich komme wieder!! Hamilton, der Inhaber, schickte mich den ganzen Tag durch die Gegend, nachdem ich ihn gefragt hatte, was es hier alles zu sehen gäbe "I have to keep you busy": Südstaaten-Hausmusik vor einem Pub, das Folk Life Festival, das Crush Fest auf den Yonah Mountain Vineyards (ich habe dort mit meinen Füßen ganz klassisch Weintrauben zermatscht, witzige Sache!). Und bei jedem Event bekomme ich Namen von Freunden oder Nachbarn, oder von seiner Ex-Frau mit auf den Weg, an die ich mich wenden soll, um sie zu grüßen, um von ihnen betreut zu werden, oder auch nur falls ich Probleme haben sollte. Hier kennt jeder jeden, eine funktionierende Kleinstadtgemeinschaft mit unglaublicher Gastfreundschaft. Das Südstaatenerlebnis übertrifft jedes Klischee.

Donnerstag, 1. September 2011

Historisches Savannah

Savannah ist im historischen Viertel eine wunderbare Stadt, kleine Straßen, viele Bäume, alte, prächtige Häuser, man fühlt sich fast wie in "Vom Winde verweht". Eine Stadtrundfahrt erklärt vieles, aber der Südstaatenakzent ist doch hart für mich zu verstehen. Savannah war eine der ersten Siedlungen in den USA und hat daher "echte" Tradition. Mittags gehe ich für 10 USD auf ein kleines Schiff, das Delphinsichtungen verspricht. Und tatsächlich, nach knapp einer Stunde tauchen rechts und links immer wieder welche auf, wow. Am Abend spare ich mir den Strandspaziergang.

Mittwoch, 31. August 2011

Strandfeeling mit zu viel Gefühl

Da ich keine Lust mehr auf Großstadt hatte, nahm ich gleich ein Hotel am Strand, auf Tybee Island. Ein beschaulicher Ort direkt hinter Savannah. Die Saison ist schon vorbei und die Restaurants auffällig leer. Dabei hat es tagsüber 37°C und der Strand ist richtig schön. Auf dem Pier wundert mich ein Schild, dass das Hai-Angeln untersagt. Haie? Hier am Strand??? Ich beschließe nicht baden zu gehen. Am Abend dann sternenklare Nacht, wenn man am Strand sitzt und sich die Augen nach einer Weile an die Dunkelheit gewöhnt haben, kann man einen Anblick genießen, den man in Berlin nie zu sehen bekommt: ein voller Sternenhimmel. Nach einer Weile kommt aus dem Dunkeln ein Farbiger zu mir und wir beginnen uns ganz nett zu unterhalten. Bis er mir plötzlich zwischen die Beine greift. Upps. Ich sage ihm, dass ich das nicht mag, er entschuldigt sich und nach 5 blabla-Minuten entschwindet er wieder in der Dunkelheit des Strandes. Puuh, denk ich mir, das ging ja glimplich ab. Da kehrt er plötzlich wieder. Und zwar dieses Mal splitternackt, bei seiner Hautfarbe war im Dunkeln meine Vorwarnzeit recht gering, plötzlich stand er in seiner vollen Pracht einfach da. Hui. Verdutzt beginne ich zu lachen und sage "that's funny". War wohl die richtige Reaktion. Er dreht sich wortlos um und rennt weg. Für heute reicht es mir. Mehr Sterne muss ich nicht mehr sehen.

Sonntag, 28. August 2011

Atlanta ohne Coke

Das Coke-Headquarter hätte ich mir imposanter vorgestellt. Andere Hochhäuser sind da viel protziger. Die Museen der Stadt, einschließlich Botanischem Garten haben Montags geschlossen, das Coke-Museum ist für mich tabu (so langweilig kann mir gar nicht sein), also bleibt mir nur das Georgia Aquarium, das allerdings beeindruckt. In Summe stelle ich fest: Atlanta ist eine amerikanische Stadt wie jede andere und beschließe direkt am nächsten Tag weiter nach Savannah zu fahren, um das Meer zu genießen.

Samstag, 27. August 2011

Warum geht man als nicht-Bauer auf Traktorenmessen?

Das Afterparty-breakfast war schön. Nur leider in einem (typisch amerikanisch) unterkühlten Raum. Draussen über 30°C, drinnen ärgere ich mich über den vergessenen Pullover. Oh, und ein Marmladenbrötchen wäre schön. Am Nachmittag geht es auf die Minnesota State Fair, mit durchschnittlich 1,8mio Besuchern jährlich die größte Messe der USA und sogar eine der größten der Welt. Toll. Was gibt es dort also zu sehen? Traktoren. Und Traktoren. Und Traktoren. Und Vieh. Und Vieh. Und Pflanzen. Und tausend verschiedene Maiskolben, hunderte preisgekrönte, angeschnittene Torten, auf viele Vitrinen verteilt (nein, nicht zum Verzehr, nur zum Anschauen!), etc.etc.
Nach zwei Stunden bin ich froh, in ein schönes Konzert einer kleinen Band gehen zu können. Die heizt dem Publikum so richtig ein und es kommt eine grandiose Stimmung auf. Nicht mein Ding, solche Messen. Aber das Rahmenprogramm passt.

Freitag, 26. August 2011

Hochzeit auf amerikanisch

Heute war die Hochzeit meiner Freunde in Minneapolis. Der Ort für die Zeremonie war wunderschön an einem See (Loring Pond) in der Innenstadt gelegen, die Zeremonie selbst führte eine Freundin des Paares aus. Am Schluss staunte ich dann aber bei der Danksagung von ihr: sie hatte sich die Genehmigung, Paare trauen zu dürfen, von irgendeiner Internetkirche online gekauft und war somit kurzzeitig Repräsentantin, nein, nicht der Kirche der Fliegenden Spaghettimonster, aber von so etwas in dieser Art.
Tolles System.
Ich mache auch eine Internetkirche auf. Wer für eine Woche mein Priester sein will überweist mir bitte 75 EUR, ich schicke die Ernennung dann umgehend per eMail.

Mittwoch, 24. August 2011

Der Hafen

Was für ein unvergessliches Frühstück! Hier mein bester Tipp für Jetlag-geplagte Europäer, die non-stop nach San Francisco fliegen und dann morgens schon um 5 hellwach sind: Mit irgendeiner Straßenbahn oder einem Bus bis zum Beginn der Marketstreet (=No 1) fahren, dann noch 200m bis zum Hafen gehen. Dort im Hauptgebäude ist ein Coffeeshop (öffnet um 6 Uhr früh) und dann raussetzen auf den Pier: die aufgehende Sonne im Gesicht, der Blick auf die Bay Bridge und auf Treasure Island. Ein wunderschöner Moment in dem man den Rest der Welt vergisst! Nach und nach kommen dann die ganzen Fähren mit der arbeitenden Bevölkerung aus Oakland etc. und spucken jeden Menge hastender, aber auch fröhlicher Mensche aus.

Es ist so schön, so einem Trubel zuzusehen, wenn man selbst, vollkommen entspannt, den nächsten Termin erst am Nachmittag hat.

Da könnte man wirklich jeden Tag frühstücken. Denn das Hotelfrühstück (Filterkaffee und Donuts) ist nun echt der letzte Grund, um im Haus zu frühstücken. Und das Hafencafé ist interessanterweise um diese Uhrzeit bereits gut gefüllt. Zumindest erkennbar keine Touristen, aber doch jede Menge Laptopuser, die, wie ich, viel Zeit mitgebracht haben.

Dienstag, 23. August 2011

Das Touriprogramm

Endlich! Was ich vor 17 Jahren nicht geschafft hatte: Nun bin ich endlich Cablecar gefahren. Gleich zweimal. Schön war's. Aber auch keine Erleuchtung. Nur die Aussicht oben auf dem Berg war spektakulär.
Chinatown ist nur tagsüber interessant, abends total tot. Die Golden Gate Bridge ist stilecht im Nebel versunken, trotzdem schön.
Der Tipp für Touris: Noch am Flughafen an einem Infoschalter den 3-days-MUNI-pass kaufen, kostet $21 (inkl. Cablecar, wo die Einzelfahrt sonst $6 kostet) und gilt, außer für die Fahrt zum Flughafen SFO (Einzelfahrt $8,10), im gesamten ÖPNV-Netz von S.F., welches erstaunlich gut ausgebaut ist. Kaum längere Wartezeiten, elektronische Anzeigen, dichtes Netz. Für Alcatraz gibt es keine Karten mehr, die sind i.d.R. bereits auf Wochen ausverkauft-->sollte man also frühzeitig planen.

Montag, 22. August 2011

S.F. ist "nett"

Nun bin zum zweiten Mal in dieser berühmten Stadt in Kalifornien und habe wieder das gleiche Bauchgefühl: "nett hier, aber waren Sie schon mal in..." (L.A, San Diego, ..., woauchimmer). Nicht, dass es hier nicht schön ist. Aber es haut mich einfach nicht um.
Übrigens habe ich hier beim Spazierengehen an einem Tag so viele Haschraucher gerochen, wie in Berlin nicht in einem Monat. Kein Witz! In den verschiedensten Stadtvierteln, aus Geschäften, auf der Straße, aus einem Laden, sogar aus einem stehenden Polizeiwagen kam eine Duftwolke. Hier sind alle von A bis Z bekifft, echt verrückt.

Sonntag, 14. August 2011

Einfach mal vergessen, dass man "erwachsen" ist

Eine herrliche Tretbootfahrt zu viert auf dem Wannsee. Jaaaaa, das schlechte Wetter war vorhersehbar, alles schrie danach, aber was soll's, die Spaßlust siegte.
Und so wurden wir nass. Seeeeeeeeeeehr nass. Und das Schöne daran: es hat so viel Spaß gemacht, alle waren pitschnass bis auf die Unterwäsche. Später in meiner Wohnung lief das Wasser an mir herunter als ob es drinnen auch noch regnen würde.
Aber wir haben gelacht, und uns gefreut wie Kinder.

Sonntag, 17. April 2011

Sag mir, wer Deine Freunde sind und ich...

Eine Geburtstagsparty. Außer der Gastgeberin kannte ich niemanden. Ich fühlte mich geehrt. Wie schön es doch ist, mit wildfremden Menschen stundenlang zu reden, wenn man merkt, dass es einfach passt.
Und wieder einmal bestätigte sich die alte Regel: Sympathische Menschen kennen sympathische Menschen!
Das ist praktisch so, wie die alte Weisheit: Schau' Dir die Schwiegermutter an, und Du weißt, wie die Tocher werden wird ;-)

Freitag, 15. April 2011

Heiße Cleopatra

Ein super Sauna. Wollte ich schon lange mal hin, nun klappte es endlich. Werde trotz schlechter Verkehrsanbindung sicher öfters dort sein. Sauber, übersichtlich, freundliche Menschen, superbe Massage, schöne Aussicht über die Dächer. Und sehr gute Öffnungszeiten (-24:00 Uhr)

Dienstag, 15. März 2011

Der blaue Engel

Brilliant. Heinrich Mann, Carl Zuckmayer, Marlene Dietrich und Walter Plathe können nicht irren; die beste Produktion, die ich je in der Komödie am Kurfürstendamm erlebt habe. Obwohl teils sehr frivol trotzdem auch schauspielerisch wirklich exzellent. Und das, obwohl ich sonst nicht auf Dramen stehe. Kurz: in jeder Hinsicht sehenswert.

Freitag, 4. März 2011

"Good food, bad food": poor director

Eine Doku im ACUD-Kino. Mit sechs Zuschauern heute recht gut gefüllt. Das Thema eigentlich spannend.
Aber dann, Leute nee, diese Weltverschwörungspolemik ist echt auf Schwachmatenniveau ("nach dem Krieg haben sich chemische Industrie und die Regierungen der Welt heimlich zusammen getan, um die Bauern und die Frauen dieser Welt schleichend auszurotten"...). Kann sich so ein Regisseur überhaupt vorstellen, dass auch Zuschauer mit Hirn und einem Hauch Vorwissen in seinen Film gehen? Wahrscheinlich hat er vorher nur Soaps für RTL II produziert.
Da fallen die interessanten Momente des Films gar nicht mehr ins Gewicht, denn die Glaubwürdigkeit ist im Eimer. Note 4-.

Mittwoch, 2. März 2011

"We Will Rock You" im Theater des Westens - definitely they did

Eigentlich steh' ich nicht so auf diese Design-Musicals und auch hier der erste Eindruck: Glänzende Bühnengestaltung, aber die dümmliche Handlung, weit entfernt von Queen, langweilt jeden, der Matrix gesehen hat.
Glücklicherweise stellt sich bald heraus, dass sie nur dazu dient, möglichst sinnfrei die Pausen zwischen zwei Stücken zu füllen. Denn die Musik knallt. Und wie! Das Publikum tobt. Ein geniales Konzert.

PS: Und was einmal gesagt werden muss: der Sicherheitsmann dort nimmt seinen Job ernst und bleibt dabei doch sympathisch. Das spricht fürs Theatermanagement.

Dienstag, 1. März 2011

English Comedy im Kookaburra

Erneut ein "sehr gut" für zwei Stunden glänzende Unterhaltung in fast privater Atmosphäre. Moderatorin Kim brilliant. Auch Bodo Wartke mit englischen Texten, hatte ihn vorher noch nie gesehen, überraschend gut, merkenswert!

Sonntag, 27. Februar 2011

Badeschiff revisited

Die pleitenbedingte Pause hat zumindest der Atmosphäre nicht geschadet, wir waren uns einig, dass wir vor Ende März noch ein paar Mal wieder kommen müssen. Definitiv Berlins beste Sauna.

Samstag, 26. Februar 2011

Disco Inferno mit Unterhaltungseinlage

Jau, noch besser als erwartet, die Band hatte ihr Publikum fest im Griff, bereits beim zweiten Song stand im Quasimodo keiner mehr still. Erste Sahne mit 100%-Wiederholungsgarantie meinerseits.

In der Pause erzählte Nicola von einer Diskussion mit ihrem Vater:

Vater: Was wünschst Du Dir denn zum Geburtstag?
Sie: Eine Brustvergrößerung
Vater: Was? Wieso denn das?
Sie: Papa, ich bin jetzt 39, mit den Dingern kriege ich niemals einen Kerl ab!
Vater: Wie wär's denn erstmal mit kochen lernen?

Wir lagen unterm Tisch vor Lachen...

Sonntag, 20. Februar 2011

Kreuzberger Poetry Slam

Wow, der Bastard Slam bezeichnet sich als ältester Poetry Slam Deutschlands, nicht schlecht. Das Publikum war das jüngste Deutschlands, da habe ich schon ganz andere Bühnen gesehen, mit doppeltem Altersschnitt und damit einhergehend gesetzterer Stimmung im Publikum.
Aber entscheidend sind ja die Akteure auf der Bühne. Und die waren hervorragend. Ein Abend an dem man so viel lachen kann ist einfach ein Geschenk.

Sonntag, 13. Februar 2011

Ach Lena

Dass sie nicht singen kann ist kein Problem. Können viele in dem Business nicht.
Aber dass Berlin seit Wochen von kleinen Lenas geflutet wird, ist schon nervig. Ich habe den Eindruck, dass jedes Mädel, das 18 ist (oder so aussehen möchte) sich als kleine Lena-Kopie zurecht macht. Noch nie ist mir ein uniformer Modetrend in so kurzer Zeit so stark aufgefallen. Naja, immer noch besser als Lady Gaga als Vorbild.

Samstag, 5. Februar 2011

Die Liebe der Danae

Schon wieder ein Highlight. Als Staatsoper-Fan war nun einmal testweise die Deutsche Oper dran. Musik von Richard Strauß.
Orchester, Chor und Besetzung sehr gut. Bühnengestaltung exzellent: Im zweiten Akt wurde die Beleuchtung so geschickt gewählt, dass die Bühne perfekt wie ein schwarz/weiß-Bild wirkte, dann wurde eine einfache Rose in der Mitte mit zwei Spots hell angestrahlt, so dass deren Rot durch den ganzen Raum geschmettert wurde. Sensationeller Effekt!
Ansonsten: Die Deutsche Oper wirkt wie die Philharmonie: Groß, aber nicht großartig. Es fehlt einfach die Grandezza der altehrwürdigen Staatsoper.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Formel-1=6-Tage-Rennen

Zur Eröffnung des hundertsten 6-Tagerennens in Berlin kam ich nun auch einmal ins Velodrom. Danke, Thilo, für die Einladung. Sonst bin ich ja immer nur nebendran zum (selber) Schwimmen.

Die Kurzfassung: Gäääääähn.

So stelle ich mir ein Formel-1-Rennen vor, wo ich auch noch nie verstanden habe, was man daran findet. Eine Stunde oder länger fahren alle im Kreis, man unterhält sich so lange mit seinen Nachbarn. Dann nach 100 Runden schreien alle auf, weil irgendeiner, dessen Namen ich in 10 Sekunden auch direkt wieder vergessen habe, einen anderen noch schnell überholt hat. Ende. Siegerehrung. Toll. Dann folgt ein Rennen, wo Radfahrer eine halbe Stunde lang Motorrädern hinterher fahren. Keiner um mich herum kennt die Regeln, oder versteht, wo da der Witz liegt. Der Moderator erklärt es auch nicht. Och Mensch, nöö, ne? Dafür haben wir die tolle Party im Hotel Angleterre vorzeitig verlassen, wo es so einen sympathischen Frauenüberschuss gab? Krasse Fehlentscheidung.

Sonntag, 23. Januar 2011

Renaissance Theater, kaufkraftabschöpfend

Eine Buchpräsentation ist eine Verkaufsveranstaltung. Es empfiehlt sich, diese unterhaltsam zu gestalten, um zum Kauf und zur Weiterempfehlung anzuregen. Dass es bei Buchpräsentationen immer öfter in Mode kommt, dafür Eintritt zu verlangen (hier: 14 Euro), weil es dem Kunden ja schließlich auch gefällt, ist echt ein Unding. Horst Evers war gut, wie meistens. Aber er wird wohl zum Promi.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Nachtrag zur Gesundheit

Zweieinhalb Wochen keinen Salat, kein frisches Obst, nur Getränke, die aus Flaschen serviert wurden, Zähneputzen nur mit Mineralwasser. Mückenschutz mit DEET, ab 17 Uhr immer fleißig aufgetragen, geschlafen unterm Moskitonetz.
Fazit: Auch wenn mir manch kulinarischer Genuss entging, mein größtes gesundheitliches Problem dafür war nur das Sodbrennen.
Medikamente gegen Durchfall, Fieber, Schmerzen, Wunddesinfektionsmittel, Malariaprophylaxe gingen alle wieder ungenutzt mit nach Hause.

Ob die Impfung gegen Typhus nötig war kann ich nicht beurteilen, vermutlich bei meinem Trip und meiner Verhaltensweise nicht. Dass ich die Impfung gegen (die für Menschen grundsätzlich tödliche) Tollwut nicht mehr geschafft hatte, hätte leicht sehr, sehr böse enden können. Großer Fehler!

Dienstag, 18. Januar 2011

Berlin hat mich wieder

Es ist herrlich kühl hier in Berlin, die Sonne strahlt mir beim Frühstück ins Gesicht. Schön, wieder zu Hause zu sein.
Klar, es war irgendwie spannend, alleine ein Rudel von über zwanzig wilden Hunden mannhaft zu besiegen, und bis zum letzten Blutstropfen gegen eine mindestens 30cm lange, wilde Urwaldechse in meinem Bett zu kämpfen. Aber es ist auch schön, sich Schuhe anzuziehen ohne vorher reinschauen zu müssen, wer dieses Mal drin übernachtet hat.
Und meine erste Mahlzeit in diesem Jahr ohne Curry war ehrlich gesagt auch ein Hochgenuss.
Andererseits: Eines ist sicher, Indien sieht mich garantiert wieder, es war einfach zu schön und faszinierend!

Montag, 17. Januar 2011

Last class from Goa

Um drei Uhr früh aufstehen, ich hasse Flüge um diese Zeit! Zum Essen fehlt die Zeit. Abfahrt um vier, als ich heulende Hunde höre, fahre ich zusammen, das Erlebnis steckt mir noch in den Knochen. Im Flugzeug nach Mumbai gibt es kein Frühstück, nicht mal einen Kaffee, oh, das geht ja gut los.

Dort ist bei Ankunft immer noch Nacht und nun heißt es sechs Stunden Warten auf dem Flughafen, das ist der Preis für das günstige Ticket. Der Terminalbus fährt an Slums vorbei. Erschreckende Realität nach dem paradiesischen Goa.

Und dann: Oh nein, es gibt auch in der Touristenklasse noch einen schlechtesten Sitzplatz: Dort, wo die Toiletten sind und deshalb nur noch zwei Sitze daneben passen. Und es sind die einzigen Plätze ohne Fenster! Links also eine Wand. Rechts 50cm neben mir die WC-Tür. Abgesehen von dem Trubel, dauernden berührt werden von den Wartenden und der Geräuschkulisse der Türe selbst: nach etwa drei Stunden Flug kommen Würgereize auf. Nicht wegen der Flugkrankheit, sondern wegen des Gestanks. Die Gäste sagen der Stewardess bereits Bescheid, "very dirty inside", Danke, aber ändern kann sie auch nichts.

In London fluche ich, der Anschluss ist viel zu knapp geplant, es ist 19:15 und der Anschlussflug nach Berlin geht um 19:45, Boarding hat begonnen. Natürlich in einem anderen Terminal dieses Riesenflughafens. Ich renne wie ein Wahnsinniger durch kilometerlange Gänge, remple Leute an, drängle mich vor, will nicht hier übernachten, bin total fertig, Kopfschmerzen, übermüdet, entnervt. Dränge mich beim Securitycheck vor ("my flight starts in 15 minutes", gelassene Antwort: „ask the passengers before you“, gnädiges Nicken der Leute in der langen Schlange, Danke, weiter), renne, wie es nur Lola vor mir tat.

Bis ich kurz vor dem Gate, nassgeschwitzt und am ganzen Körper zitternd, auf der Anzeigetafel sehe: Es ist eine Stunde früher, 18:30 .... mein Blackberry zeigte mir die falsche Zeitzone!

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAhhhhh.....

Sonntag, 16. Januar 2011

Das zweite Gesicht

Gestern Abend wäre ich fast einer Hundeattacke zum Opfer gefallen. Die in den vergangenen Wochen immer so lieben, streunenden Hunde wurden des Nachts auf der Straße plötzlich wild und kreisten mich ein, um mich dann zu dritt zu attackieren. Mit bestialischem Urwaldgeschrei und Scheingegenattacken aus dem Mute der Verzweiflung hielt ich sie mir auf ansonsten menschenleerer Straße irgendwie vom Leibe, bis ich irgendwann langsam Schritt für Schritt vorsichtig unter bösem Geknurre von dannen ziehen konnte. Unheimlich!!

Und heute Mittag wäre ich beinahe einem LKW zum Opfer gefallen. Wäre schon Scheiße, am letzten Tag noch schnell zu sterben, denke ich mir so. Naja, immer noch besser als gleich am ersten.

Habe heute zum zweiten (und letzten) Mal im Meer gebadet. Miese Bilanz für so einen langen Aufenthalt. Andererseits: hey, in Berlin ist Winter und ich war zwei Mal im herrlich warmen Indischen Ozean!

Mein Abschiedsessen fällt wegen Grippe des Einladenden ins Wasser. Ein anderer indischer Bekannter meldet sich weder auf sms noch Anrufe. Der vormals so freundliche Kellner schließlich vergisst mich dauernd. Ein anderer nimmt mir den zweiten Sessel fort, da ich ja ohnehin alleine da bin. Blöder letzter Abend, trotz rotem Sonnenuntergang am Meer und anschließendem Feuerwerk vor meiner Nase. Man kann sich auch in Indien einsam fühlen.

Samstag, 15. Januar 2011

Saturday Night Market in Anjuna/Arpora

Sensationell. Da hätte ich schon letzte Woche hingehen sollen. Was für eine Stimmung. Der Nachtmarkt besteht aus hunderten kleiner Shops, Musik, Düften, Lebendigkeit, Faszination. Und obwohl ich für mich nichts zu kaufen finde, vergeht die Zeit wie im Flug. Die Livebands spielen sehr gut, das Essen an den Ständen passt. Alles ist sehr teuer für indische Verhältnisse. Die Cola kostet z.B. 60 statt 20 INR, der Cocktail 250 statt 150 INR. Für Touristen immer noch wenig, aber es nagt am schönen Bild: das ist ein Markt nur für Touristen. Die Händler fragen mich schon gar nicht mehr als erstes, ob ich russisch spreche, sondern quatschen mich grundsätzlich auf Russisch an. Das nervt ein bisschen. Egal. Die Inszenierung ist ansonsten perfekt.
Eine der wenigen Sachen wo ich wirklich sage: Das muss man in Goa erlebt haben.
An der höchsten Stelle des Marktes ist eine Trance-Lounge. Und da geht ab 23 Uhr richtig die Post ab.

Direkt neben dem Schild "no drugs" tanzen die schrägsten Vögel wild im Vollrausch. Sensationell. Der Tänzer mit der herzförmigen Brille und offensichtlich der größten Dröhnung hat auch die beste Kondition. Als er sich auszieht und für mindestens zwei Minuten auf den Händen tanzt (die Füße zackig zur Musik in der Luft) tobt der Applaus und keiner bleibt mehr an der Bar sitzen. Er ist Lieblingsphotoobjekt aller Besucher geworden. Alle rufen wild durcheinander, beginnen an der Bar zu tanzen. Was für eine Party!

Freitag, 14. Januar 2011

brands and no brands

Als ich das leuchtende rote Logo einer Filiale der Pharmakette "Boots" entdecke fällt es mir wie die sprichwörtliche Schuppe von den Augen: Hier macht shoppen (eher: "stöbern") so viel Spaß, weil es eben keine Standardketten gibt. Ich habe hier in Goa bisher weder ein McD, noch eine dieser lausigen Klamottenmarkenoutlets gesehen, die die Fußgängerzonen und Shoppingmalls dieser Welt alle so ersetzbar machen; egal wo man gerade ist, immer das Gleiche. Und nun also ein Boots.
Neugierig schaue ich mal rein: Regale voller Schuhe und Stiefel. STIEFEL? Aaaaaaaaaaaaaah, na klar! "Boots" :-) Der Inhaber hat sich anscheinend einfach irgendwoher den Schriftzug der Kette geklxx-besorgt, keine schlechte Idee!

A propos Marken: Jeden Morgen schaue ich auf ein Hakenkreuz. Der Spiegel in meinem Zimmer ist von der Firma "Swastik Brand" und das steht samt eben jenem Logo fett mitten auf den Spiegel geklebt. Und hinter dem für Deutsche meines Alters doch ungewohnten Zeichen steht noch ein fettes "(TM)"-Zeichen. Wow. Neonazis müssten für ihre Tatoos hier in Indien vermutlich Lizenzgebühren zahlen, cool.

Abends live Musik im "Art Escape", 50m vom Strand. Soul, feinste Sahne, die könnten genau so gut in Berlin spielen. Top Essen, guter Laden. Treffe dort die ExPats wieder, aber die Musik ist zu laut für eine Unterhaltung.
Irgend eine russische Touristin nötigt eine Deutsche auf die Bühne, und siehe da: sie kann tatsächlich exzellent singen, Respekt!

Donnerstag, 13. Januar 2011

Pschologischer Selbstversuch, kläglich gescheitert

Neues aus meinem Appartement. Es knirscht in der Ecke. Ich schaue weg und hoffe, dass ich es bis heute Abend, wenn ich vom Essen zurück bin, einfach vergessen habe.

Mist hat nicht geklappt.

Aber wo genau kam das Geräusch vor ein paar Stunden eigentlich her? Und selbst wenn ich es lokalisierte, das Geräusch ist in der Zwischenzeit bestimmt weiter gewandert. Oder weitergehüpft? Können Geräusche überhaupt hüpfen? Hauptsache sie können nicht schlüpfen. Durch mein Moskitonetz meine ich. So wie dieser Riesenlurch, der war doch bestimmt 20cm lang.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Learning by driving

Die wirklichen Gefahren im indischen Straßenverkehr sind nicht der Trubel oder die fehlenden Verkehrsregeln (Chaos reguliert sich ja selbst), sondern sind die des nachts unvermittelt auf der Fahrbahn auftauchenden, unbeleuchteten Beef Steaks (roh), die auf der Straße statt auf der Wiese rumstehen. Baustellen sind ebenfalls grundsätzlich ohne Licht und Reflektoren. Und Wildschweine und Hunde hupen auch nie, wenn sie über die Straße düsen. Und das kommt auf einer 10km langen Strecke ungefähr 3-4 mal vor!

Neues Verkehrsinstrument kennen gelernt: Die Lichthupe. Bedeutet: ICH fahre auf jeden Fall, Du kannst Dir überlegen, ob Du bremst oder gegen mich verlierst.
Machoverkehr hier. Wer rücksichtsvoll ist und andere durchlässt kommt über keine einzige Kreuzung rüber. Mein Roller hat keine Lichthupe :-(

Neues Risiko kennen gelernt. Wenn man mit dem Motorroller mal anhält: Füße dicht an der Maschine lassen, sonst fährt ein anderer Biker drüber. Grrr.

Erfolgserlebnis. Habe meinen ersten Autofahrer geschnitten und auch mal Vorfahrt erhalten. Er hat wirklich für mich gebremst, toll!

Oh Mann, bin ich tief gesunken.

Dienstag, 11. Januar 2011

German Bakery in Benaulim

Hier trifft man alles, vom klassischen deutschen Touri ("Won Kaffee änd won Roll, please"), über den österreichischen Teilzeithippie, der zur Überbrückung der kalten Wintersaison hier ist, bis hin zum gesuchten Verbrecher oder Alimenteverweigerer, der sicher nur mit einem one-way Ticket nach Goa gekommen ist. Eigentlich meide ich im Urlaub Cafés und Restaurants, wo nur Touristen sitzen. Aber zum Frühstück brauche ich einfach Brötchen und Marmelade. Es versucht schon gar keiner mehr hier auf Englisch zu fragen, ob der Platz noch frei ist ("entschuuuuldigens, is do noa frroii? - ah, Servus, ein Wiener Hippie).

Zwei deutsche Expatriates sprechen mich an, die gerade Schwarzbrot kaufen. Wir verabreden uns zum Dinner am Strand, wo noch zwei weitere Expats dazustoßen. Und dann die große Überraschung am Abend: alle super nett! Kein Gemeckere über Land & Leute, wie man es sonst von Deutschen im Ausland gewohnt ist.
Ein unterhaltsamer und sympathischer Abend unterm Sternenzelt! Wir verabreden uns wieder.

Ich muss langsam mal den alten Rat meines Großvaters über Bord werfen: „Der Herr schütz‘ Dich vor Sturm und Wind, und Deutschen die im Ausland sind“.

Montag, 10. Januar 2011

Youuuuuu are not alone

Meine erste Nacht bei offener Balkontür und dafür ohne die nervige Klimaanlage. Als ich nach dem Aufstehen das Moskitonetz vom Bett weghänge sehe ich eine schnelle Bewegung neben meinem Kopfkissen. Die Echse ist locker 15cm lang und hat wohl direkt neben mir geschlafen. Danke fürs nicht-Anknabbern. Wofür brauche ich überhaupt so ein dämliches Netz, wenn es sogar für diese Riesenviecher kein Hindernis darstellt?
Als ich das Küchenfenster öffne, springt eine nicht zu kleine Spinne erschreckt davon.
Resignierend gehe ich auf den Balkon und setze mich in meinen Hängesessel. Fernblick über die Palmengipfel, die aufgehende Sonne, die Fauna weit entfernt. Wenigstens hier bin ich allein.

Sonntag, 9. Januar 2011

Motorbike revival

Mein letzter Versuch war im Alter von 15 Jahren. Und nach zehn Minuten war mir damals klar, dass Motorradfahren nicht mein Ding, ist.

Heute war der große Tag, unerfahren wie ich auf so einem Ding bin, Linksverkehr, indisches Chaos ohne feste Verkehrsregeln: und - es klappte tadellos. Wow. Helm trägt natürlich keiner, ist wohl gegen die Ehre, oder so. Also wenn ich hier plötzlich nicht mehr schreibe, habe ich mich entweder überschätzt, oder den indischen Verkehr unterschätzt, aber morgen werde ich mit dem schönen Roller auch zur Arbeit fahren, das bisschen Berufsverkehr wird schon nicht so schlimm sein.
Mist, das Ding macht tierisch Spaß. Was habe ich die letzten Jahre alles verpasst??

Mein erster Trip führt mich 40 Minuten in den Süden, der Strand heißt Cavelossim Beach, ist wunderschön, flaches Meer, 26°C warmes Wasser, Strand fest in russischer Hand.
Auf der Rückfahrt, nach einem umwerfenden Sonnengang am Strand, war ich froh, einen Helm zu haben: Der Massenmord an indischen Insekten fand so an meinem Visier statt und nicht an meinem Gesicht. Jetzt weiß ich, warum hier abends alle mit Tuchvermummumg herumdüsen.
Im Dunkeln fahren ist russisch Roulette. Spare ich mir künftig. Ein guter Grund, in der nächsten Woche früher aus dem Büro zu gehen.

Samstag, 8. Januar 2011

Goas Geschichte

Heute bekam ich eine Rundfahrt durch die Geschichte Goas spendiert, ein Taxi nur für mich, quer durch die Region. Zuerst ins Museum Ancestral Goa, mit dem historischen Casa Araujo Alvares (aus der portugiesischen Zeit), dann zu einem Gewürzgartenmuseum mit schöner Führung und Lunch. Anschließend zwei katholische Kirchen, zwei Hindutempel und ein bisschen shoppen in Panjim, der Hauptstadt Goas. Ein guter Tag. Nur den angebotenen einheimischen Schnaps hätte ich nicht trinken sollen, war danach nur noch müde...

Freitag, 7. Januar 2011

Ölbad

Die furchtbarste Massage meines Lebens: Gefühlte zwei Liter Olivenöl gleichmäßig auf meinem Körper verteilt, aber von Massage keine Spur. Weil ich eine Masseurin wollte, kostete es 22 EUR für eine Stunde. Ein Mann hätte überall bloß 500 INR (8,50 EUR) gekostet. Nächstes Mal werde ich schauen, ob günstiger vielleicht besser ist. Aber mehr als einen weiteren Versuch werde ich nicht riskieren. Triefend zur „Dusche“ gestolpert, das Zeug ging kaum ab, brrr.
Zur Entschädigung abends ein tolles Dinner am Strand mit Bawa, ein Sikh und Geschäftsmann. 29 Jahre alt. Er betont mehrfach, dass er als CEO einer "multi million company" telefonisch rund um die Uhr erreichbar sein müsse. Ich muss schmunzeln, als ich nachrechne: Sein Imperium macht also vermutlich mehr als 32.000 EUR Umsatz. Trotzdem nicht schlecht: In Indien kann man damit (je nach Branche bzw. Qualifikation) zwischen fünf bis 25 Menschen fürs Jahr bezahlen.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Indische Nächte

Auf dem Weg zur Rogers Bar, mit Tischen direkt am Wasser, haben mich wieder sechs oder sieben Menschen richtig freundlich gegrüßt, das tut gut!
Dann: Der Mond spiegelt sich in einem unendlich langen Teppich auf dem Meer, das breite Sternenzelt leuchtet, die Mischung aus dem Lied der brechenden Wellen am Strand und der Klänge der Musikanlagen hinter mir hat fast etwas Symphonisches, eine Art indische Euphonie die ein permanentes Lächeln auf die Lippen zaubert. Inderinnen in wallenden Gewändern wandern am Strand entlang. Auf jedem Tisch steht eine Kerze, unter meinen Füßen Sand, ein leichter Wind.
Ach Indien, warum musst Du so weit von Berlin entfernt sein?

Mittwoch, 5. Januar 2011

Ein ganz normaler Tag

Hupen bedeutet für Fußgänger: "Bitte lieber Fußgänger springe nicht plötzlich zur Seite, wenn ich jetzt mit hoher Geschwindigkeit und mit weniger als 30cm Abstand an Dir vorbei fahre. Sonst müsste ich ja scharf bremsen". Die meisten Fußgänger sind so freundlich und halten sich dran, sie sind der Boss. Wenn allerdings die Autos MICH so knapp überholen finde ich das ziemlich unangenehm. Ich kann aber auch nicht bei jedem Hupen stehen bleiben. Dann würde ich ein Standbild.

Ein nepalesischer Kellner will mich verkuppeln. Kommt eine neue Frau ins Restaurant ist er sofort bei mir und fragt im schönsten Kinderenglisch: "Do you marry her?", und holt anschließend unabhängig von meinem "no" deren e-Mailadressen. Immerhin, er hat's drauf.

Savio hat mir beim Lunch das falsche Essen bestellt: So scharf, dass ich vor Tränen kaum noch etwas sehen kann. Also schnell ein Joghurt geordert und es ging tatsächlich. Essen im Restaurant kostet im Schnitt 2 EUR. Eine kleine Flasche Cola 33 Cent. Finde ich ok :-)

Heute mit einem anderen Fahrer gefahren, der fuhr wie 'ne gesenkte Sau. Will ich nicht noch einmal machen.

Vorhin erfahren, dass mein eigentlicher Fahrer gar nicht Barabarabarakesh heisst. Er hatte mir seinen Namen so gesagt und als ich ihn fragend genau so wiederholte hatte er genickt und "yes" gesagt.
Aber er ist ein Stotterer. Sein Name ist einfach nur "Prakash". Upps.

Musste mir neuen Zucker kaufen. Den alten haben irgendwelche Viecher erobert, trotz Sicherheitsverschluss auf dem Glas. War jedenfalls lebendig geworden dadrin, als ich heimkam. Ab und zu krabbelt auch etwas durchs Zimmer. Ich vesuche, nicht so genau hinzuschauen: was man nicht sieht ist auch nicht da. Will gar nicht, wissen, was für Partys in meiner Wohnung abgehen, wenn ich nicht hier bin, oder gerade schlafe.

Dienstag, 4. Januar 2011

Neuer Name

Mein Vermieter ist wirklich sehr um mich bemüht und führt mich überall herum, zeigt mir die Umgebung, gibt Tipps. Und stellt mich allen Leuten die er kennt vor. Und er kennt das halbe Benaulim. Dummerweise hat er vom Mietvertrag nur den Namen meiner Firma behalten und stellt mich mit diesem überall vor. Das ist zwar ein Frauenname, aber who cares. Ich habe aufgehört, es zu korrigieren und akzeptiere klaglos meinen neuen weiblichen Auftritt. Hätte mein Unternehmen vielleicht besser "Cool Man AG" nennen sollen...

Montag, 3. Januar 2011

Indischer Verkehr

Ich hadere noch mit mir, ob ich mir ein Motorrad leihen soll um mobiler zu sein (mein letzter Vesuch auf einem Moped war allerdings nur einmal kurz mit 15 Jahren…). Jeder hält sich ja für den besten aller Verkehrsteilnehmer, hier bin ich allerdings kurz vorm Kapitulieren: Linksverkehr geht ja noch, in London zu fahren hat mir sogar Spaß gemacht. Und das permanente Hupen traue ich mir auch noch zu. Aber hier fahren die Massen einfach radikal drauflos im Vertrauen darauf, dass die anderen es sehen und bremsen. Die Missverständnisse stehen alle zerbeult am Straßenrand. Die Menschenmengen herum diskutieren stundenlang über den Hergang (oder nehmen es nur als Anlass für einen Kaffeeklatsch?).
Mein Fahrer erklärt mir, warum das System funktioniert, als eine Frau ohne sich umzudrehen oder auf das Hupen zu achten einfach über die Straße geht und wir scharf bremsen müssen: „If I would catch her with my car, probably a 100 people would come out of the houses and beat me up“.

Sonntag, 2. Januar 2011

Strandleben in Benaulim

Wunderschöner Strand, unaufdringliche Verkäufer (die meisten akzeptieren das erste "nein"), viele gemütliche Strandbars und -restaurants. Ein traumhafter Strandspaziergang unter dem Sternenzelt, nachdem die Sonne über dem Indischen Ozean irgendwo hinter Afrika untergegangen war. Wow.

Samstag, 1. Januar 2011

1st Class to Goa

Sylvester in 12km Höhe ist mal eine neue Art, den Jahreswechsel zu feiern. In Heathrow lernte ich Arabell kennen, auch auf dem Weg nach Goa. Und als wir beim Check-In fragten, ob es Plätze nebeneinander gäbe, bekamen wir ein Upgrade auf die 1st class geschenkt, nicht schlecht. Danke, KingFisher Airlines!
Leider schaffte es die Crew nicht, um Mitternacht der gerade aktuellen Zeitzone eine Durchsage zu machen. Also feierten wir zu dritt nach deutscher Uhrzeit das neue Jahr, zusammen mit Matthias aus Bayern, ebenfalls überraschter 1st-Class Neuling. Standesgemäß zur Reiseklasse mit Dom Perignon, und dann gleich fast drei Flaschen (ohne mich... ich genoß derweil einen schönen Whiskey, der viel zu großzügig eingeschenkt war). Fazit: Haute Cuisine Mahlzeiten, dazu Weine, Cocktails, Whiskey, Champagner, alles for free, so dass wir, statt die tollen Liegeplätze zu nutzen fast den ganzen Flug nach Indien an der Bar standen und unser Glück begossen, äh genossen. Als Matthias und ich dann wenigstens für eine Stunde noch unser Luxusbett genießen wollten, begann Arabell durch die Gänge zu tanzen. Die nette Stewardess ertrug es gelassen. Wohl auch ein Erste-Klasse-Privileg...
Was für ein schöner Start ins neue Jahr.
Sicher kein Zufall war es, dass sämtliche Stewardessen aussahen wie Bollywood Star Aishwarya Rai. Leider waren sie alle bis auf eine sehr arrogant, wie wir drei unabhängig voneinander feststellten.

Ankunft in Goa: Ein Hupkonzert sondergleichen. Kannte ich in der Form bisher nur aus Erzählungen. Hier ist die Hupe Kommunikationsform. Hupen heisst: "ich komme", "ich bin jetzt hinter Dir", "ich überhole Dich", "ich fahre an Dir vorbei". Beantwortet werden diese Signale jeweils mit einem eigenen Hupen aller derer, die es hören und eine Hupe besitzen. Leider keine Symphonie.
Das Appartement ist großzügig. Die Straßen staubig und kaum beleuchtet. Hinter dem Haus werden die Ochsen vorbeigetrieben. Rundherum Palmen und exotische Vögel. Bunte Farben allerorts. Indien.