Montag, 16. April 2012

Freunde, Vorstellungen & Realitäten


Hermann Hesse, "Freunde". In drei Stunden glatt durchgelesen. Hans sucht. Er findet Freunde. Im Privaten. In der Studentenverbindung. Im Universitären. Im Geiste. In der Lebensweise. Er findet Freunde. Aber er findet nicht seinen Weg. Liegt es an seiner Herangehensweise? Oder gibt es Menschen, die ihren Weg vielleicht niemals finden können?

Eine gewisse Leere bleibt bei mir zurück. Oder Beklommenheit? Nachdenkenswert.


Was ich mitnehme?


"Hans meinte zu wissen, dass jeder Mensch sein eigenes Ziel habe, jeder ein anderes und dass scheinbare Übereinstimmungen hier nur Täuschungen sein könnten. Immerhin war es möglich, dass zwei Menschen grosse Wegstrecken gemeinsam gingen und Freunde waren."

Da ist sie wieder. Die Erkenntnis, dass die meisten Freunde nur Freunde für jeweils einen Lebensabschnitt sind. Tempus fugit. Pflücke den Moment, denn er kommt nie wieder und ist (tatsächlich) ein Geschenk. Im Guten, wie im Schlechten. Ein frommer Wunsch, vom Alltag regelmäßig erfolgreich verdrängt.
 
und:

(Nach einem großen Vorwurf): "Nicht schimpfen, Hans! Es kommt Dir vielleicht so vor, aber Du weißt doch, die Sachen sind immer anders, als sie uns vorkommen"

Das bedingungslose "immer", das Hesse hier statt des (heute) üblichen "meistens" verwendet machte mich nachdenklich und erinnert mich an Watzlawick: jeder Mensch hat seine eigene Wirklichkeit. Wir sollten weniger vorwerfen, als Verstehen lernen. Und akzeptieren. Und manch Anderer hat uns vielleicht in Wahrheit weitaus weniger wichtig genommen, als wir es gerne gehabt hätten. Und sein uns ungeliebtes Tun oder Unterlassen war in seiner Realität ein Nichts. Und nur in unserer eigenen ein schmerzvoller Tsunami.

Mir fehlen die nächtelangen philosophischen Diskussionen aus der Studentenzeit.

Samstag, 7. April 2012

Mailand in Berlin

Die Filarmonica della Scala spielte in der Philharmonie Berlin, und dann noch unter Daniel Barenboim. Kann ja eigentlich nur gut werden. Aber es wurde sogar sensationell: Barenboim dirigierte so, wie wohl ein Sonnengott seine Lichtstrahlen beherrscht. Rossini und Verdi waren ohnehin Selbstläufer, die mit tosendem Applaus bedacht wurden. Aber selbst der Debussy (nicht gerade mein Favorit) wurde zum Glanzstück. Neben göttlicher Musik lag das wahre Festspiel jedoch in der einzigartigen Kommunikation des Meisters, individuell mit jedem einzelnen seiner Musiker. Mit strengen oder lachenden Mienenspielen, fordernden oder zurechtweisenden Fingerzeigen, verträumten und verzückten Lächeln, wilden oder entrückten Grimassen, mal flehenden, mal warnenden, bremsenden oder anheizenden Augenspielen, "ich-liebe-Dich"-Blicken und manchmal auch mit einer wilden "ich-trete-Dir-in-den-Allerwertesten"-Geste.
Die besten Sitze bei Barenboim sind eindeutig nicht auf den teuersten Plätzen. Wer nur seinen Rücken sieht verpasst das Herz der Aufführung.
Oh, was für ein Tag!

Dienstag, 3. April 2012

Es gibt viele Patienten in Berlin

Heute beim Inder in der Zossener Straße:

Ein Paar am Nebentisch, Typ Altkreuzberger Lehrer.

Der indische Kellner räumt das Geschirr der Vorspeise ab und fragt ihn: "Oh, hat Ihnen die Suppe nicht geschmeckt?"
Mann blafft zurück: "Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Scheiß!"
Kellner (nach fünf versteinerten Schrecksekunden) leise: "Ich verstehe". Und geht ab.

Riesenszene am Tisch. Die Frau ist geschockt und auf Hundertachtzig wegen des Benehmens ihres Begleiters. Er solle sich gefälligst beim Kellner entschuldigen, und ob er noch alle Tassen im Schrank habe. Er kuscht, wird immer kleinlauter und verlässt schließlich das Lokal (im Vorbeigehen leise zum Kellner: "warnichsogemeint").

Kellner bringt später der Frau den Hauptgang und fragt sie unschuldig: "Und Sie sind sein Betreuer?".
Sie schaut ihn mit weit aufgerissenen Augen an, der Inder sinniert verständnisvoll weiter: "Ja, es gibt viele Patienten in Berlin..."

Der Gesichtsausdruck der Frau: Unbezahlbar... :-)))

Montag, 2. April 2012

Extravaganza - one day more

Musicals sind in Berlin eher rar gesäht, insbesondere kleinere Produktionen sind schwer zu finden. Besondere Freude macht da die geniale Inszenierung des schrägen Stücks "One Day More/Extravaganza" von Johannes Müller (für mich ein Regiegenie), Santiago Blaum (tolles Arrangement!) und Philine Rinnert (wunderbar in Bühnenbild/Kostümen) in den Berliner Sophiensälen. Der Kapitalismus geht unter (ein bisschen), Tod & Auferstehung, eine in sich spannende Story, aber vor allem: kombiniert mit wunderschöner Musik (warum geht man auch sonst in ein Musical?!) aus Les Misérables, brilliant gespielt und gesungen von Jill Emerson, Jessica Gadani, Hauke Heumann und (wie kann man nur so viel Text behalten?) Sebastian Straub. Und unterstützt von einem phantastischen :-) Berliner Chor! Die wilde Handlung kontrastiert perfekt mit der so sehr melodischen, einfühlsamen Musik. Der Zuschauer wird hin- und hergerissen zwischen Mitleid mit Occupy-Demonstranten, Kopfschütteln über durchgeknallte Investmentbanker, hier und da einem Mord und berührender Musik, die einen in Harmonie und Glückseligkeit schweben lässt.
Soweit meine völlig befangene und subjektive Meinung. Aber unabhängig davon: Die Zuschauer haben jedenfalls jeden Abend getobt.
Wer es noch erleben möchte: nur noch bis 4.4. in den Sophiensälen.

Freitag, 30. März 2012

Gesangliche Gehversuche

Zum ersten Mal seit über 20 Jahren wieder auf einer Bühne. Schminken nervt. Erst recht, wenn es nur für eine Probe ist. Und ist für so einen kleinen Hobbybackgroundsänger wie mich sowieso totaaaal überflüssig!!!

Samstag, 17. März 2012

Frühling in Berlin

Dies war einer dieser Tage, an denen ich diese Stadt nach dem düsteren Winter immer wieder aufs Neue zu lieben beginne: Frühlingsanfang. Ab jetzt wird Berlin für die nächsten sechs Monate wieder zur schönsten Stadt der Welt. Ich habe den Eindruck, dass ich heute zum ersten Mal seit Monaten wieder die Vögel zwitschern höre. Der Görlitzer Park ist geflutet von bunten Menschen, die es nicht mehr in ihren Wohnungen hält, Technobässe aus der einen Ecke, Percussionsounds aus der anderen. Ein Stück Pizza in Treptow, ein leckerer Café Latte in der Sonne vor einem kleinen Café in Kreuzkölln. Die Menschen strahlen. Ich auch.

Später dann in das Konzert eines Freundes in der Emmaus-Kirche. Oh Gott, ein Kinderkonzert? Doch dann die Überraschung: Eine Sandzeichnerin entführte mittels Beamer nicht nur die Kinder in eine zauberhafte Traumwelt. Eine faszinierende Paarung von Musik, Technik und Ästhetik, die auch für die Erwachsenen das Märchen vom Mondbrunnen zu einem einmaligen Genuss werden ließen, Hut ab! Schade, hätte mich gerne noch mit ihr unterhalten, aber wir hatten schon einen Tisch reserviert.

Das Essen, anschließend im Mirchi, mit bekannt schwachem Service und viel zu intensiver Erdnusssoße. Da konnte später auch der Cocktail in irgendeiner Bar in der Oranienstraße nicht helfen. Aber so liebe ich diese Straße: unzählige Tische auf dem Gehweg, Menschentrauben mit Bierflaschen in der Hand, lachende Gesichter, die sich alle viel zu erzählen haben.
2012 beginnt - und ich fühle mich sauwohl.




Freitag, 16. März 2012

Zu wenig Swinger in Berlin

So, Swing ist erst einmal raus. Ein dritter Kurs macht nun alleine keinen Sinn. Bei nur vier Paaren im Kurs gab es leider auch keine Alternative für mich. Vielleicht werde ich zum Beibehalten des Erlernten gelegentlich zum Swingabend ins Clärchens gehen und im Winter an eine Fortsetzung eines Lindy Hop Kurses denken.
Neben dem weinenden bleibt das lachende Auge: die unschlagbare Eleganz des Tango Argentino. Gut, bei mir dürft der Begriff "Eleganz" im Moment noch weit gefehlt sein, aber Herausforderungen sind das Salz des Lebens.

Dienstag, 6. März 2012

Ron ist keine Diva

Überraschungstickets sind häufig gut für wertvolle Entdeckungen. So kam ich zufällig zu einem Konzert des Musikers Ron Diva im Kaffee Burger. Und ganz entgegen seinem Namen gab er sich gänzlich unprätentiös. Einfühlsame Songs, sympathische, persönliche Geschichten zwischendurch und ein dankbares Publikum. Wiederhören macht Freude, hoffentlich kommt er bald wieder mal nach Berlin!

Dienstag, 24. Januar 2012

"The Girl With The Dragon Tattoo"

Sehenswerter Film, eigentlich "nur" ein klassischer Krimi, in der Art eines Mankell/Wallanders, der auch im englischen Original gut verständlich ist. Praktisch ohne Längen, mit einem perfekten Spannungsbogen über den gesamten Film. Das Ende ebenfalls schön, mit einem kleinen Wermutsspritzer, sehr elegant gemacht! Störend nur, das die manchmal sichtbaren Texte (Zeitungsausschnitte, etc.) auf Englisch waren, obwohl der Film in Schweden spielt, da hat einer nicht aufgepasst.

Montag, 23. Januar 2012

Macht Tango schön?

Verfallen in experimentelle Hektik stürzte ich mich im Januar zugleich in zwei musikalische Abenteuer: einen 4-wöchigen Swing-Kurs (Lindy Hop) im Café Garbáty und einen Tango-Argentino-Workshop. Letzterer fand statt bei "Tangotanzen macht schön". Mal schauen, wie lange man da üben muss, bis es wirkt.
Zum Swing brachte mich ein unglaublich schönes Video. Dieses eine reichte als Zündfunke schon völlig aus. War jedenfalls beides genial. Ich beginne langsam, mich über den bei mir regelmäßig wiederkehrenden Gedanken zu ärgern: "das hättest Du schon viel früher machen sollen"...
Swing liegt mir wie ein Maßanzug. Punkt. Verflixt, warum habe ich den nicht schon vor 20 Jahren kennen gelernt?? Swing kostet allerdings deutlich mehr Schweiß als Tango. Bei dem geht mir dafür beim Tanzen das Herz über. Bin gespannt, welcher Tanz bei mir das Rennen macht. Werde erst einmal beide weitermachen. Unabhängig vom Schweißfaktor: Was Spaß macht macht schön :-)

Donnerstag, 1. Dezember 2011

"Ziemlich beste Freunde"

Deutschlandpremiere im Kino International: Tränen gelacht. Und Tränen gelacht. Und Tränen gelacht. Und zwischendurch strich ein warmer Hauch über das Herz. Auf voller Länge ein unglaublich schöner Film! Das Publikum applaudierte endlos für die anwesenden Regisseure und den einen Hauptdarsteller. Ein französischer Film der Spitzenklasse, mein persönlicher Film des Jahres 2011. Auch die anschließende Premierenfeier war gut gemacht. Ein großes Danke für die Einladung und diesen unglaublich glücklichmachenden Abend.

Freitag, 14. Oktober 2011

Scheinbar

Die Scheinbar ist nur scheinbar
eine Weinbar
Dort wagen sich nur Kühne auf die
viel zu kleine Bühne
Die Guten ernteten Applaus
Die And'ren schauten kraus
Was man auch einsah.

Montag, 3. Oktober 2011

Mein schöner 3.Oktober

Der Sonntag beginnt mit Stress: zu spät aufgestanden, in Lichtenberg die Regionalbahn verpasst. Aber die strahlende, warme Sonne lässt mich dann die Stunde auf dem Bahnsteig entspannt genießen und in Sonntagsstimmung kommen. Die Fahrt mit der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft nach Wendisch-Rietz ist traumhaft, Weiden, Wälder, Pferde, alte Katen, Seen. Ich beginne mich angesichts der Schönheit der Landschaft langsam etwas zu ärgern: zwei Sommer lang habe ich das Berliner Umland verpasst. Doch als ich ankomme, ist aller Ärger verflogen, die Natur lockt. Und das von Freunden organisierte Tischtennis-Turnier. Ein Heidenspaß: Teenager, Rentner, Elektriker, Akademiker zeigen ihre teils etwas eingerosteten, teils sehr imposanten Tischtenniskünste und alle kämpfen verbissen um jeden Punkt. Ich schaffe es sogar in die Finalrunde (um dann den letzten Platz der Gruppe machen...).

Als es später dunkel wird folgt das gemeinsame Grillen an langer Tafel, weitere Nachbarn stoßen hinzu. Als es kühler wird macht der Hausherr ein Lagerfeuer an, schenkt Selbstgebrannten aus. Stefan steigt zur Erheiterung aller auf die extra herbeigetragene Leiter, um mit seinem Laptop doch noch Internetempfang zu bekommen. Aber es nützt nichts, die moderne Zivilisation ist zu weit weg, die Handys bleiben aus. Welch ein Glück.

Es ist nach Mitternacht, ein harter Kern von acht Nachtschwärmern steht um das wärmende Feuer, da es trotz der 26°C tagsüber dann nachts doch schon kühler wurde, als jemand sagt: „Es ist gerade 3. Oktober geworden. Wenn es die Einheit nicht gegeben hätte, stünden wir heute hier nicht zusammen“. Und alle fangen an, sich zu freuen. Und erzählen ihre Geschichten. Fünf Ossis, drei Wessis. Plötzlich beginnt eine (Ost) die Nationalhymne zu singen. Ich halte kurz die Luft an. Doch das Wunder geschieht: alle stimmen lachend ein und genießen unter dem hell strahlenden Sternenhimmel diesen sehr persönlichen Moment der Deutschen Einheit und Freiheit.

Montag, 26. September 2011

Random Sports & Casual Classics

Hmm. Nachmittags ist - auch während der Woche - die Schwimmhalle nicht wirklich leerer: Querplanschende Kinder versus im Zeitlupentempo bahnschwimmende Berufstätige am Abend. Eigentlich ist es wohl egal, wann man geht. Nicht zur Nachahmung empfohlen: meine Sport-Kultur-Kombination. Denn anschließend ging ich auf Einladung einer Freundin in die Philharmonie, ein Konzert der Serie der "Casual Concerts". Erst Sport und dann Klassik geht leider gar nicht. Ich hatte dauernd mit der Müdigkeit zu kämpfen. Dabei waren sowohl das Konzert selbst (DSO mit Schubert), als auch die gekonnte Moderation (Dirigent Ingo Metzmacher) sowie die After Concert Lounge ("Brandt Brauer Frick") eine wirklich gelungene Mischung für eine schönen Abend. Die nächsten Konzerte sind leider erst in einem halben Jahr. Merken!

Samstag, 3. September 2011

Besser als jedes Klischee

Nach Hauptstadt und Meer fehlen mir jetzt noch die Berge von Georgia, in die Nähe der kitschig-schönen "Alpenstadt" Helen, im Norden des Staates.
Ich buche eine kleine Landhausvilla und setze mich 5 1/2 Stunden hinters Steuer. Dann die Überraschung: das ist das beste Hotel, in dem ich in meinem bisherigen Leben übernachtet habe! Den ganzen anonymen Hilton-Schrott kann man vergessen. Ein kleines familiäres Hotel mit nur 5 Zimmern ist für mich die Krönung der Hotelschöpfungen. Wunderschön zwischen alten Bäumen auf einem Hügel gelegen, 170 Jahre alt, unglaublich liebevoll restauriert und von unschlagbarer Freundlichkeit. Die Türen bleiben rund um die Uhr offen. Jetzt gerade sitze ich nachts mit einem Weißwein auf der breiten Veranda, die Grillen zirpen, der Mond ist hinter den Bergen verschwunden, es duftet bezaubernd. Ein Traum. Hier kann man den Rest der Welt vergessen und wirklich ausspannen. Ich komme wieder!! Hamilton, der Inhaber, schickte mich den ganzen Tag durch die Gegend, nachdem ich ihn gefragt hatte, was es hier alles zu sehen gäbe "I have to keep you busy": Südstaaten-Hausmusik vor einem Pub, das Folk Life Festival, das Crush Fest auf den Yonah Mountain Vineyards (ich habe dort mit meinen Füßen ganz klassisch Weintrauben zermatscht, witzige Sache!). Und bei jedem Event bekomme ich Namen von Freunden oder Nachbarn, oder von seiner Ex-Frau mit auf den Weg, an die ich mich wenden soll, um sie zu grüßen, um von ihnen betreut zu werden, oder auch nur falls ich Probleme haben sollte. Hier kennt jeder jeden, eine funktionierende Kleinstadtgemeinschaft mit unglaublicher Gastfreundschaft. Das Südstaatenerlebnis übertrifft jedes Klischee.

Donnerstag, 1. September 2011

Historisches Savannah

Savannah ist im historischen Viertel eine wunderbare Stadt, kleine Straßen, viele Bäume, alte, prächtige Häuser, man fühlt sich fast wie in "Vom Winde verweht". Eine Stadtrundfahrt erklärt vieles, aber der Südstaatenakzent ist doch hart für mich zu verstehen. Savannah war eine der ersten Siedlungen in den USA und hat daher "echte" Tradition. Mittags gehe ich für 10 USD auf ein kleines Schiff, das Delphinsichtungen verspricht. Und tatsächlich, nach knapp einer Stunde tauchen rechts und links immer wieder welche auf, wow. Am Abend spare ich mir den Strandspaziergang.

Mittwoch, 31. August 2011

Strandfeeling mit zu viel Gefühl

Da ich keine Lust mehr auf Großstadt hatte, nahm ich gleich ein Hotel am Strand, auf Tybee Island. Ein beschaulicher Ort direkt hinter Savannah. Die Saison ist schon vorbei und die Restaurants auffällig leer. Dabei hat es tagsüber 37°C und der Strand ist richtig schön. Auf dem Pier wundert mich ein Schild, dass das Hai-Angeln untersagt. Haie? Hier am Strand??? Ich beschließe nicht baden zu gehen. Am Abend dann sternenklare Nacht, wenn man am Strand sitzt und sich die Augen nach einer Weile an die Dunkelheit gewöhnt haben, kann man einen Anblick genießen, den man in Berlin nie zu sehen bekommt: ein voller Sternenhimmel. Nach einer Weile kommt aus dem Dunkeln ein Farbiger zu mir und wir beginnen uns ganz nett zu unterhalten. Bis er mir plötzlich zwischen die Beine greift. Upps. Ich sage ihm, dass ich das nicht mag, er entschuldigt sich und nach 5 blabla-Minuten entschwindet er wieder in der Dunkelheit des Strandes. Puuh, denk ich mir, das ging ja glimplich ab. Da kehrt er plötzlich wieder. Und zwar dieses Mal splitternackt, bei seiner Hautfarbe war im Dunkeln meine Vorwarnzeit recht gering, plötzlich stand er in seiner vollen Pracht einfach da. Hui. Verdutzt beginne ich zu lachen und sage "that's funny". War wohl die richtige Reaktion. Er dreht sich wortlos um und rennt weg. Für heute reicht es mir. Mehr Sterne muss ich nicht mehr sehen.

Sonntag, 28. August 2011

Atlanta ohne Coke

Das Coke-Headquarter hätte ich mir imposanter vorgestellt. Andere Hochhäuser sind da viel protziger. Die Museen der Stadt, einschließlich Botanischem Garten haben Montags geschlossen, das Coke-Museum ist für mich tabu (so langweilig kann mir gar nicht sein), also bleibt mir nur das Georgia Aquarium, das allerdings beeindruckt. In Summe stelle ich fest: Atlanta ist eine amerikanische Stadt wie jede andere und beschließe direkt am nächsten Tag weiter nach Savannah zu fahren, um das Meer zu genießen.

Samstag, 27. August 2011

Warum geht man als nicht-Bauer auf Traktorenmessen?

Das Afterparty-breakfast war schön. Nur leider in einem (typisch amerikanisch) unterkühlten Raum. Draussen über 30°C, drinnen ärgere ich mich über den vergessenen Pullover. Oh, und ein Marmladenbrötchen wäre schön. Am Nachmittag geht es auf die Minnesota State Fair, mit durchschnittlich 1,8mio Besuchern jährlich die größte Messe der USA und sogar eine der größten der Welt. Toll. Was gibt es dort also zu sehen? Traktoren. Und Traktoren. Und Traktoren. Und Vieh. Und Vieh. Und Pflanzen. Und tausend verschiedene Maiskolben, hunderte preisgekrönte, angeschnittene Torten, auf viele Vitrinen verteilt (nein, nicht zum Verzehr, nur zum Anschauen!), etc.etc.
Nach zwei Stunden bin ich froh, in ein schönes Konzert einer kleinen Band gehen zu können. Die heizt dem Publikum so richtig ein und es kommt eine grandiose Stimmung auf. Nicht mein Ding, solche Messen. Aber das Rahmenprogramm passt.

Freitag, 26. August 2011

Hochzeit auf amerikanisch

Heute war die Hochzeit meiner Freunde in Minneapolis. Der Ort für die Zeremonie war wunderschön an einem See (Loring Pond) in der Innenstadt gelegen, die Zeremonie selbst führte eine Freundin des Paares aus. Am Schluss staunte ich dann aber bei der Danksagung von ihr: sie hatte sich die Genehmigung, Paare trauen zu dürfen, von irgendeiner Internetkirche online gekauft und war somit kurzzeitig Repräsentantin, nein, nicht der Kirche der Fliegenden Spaghettimonster, aber von so etwas in dieser Art.
Tolles System.
Ich mache auch eine Internetkirche auf. Wer für eine Woche mein Priester sein will überweist mir bitte 75 EUR, ich schicke die Ernennung dann umgehend per eMail.

Mittwoch, 24. August 2011

Der Hafen

Was für ein unvergessliches Frühstück! Hier mein bester Tipp für Jetlag-geplagte Europäer, die non-stop nach San Francisco fliegen und dann morgens schon um 5 hellwach sind: Mit irgendeiner Straßenbahn oder einem Bus bis zum Beginn der Marketstreet (=No 1) fahren, dann noch 200m bis zum Hafen gehen. Dort im Hauptgebäude ist ein Coffeeshop (öffnet um 6 Uhr früh) und dann raussetzen auf den Pier: die aufgehende Sonne im Gesicht, der Blick auf die Bay Bridge und auf Treasure Island. Ein wunderschöner Moment in dem man den Rest der Welt vergisst! Nach und nach kommen dann die ganzen Fähren mit der arbeitenden Bevölkerung aus Oakland etc. und spucken jeden Menge hastender, aber auch fröhlicher Mensche aus.

Es ist so schön, so einem Trubel zuzusehen, wenn man selbst, vollkommen entspannt, den nächsten Termin erst am Nachmittag hat.

Da könnte man wirklich jeden Tag frühstücken. Denn das Hotelfrühstück (Filterkaffee und Donuts) ist nun echt der letzte Grund, um im Haus zu frühstücken. Und das Hafencafé ist interessanterweise um diese Uhrzeit bereits gut gefüllt. Zumindest erkennbar keine Touristen, aber doch jede Menge Laptopuser, die, wie ich, viel Zeit mitgebracht haben.

Dienstag, 23. August 2011

Das Touriprogramm

Endlich! Was ich vor 17 Jahren nicht geschafft hatte: Nun bin ich endlich Cablecar gefahren. Gleich zweimal. Schön war's. Aber auch keine Erleuchtung. Nur die Aussicht oben auf dem Berg war spektakulär.
Chinatown ist nur tagsüber interessant, abends total tot. Die Golden Gate Bridge ist stilecht im Nebel versunken, trotzdem schön.
Der Tipp für Touris: Noch am Flughafen an einem Infoschalter den 3-days-MUNI-pass kaufen, kostet $21 (inkl. Cablecar, wo die Einzelfahrt sonst $6 kostet) und gilt, außer für die Fahrt zum Flughafen SFO (Einzelfahrt $8,10), im gesamten ÖPNV-Netz von S.F., welches erstaunlich gut ausgebaut ist. Kaum längere Wartezeiten, elektronische Anzeigen, dichtes Netz. Für Alcatraz gibt es keine Karten mehr, die sind i.d.R. bereits auf Wochen ausverkauft-->sollte man also frühzeitig planen.

Montag, 22. August 2011

S.F. ist "nett"

Nun bin zum zweiten Mal in dieser berühmten Stadt in Kalifornien und habe wieder das gleiche Bauchgefühl: "nett hier, aber waren Sie schon mal in..." (L.A, San Diego, ..., woauchimmer). Nicht, dass es hier nicht schön ist. Aber es haut mich einfach nicht um.
Übrigens habe ich hier beim Spazierengehen an einem Tag so viele Haschraucher gerochen, wie in Berlin nicht in einem Monat. Kein Witz! In den verschiedensten Stadtvierteln, aus Geschäften, auf der Straße, aus einem Laden, sogar aus einem stehenden Polizeiwagen kam eine Duftwolke. Hier sind alle von A bis Z bekifft, echt verrückt.

Sonntag, 14. August 2011

Einfach mal vergessen, dass man "erwachsen" ist

Eine herrliche Tretbootfahrt zu viert auf dem Wannsee. Jaaaaa, das schlechte Wetter war vorhersehbar, alles schrie danach, aber was soll's, die Spaßlust siegte.
Und so wurden wir nass. Seeeeeeeeeeehr nass. Und das Schöne daran: es hat so viel Spaß gemacht, alle waren pitschnass bis auf die Unterwäsche. Später in meiner Wohnung lief das Wasser an mir herunter als ob es drinnen auch noch regnen würde.
Aber wir haben gelacht, und uns gefreut wie Kinder.

Sonntag, 17. April 2011

Sag mir, wer Deine Freunde sind und ich...

Eine Geburtstagsparty. Außer der Gastgeberin kannte ich niemanden. Ich fühlte mich geehrt. Wie schön es doch ist, mit wildfremden Menschen stundenlang zu reden, wenn man merkt, dass es einfach passt.
Und wieder einmal bestätigte sich die alte Regel: Sympathische Menschen kennen sympathische Menschen!
Das ist praktisch so, wie die alte Weisheit: Schau' Dir die Schwiegermutter an, und Du weißt, wie die Tocher werden wird ;-)

Freitag, 15. April 2011

Heiße Cleopatra

Ein super Sauna. Wollte ich schon lange mal hin, nun klappte es endlich. Werde trotz schlechter Verkehrsanbindung sicher öfters dort sein. Sauber, übersichtlich, freundliche Menschen, superbe Massage, schöne Aussicht über die Dächer. Und sehr gute Öffnungszeiten (-24:00 Uhr)

Dienstag, 15. März 2011

Der blaue Engel

Brilliant. Heinrich Mann, Carl Zuckmayer, Marlene Dietrich und Walter Plathe können nicht irren; die beste Produktion, die ich je in der Komödie am Kurfürstendamm erlebt habe. Obwohl teils sehr frivol trotzdem auch schauspielerisch wirklich exzellent. Und das, obwohl ich sonst nicht auf Dramen stehe. Kurz: in jeder Hinsicht sehenswert.

Freitag, 4. März 2011

"Good food, bad food": poor director

Eine Doku im ACUD-Kino. Mit sechs Zuschauern heute recht gut gefüllt. Das Thema eigentlich spannend.
Aber dann, Leute nee, diese Weltverschwörungspolemik ist echt auf Schwachmatenniveau ("nach dem Krieg haben sich chemische Industrie und die Regierungen der Welt heimlich zusammen getan, um die Bauern und die Frauen dieser Welt schleichend auszurotten"...). Kann sich so ein Regisseur überhaupt vorstellen, dass auch Zuschauer mit Hirn und einem Hauch Vorwissen in seinen Film gehen? Wahrscheinlich hat er vorher nur Soaps für RTL II produziert.
Da fallen die interessanten Momente des Films gar nicht mehr ins Gewicht, denn die Glaubwürdigkeit ist im Eimer. Note 4-.

Mittwoch, 2. März 2011

"We Will Rock You" im Theater des Westens - definitely they did

Eigentlich steh' ich nicht so auf diese Design-Musicals und auch hier der erste Eindruck: Glänzende Bühnengestaltung, aber die dümmliche Handlung, weit entfernt von Queen, langweilt jeden, der Matrix gesehen hat.
Glücklicherweise stellt sich bald heraus, dass sie nur dazu dient, möglichst sinnfrei die Pausen zwischen zwei Stücken zu füllen. Denn die Musik knallt. Und wie! Das Publikum tobt. Ein geniales Konzert.

PS: Und was einmal gesagt werden muss: der Sicherheitsmann dort nimmt seinen Job ernst und bleibt dabei doch sympathisch. Das spricht fürs Theatermanagement.

Dienstag, 1. März 2011

English Comedy im Kookaburra

Erneut ein "sehr gut" für zwei Stunden glänzende Unterhaltung in fast privater Atmosphäre. Moderatorin Kim brilliant. Auch Bodo Wartke mit englischen Texten, hatte ihn vorher noch nie gesehen, überraschend gut, merkenswert!

Sonntag, 27. Februar 2011

Badeschiff revisited

Die pleitenbedingte Pause hat zumindest der Atmosphäre nicht geschadet, wir waren uns einig, dass wir vor Ende März noch ein paar Mal wieder kommen müssen. Definitiv Berlins beste Sauna.

Samstag, 26. Februar 2011

Disco Inferno mit Unterhaltungseinlage

Jau, noch besser als erwartet, die Band hatte ihr Publikum fest im Griff, bereits beim zweiten Song stand im Quasimodo keiner mehr still. Erste Sahne mit 100%-Wiederholungsgarantie meinerseits.

In der Pause erzählte Nicola von einer Diskussion mit ihrem Vater:

Vater: Was wünschst Du Dir denn zum Geburtstag?
Sie: Eine Brustvergrößerung
Vater: Was? Wieso denn das?
Sie: Papa, ich bin jetzt 39, mit den Dingern kriege ich niemals einen Kerl ab!
Vater: Wie wär's denn erstmal mit kochen lernen?

Wir lagen unterm Tisch vor Lachen...

Sonntag, 20. Februar 2011

Kreuzberger Poetry Slam

Wow, der Bastard Slam bezeichnet sich als ältester Poetry Slam Deutschlands, nicht schlecht. Das Publikum war das jüngste Deutschlands, da habe ich schon ganz andere Bühnen gesehen, mit doppeltem Altersschnitt und damit einhergehend gesetzterer Stimmung im Publikum.
Aber entscheidend sind ja die Akteure auf der Bühne. Und die waren hervorragend. Ein Abend an dem man so viel lachen kann ist einfach ein Geschenk.

Sonntag, 13. Februar 2011

Ach Lena

Dass sie nicht singen kann ist kein Problem. Können viele in dem Business nicht.
Aber dass Berlin seit Wochen von kleinen Lenas geflutet wird, ist schon nervig. Ich habe den Eindruck, dass jedes Mädel, das 18 ist (oder so aussehen möchte) sich als kleine Lena-Kopie zurecht macht. Noch nie ist mir ein uniformer Modetrend in so kurzer Zeit so stark aufgefallen. Naja, immer noch besser als Lady Gaga als Vorbild.

Samstag, 5. Februar 2011

Die Liebe der Danae

Schon wieder ein Highlight. Als Staatsoper-Fan war nun einmal testweise die Deutsche Oper dran. Musik von Richard Strauß.
Orchester, Chor und Besetzung sehr gut. Bühnengestaltung exzellent: Im zweiten Akt wurde die Beleuchtung so geschickt gewählt, dass die Bühne perfekt wie ein schwarz/weiß-Bild wirkte, dann wurde eine einfache Rose in der Mitte mit zwei Spots hell angestrahlt, so dass deren Rot durch den ganzen Raum geschmettert wurde. Sensationeller Effekt!
Ansonsten: Die Deutsche Oper wirkt wie die Philharmonie: Groß, aber nicht großartig. Es fehlt einfach die Grandezza der altehrwürdigen Staatsoper.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Formel-1=6-Tage-Rennen

Zur Eröffnung des hundertsten 6-Tagerennens in Berlin kam ich nun auch einmal ins Velodrom. Danke, Thilo, für die Einladung. Sonst bin ich ja immer nur nebendran zum (selber) Schwimmen.

Die Kurzfassung: Gäääääähn.

So stelle ich mir ein Formel-1-Rennen vor, wo ich auch noch nie verstanden habe, was man daran findet. Eine Stunde oder länger fahren alle im Kreis, man unterhält sich so lange mit seinen Nachbarn. Dann nach 100 Runden schreien alle auf, weil irgendeiner, dessen Namen ich in 10 Sekunden auch direkt wieder vergessen habe, einen anderen noch schnell überholt hat. Ende. Siegerehrung. Toll. Dann folgt ein Rennen, wo Radfahrer eine halbe Stunde lang Motorrädern hinterher fahren. Keiner um mich herum kennt die Regeln, oder versteht, wo da der Witz liegt. Der Moderator erklärt es auch nicht. Och Mensch, nöö, ne? Dafür haben wir die tolle Party im Hotel Angleterre vorzeitig verlassen, wo es so einen sympathischen Frauenüberschuss gab? Krasse Fehlentscheidung.

Sonntag, 23. Januar 2011

Renaissance Theater, kaufkraftabschöpfend

Eine Buchpräsentation ist eine Verkaufsveranstaltung. Es empfiehlt sich, diese unterhaltsam zu gestalten, um zum Kauf und zur Weiterempfehlung anzuregen. Dass es bei Buchpräsentationen immer öfter in Mode kommt, dafür Eintritt zu verlangen (hier: 14 Euro), weil es dem Kunden ja schließlich auch gefällt, ist echt ein Unding. Horst Evers war gut, wie meistens. Aber er wird wohl zum Promi.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Nachtrag zur Gesundheit

Zweieinhalb Wochen keinen Salat, kein frisches Obst, nur Getränke, die aus Flaschen serviert wurden, Zähneputzen nur mit Mineralwasser. Mückenschutz mit DEET, ab 17 Uhr immer fleißig aufgetragen, geschlafen unterm Moskitonetz.
Fazit: Auch wenn mir manch kulinarischer Genuss entging, mein größtes gesundheitliches Problem dafür war nur das Sodbrennen.
Medikamente gegen Durchfall, Fieber, Schmerzen, Wunddesinfektionsmittel, Malariaprophylaxe gingen alle wieder ungenutzt mit nach Hause.

Ob die Impfung gegen Typhus nötig war kann ich nicht beurteilen, vermutlich bei meinem Trip und meiner Verhaltensweise nicht. Dass ich die Impfung gegen (die für Menschen grundsätzlich tödliche) Tollwut nicht mehr geschafft hatte, hätte leicht sehr, sehr böse enden können. Großer Fehler!

Dienstag, 18. Januar 2011

Berlin hat mich wieder

Es ist herrlich kühl hier in Berlin, die Sonne strahlt mir beim Frühstück ins Gesicht. Schön, wieder zu Hause zu sein.
Klar, es war irgendwie spannend, alleine ein Rudel von über zwanzig wilden Hunden mannhaft zu besiegen, und bis zum letzten Blutstropfen gegen eine mindestens 30cm lange, wilde Urwaldechse in meinem Bett zu kämpfen. Aber es ist auch schön, sich Schuhe anzuziehen ohne vorher reinschauen zu müssen, wer dieses Mal drin übernachtet hat.
Und meine erste Mahlzeit in diesem Jahr ohne Curry war ehrlich gesagt auch ein Hochgenuss.
Andererseits: Eines ist sicher, Indien sieht mich garantiert wieder, es war einfach zu schön und faszinierend!

Montag, 17. Januar 2011

Last class from Goa

Um drei Uhr früh aufstehen, ich hasse Flüge um diese Zeit! Zum Essen fehlt die Zeit. Abfahrt um vier, als ich heulende Hunde höre, fahre ich zusammen, das Erlebnis steckt mir noch in den Knochen. Im Flugzeug nach Mumbai gibt es kein Frühstück, nicht mal einen Kaffee, oh, das geht ja gut los.

Dort ist bei Ankunft immer noch Nacht und nun heißt es sechs Stunden Warten auf dem Flughafen, das ist der Preis für das günstige Ticket. Der Terminalbus fährt an Slums vorbei. Erschreckende Realität nach dem paradiesischen Goa.

Und dann: Oh nein, es gibt auch in der Touristenklasse noch einen schlechtesten Sitzplatz: Dort, wo die Toiletten sind und deshalb nur noch zwei Sitze daneben passen. Und es sind die einzigen Plätze ohne Fenster! Links also eine Wand. Rechts 50cm neben mir die WC-Tür. Abgesehen von dem Trubel, dauernden berührt werden von den Wartenden und der Geräuschkulisse der Türe selbst: nach etwa drei Stunden Flug kommen Würgereize auf. Nicht wegen der Flugkrankheit, sondern wegen des Gestanks. Die Gäste sagen der Stewardess bereits Bescheid, "very dirty inside", Danke, aber ändern kann sie auch nichts.

In London fluche ich, der Anschluss ist viel zu knapp geplant, es ist 19:15 und der Anschlussflug nach Berlin geht um 19:45, Boarding hat begonnen. Natürlich in einem anderen Terminal dieses Riesenflughafens. Ich renne wie ein Wahnsinniger durch kilometerlange Gänge, remple Leute an, drängle mich vor, will nicht hier übernachten, bin total fertig, Kopfschmerzen, übermüdet, entnervt. Dränge mich beim Securitycheck vor ("my flight starts in 15 minutes", gelassene Antwort: „ask the passengers before you“, gnädiges Nicken der Leute in der langen Schlange, Danke, weiter), renne, wie es nur Lola vor mir tat.

Bis ich kurz vor dem Gate, nassgeschwitzt und am ganzen Körper zitternd, auf der Anzeigetafel sehe: Es ist eine Stunde früher, 18:30 .... mein Blackberry zeigte mir die falsche Zeitzone!

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAhhhhh.....

Sonntag, 16. Januar 2011

Das zweite Gesicht

Gestern Abend wäre ich fast einer Hundeattacke zum Opfer gefallen. Die in den vergangenen Wochen immer so lieben, streunenden Hunde wurden des Nachts auf der Straße plötzlich wild und kreisten mich ein, um mich dann zu dritt zu attackieren. Mit bestialischem Urwaldgeschrei und Scheingegenattacken aus dem Mute der Verzweiflung hielt ich sie mir auf ansonsten menschenleerer Straße irgendwie vom Leibe, bis ich irgendwann langsam Schritt für Schritt vorsichtig unter bösem Geknurre von dannen ziehen konnte. Unheimlich!!

Und heute Mittag wäre ich beinahe einem LKW zum Opfer gefallen. Wäre schon Scheiße, am letzten Tag noch schnell zu sterben, denke ich mir so. Naja, immer noch besser als gleich am ersten.

Habe heute zum zweiten (und letzten) Mal im Meer gebadet. Miese Bilanz für so einen langen Aufenthalt. Andererseits: hey, in Berlin ist Winter und ich war zwei Mal im herrlich warmen Indischen Ozean!

Mein Abschiedsessen fällt wegen Grippe des Einladenden ins Wasser. Ein anderer indischer Bekannter meldet sich weder auf sms noch Anrufe. Der vormals so freundliche Kellner schließlich vergisst mich dauernd. Ein anderer nimmt mir den zweiten Sessel fort, da ich ja ohnehin alleine da bin. Blöder letzter Abend, trotz rotem Sonnenuntergang am Meer und anschließendem Feuerwerk vor meiner Nase. Man kann sich auch in Indien einsam fühlen.

Samstag, 15. Januar 2011

Saturday Night Market in Anjuna/Arpora

Sensationell. Da hätte ich schon letzte Woche hingehen sollen. Was für eine Stimmung. Der Nachtmarkt besteht aus hunderten kleiner Shops, Musik, Düften, Lebendigkeit, Faszination. Und obwohl ich für mich nichts zu kaufen finde, vergeht die Zeit wie im Flug. Die Livebands spielen sehr gut, das Essen an den Ständen passt. Alles ist sehr teuer für indische Verhältnisse. Die Cola kostet z.B. 60 statt 20 INR, der Cocktail 250 statt 150 INR. Für Touristen immer noch wenig, aber es nagt am schönen Bild: das ist ein Markt nur für Touristen. Die Händler fragen mich schon gar nicht mehr als erstes, ob ich russisch spreche, sondern quatschen mich grundsätzlich auf Russisch an. Das nervt ein bisschen. Egal. Die Inszenierung ist ansonsten perfekt.
Eine der wenigen Sachen wo ich wirklich sage: Das muss man in Goa erlebt haben.
An der höchsten Stelle des Marktes ist eine Trance-Lounge. Und da geht ab 23 Uhr richtig die Post ab.

Direkt neben dem Schild "no drugs" tanzen die schrägsten Vögel wild im Vollrausch. Sensationell. Der Tänzer mit der herzförmigen Brille und offensichtlich der größten Dröhnung hat auch die beste Kondition. Als er sich auszieht und für mindestens zwei Minuten auf den Händen tanzt (die Füße zackig zur Musik in der Luft) tobt der Applaus und keiner bleibt mehr an der Bar sitzen. Er ist Lieblingsphotoobjekt aller Besucher geworden. Alle rufen wild durcheinander, beginnen an der Bar zu tanzen. Was für eine Party!

Freitag, 14. Januar 2011

brands and no brands

Als ich das leuchtende rote Logo einer Filiale der Pharmakette "Boots" entdecke fällt es mir wie die sprichwörtliche Schuppe von den Augen: Hier macht shoppen (eher: "stöbern") so viel Spaß, weil es eben keine Standardketten gibt. Ich habe hier in Goa bisher weder ein McD, noch eine dieser lausigen Klamottenmarkenoutlets gesehen, die die Fußgängerzonen und Shoppingmalls dieser Welt alle so ersetzbar machen; egal wo man gerade ist, immer das Gleiche. Und nun also ein Boots.
Neugierig schaue ich mal rein: Regale voller Schuhe und Stiefel. STIEFEL? Aaaaaaaaaaaaaah, na klar! "Boots" :-) Der Inhaber hat sich anscheinend einfach irgendwoher den Schriftzug der Kette geklxx-besorgt, keine schlechte Idee!

A propos Marken: Jeden Morgen schaue ich auf ein Hakenkreuz. Der Spiegel in meinem Zimmer ist von der Firma "Swastik Brand" und das steht samt eben jenem Logo fett mitten auf den Spiegel geklebt. Und hinter dem für Deutsche meines Alters doch ungewohnten Zeichen steht noch ein fettes "(TM)"-Zeichen. Wow. Neonazis müssten für ihre Tatoos hier in Indien vermutlich Lizenzgebühren zahlen, cool.

Abends live Musik im "Art Escape", 50m vom Strand. Soul, feinste Sahne, die könnten genau so gut in Berlin spielen. Top Essen, guter Laden. Treffe dort die ExPats wieder, aber die Musik ist zu laut für eine Unterhaltung.
Irgend eine russische Touristin nötigt eine Deutsche auf die Bühne, und siehe da: sie kann tatsächlich exzellent singen, Respekt!

Donnerstag, 13. Januar 2011

Pschologischer Selbstversuch, kläglich gescheitert

Neues aus meinem Appartement. Es knirscht in der Ecke. Ich schaue weg und hoffe, dass ich es bis heute Abend, wenn ich vom Essen zurück bin, einfach vergessen habe.

Mist hat nicht geklappt.

Aber wo genau kam das Geräusch vor ein paar Stunden eigentlich her? Und selbst wenn ich es lokalisierte, das Geräusch ist in der Zwischenzeit bestimmt weiter gewandert. Oder weitergehüpft? Können Geräusche überhaupt hüpfen? Hauptsache sie können nicht schlüpfen. Durch mein Moskitonetz meine ich. So wie dieser Riesenlurch, der war doch bestimmt 20cm lang.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Learning by driving

Die wirklichen Gefahren im indischen Straßenverkehr sind nicht der Trubel oder die fehlenden Verkehrsregeln (Chaos reguliert sich ja selbst), sondern sind die des nachts unvermittelt auf der Fahrbahn auftauchenden, unbeleuchteten Beef Steaks (roh), die auf der Straße statt auf der Wiese rumstehen. Baustellen sind ebenfalls grundsätzlich ohne Licht und Reflektoren. Und Wildschweine und Hunde hupen auch nie, wenn sie über die Straße düsen. Und das kommt auf einer 10km langen Strecke ungefähr 3-4 mal vor!

Neues Verkehrsinstrument kennen gelernt: Die Lichthupe. Bedeutet: ICH fahre auf jeden Fall, Du kannst Dir überlegen, ob Du bremst oder gegen mich verlierst.
Machoverkehr hier. Wer rücksichtsvoll ist und andere durchlässt kommt über keine einzige Kreuzung rüber. Mein Roller hat keine Lichthupe :-(

Neues Risiko kennen gelernt. Wenn man mit dem Motorroller mal anhält: Füße dicht an der Maschine lassen, sonst fährt ein anderer Biker drüber. Grrr.

Erfolgserlebnis. Habe meinen ersten Autofahrer geschnitten und auch mal Vorfahrt erhalten. Er hat wirklich für mich gebremst, toll!

Oh Mann, bin ich tief gesunken.

Dienstag, 11. Januar 2011

German Bakery in Benaulim

Hier trifft man alles, vom klassischen deutschen Touri ("Won Kaffee änd won Roll, please"), über den österreichischen Teilzeithippie, der zur Überbrückung der kalten Wintersaison hier ist, bis hin zum gesuchten Verbrecher oder Alimenteverweigerer, der sicher nur mit einem one-way Ticket nach Goa gekommen ist. Eigentlich meide ich im Urlaub Cafés und Restaurants, wo nur Touristen sitzen. Aber zum Frühstück brauche ich einfach Brötchen und Marmelade. Es versucht schon gar keiner mehr hier auf Englisch zu fragen, ob der Platz noch frei ist ("entschuuuuldigens, is do noa frroii? - ah, Servus, ein Wiener Hippie).

Zwei deutsche Expatriates sprechen mich an, die gerade Schwarzbrot kaufen. Wir verabreden uns zum Dinner am Strand, wo noch zwei weitere Expats dazustoßen. Und dann die große Überraschung am Abend: alle super nett! Kein Gemeckere über Land & Leute, wie man es sonst von Deutschen im Ausland gewohnt ist.
Ein unterhaltsamer und sympathischer Abend unterm Sternenzelt! Wir verabreden uns wieder.

Ich muss langsam mal den alten Rat meines Großvaters über Bord werfen: „Der Herr schütz‘ Dich vor Sturm und Wind, und Deutschen die im Ausland sind“.

Montag, 10. Januar 2011

Youuuuuu are not alone

Meine erste Nacht bei offener Balkontür und dafür ohne die nervige Klimaanlage. Als ich nach dem Aufstehen das Moskitonetz vom Bett weghänge sehe ich eine schnelle Bewegung neben meinem Kopfkissen. Die Echse ist locker 15cm lang und hat wohl direkt neben mir geschlafen. Danke fürs nicht-Anknabbern. Wofür brauche ich überhaupt so ein dämliches Netz, wenn es sogar für diese Riesenviecher kein Hindernis darstellt?
Als ich das Küchenfenster öffne, springt eine nicht zu kleine Spinne erschreckt davon.
Resignierend gehe ich auf den Balkon und setze mich in meinen Hängesessel. Fernblick über die Palmengipfel, die aufgehende Sonne, die Fauna weit entfernt. Wenigstens hier bin ich allein.

Sonntag, 9. Januar 2011

Motorbike revival

Mein letzter Versuch war im Alter von 15 Jahren. Und nach zehn Minuten war mir damals klar, dass Motorradfahren nicht mein Ding, ist.

Heute war der große Tag, unerfahren wie ich auf so einem Ding bin, Linksverkehr, indisches Chaos ohne feste Verkehrsregeln: und - es klappte tadellos. Wow. Helm trägt natürlich keiner, ist wohl gegen die Ehre, oder so. Also wenn ich hier plötzlich nicht mehr schreibe, habe ich mich entweder überschätzt, oder den indischen Verkehr unterschätzt, aber morgen werde ich mit dem schönen Roller auch zur Arbeit fahren, das bisschen Berufsverkehr wird schon nicht so schlimm sein.
Mist, das Ding macht tierisch Spaß. Was habe ich die letzten Jahre alles verpasst??

Mein erster Trip führt mich 40 Minuten in den Süden, der Strand heißt Cavelossim Beach, ist wunderschön, flaches Meer, 26°C warmes Wasser, Strand fest in russischer Hand.
Auf der Rückfahrt, nach einem umwerfenden Sonnengang am Strand, war ich froh, einen Helm zu haben: Der Massenmord an indischen Insekten fand so an meinem Visier statt und nicht an meinem Gesicht. Jetzt weiß ich, warum hier abends alle mit Tuchvermummumg herumdüsen.
Im Dunkeln fahren ist russisch Roulette. Spare ich mir künftig. Ein guter Grund, in der nächsten Woche früher aus dem Büro zu gehen.

Samstag, 8. Januar 2011

Goas Geschichte

Heute bekam ich eine Rundfahrt durch die Geschichte Goas spendiert, ein Taxi nur für mich, quer durch die Region. Zuerst ins Museum Ancestral Goa, mit dem historischen Casa Araujo Alvares (aus der portugiesischen Zeit), dann zu einem Gewürzgartenmuseum mit schöner Führung und Lunch. Anschließend zwei katholische Kirchen, zwei Hindutempel und ein bisschen shoppen in Panjim, der Hauptstadt Goas. Ein guter Tag. Nur den angebotenen einheimischen Schnaps hätte ich nicht trinken sollen, war danach nur noch müde...

Freitag, 7. Januar 2011

Ölbad

Die furchtbarste Massage meines Lebens: Gefühlte zwei Liter Olivenöl gleichmäßig auf meinem Körper verteilt, aber von Massage keine Spur. Weil ich eine Masseurin wollte, kostete es 22 EUR für eine Stunde. Ein Mann hätte überall bloß 500 INR (8,50 EUR) gekostet. Nächstes Mal werde ich schauen, ob günstiger vielleicht besser ist. Aber mehr als einen weiteren Versuch werde ich nicht riskieren. Triefend zur „Dusche“ gestolpert, das Zeug ging kaum ab, brrr.
Zur Entschädigung abends ein tolles Dinner am Strand mit Bawa, ein Sikh und Geschäftsmann. 29 Jahre alt. Er betont mehrfach, dass er als CEO einer "multi million company" telefonisch rund um die Uhr erreichbar sein müsse. Ich muss schmunzeln, als ich nachrechne: Sein Imperium macht also vermutlich mehr als 32.000 EUR Umsatz. Trotzdem nicht schlecht: In Indien kann man damit (je nach Branche bzw. Qualifikation) zwischen fünf bis 25 Menschen fürs Jahr bezahlen.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Indische Nächte

Auf dem Weg zur Rogers Bar, mit Tischen direkt am Wasser, haben mich wieder sechs oder sieben Menschen richtig freundlich gegrüßt, das tut gut!
Dann: Der Mond spiegelt sich in einem unendlich langen Teppich auf dem Meer, das breite Sternenzelt leuchtet, die Mischung aus dem Lied der brechenden Wellen am Strand und der Klänge der Musikanlagen hinter mir hat fast etwas Symphonisches, eine Art indische Euphonie die ein permanentes Lächeln auf die Lippen zaubert. Inderinnen in wallenden Gewändern wandern am Strand entlang. Auf jedem Tisch steht eine Kerze, unter meinen Füßen Sand, ein leichter Wind.
Ach Indien, warum musst Du so weit von Berlin entfernt sein?

Mittwoch, 5. Januar 2011

Ein ganz normaler Tag

Hupen bedeutet für Fußgänger: "Bitte lieber Fußgänger springe nicht plötzlich zur Seite, wenn ich jetzt mit hoher Geschwindigkeit und mit weniger als 30cm Abstand an Dir vorbei fahre. Sonst müsste ich ja scharf bremsen". Die meisten Fußgänger sind so freundlich und halten sich dran, sie sind der Boss. Wenn allerdings die Autos MICH so knapp überholen finde ich das ziemlich unangenehm. Ich kann aber auch nicht bei jedem Hupen stehen bleiben. Dann würde ich ein Standbild.

Ein nepalesischer Kellner will mich verkuppeln. Kommt eine neue Frau ins Restaurant ist er sofort bei mir und fragt im schönsten Kinderenglisch: "Do you marry her?", und holt anschließend unabhängig von meinem "no" deren e-Mailadressen. Immerhin, er hat's drauf.

Savio hat mir beim Lunch das falsche Essen bestellt: So scharf, dass ich vor Tränen kaum noch etwas sehen kann. Also schnell ein Joghurt geordert und es ging tatsächlich. Essen im Restaurant kostet im Schnitt 2 EUR. Eine kleine Flasche Cola 33 Cent. Finde ich ok :-)

Heute mit einem anderen Fahrer gefahren, der fuhr wie 'ne gesenkte Sau. Will ich nicht noch einmal machen.

Vorhin erfahren, dass mein eigentlicher Fahrer gar nicht Barabarabarakesh heisst. Er hatte mir seinen Namen so gesagt und als ich ihn fragend genau so wiederholte hatte er genickt und "yes" gesagt.
Aber er ist ein Stotterer. Sein Name ist einfach nur "Prakash". Upps.

Musste mir neuen Zucker kaufen. Den alten haben irgendwelche Viecher erobert, trotz Sicherheitsverschluss auf dem Glas. War jedenfalls lebendig geworden dadrin, als ich heimkam. Ab und zu krabbelt auch etwas durchs Zimmer. Ich vesuche, nicht so genau hinzuschauen: was man nicht sieht ist auch nicht da. Will gar nicht, wissen, was für Partys in meiner Wohnung abgehen, wenn ich nicht hier bin, oder gerade schlafe.

Dienstag, 4. Januar 2011

Neuer Name

Mein Vermieter ist wirklich sehr um mich bemüht und führt mich überall herum, zeigt mir die Umgebung, gibt Tipps. Und stellt mich allen Leuten die er kennt vor. Und er kennt das halbe Benaulim. Dummerweise hat er vom Mietvertrag nur den Namen meiner Firma behalten und stellt mich mit diesem überall vor. Das ist zwar ein Frauenname, aber who cares. Ich habe aufgehört, es zu korrigieren und akzeptiere klaglos meinen neuen weiblichen Auftritt. Hätte mein Unternehmen vielleicht besser "Cool Man AG" nennen sollen...

Montag, 3. Januar 2011

Indischer Verkehr

Ich hadere noch mit mir, ob ich mir ein Motorrad leihen soll um mobiler zu sein (mein letzter Vesuch auf einem Moped war allerdings nur einmal kurz mit 15 Jahren…). Jeder hält sich ja für den besten aller Verkehrsteilnehmer, hier bin ich allerdings kurz vorm Kapitulieren: Linksverkehr geht ja noch, in London zu fahren hat mir sogar Spaß gemacht. Und das permanente Hupen traue ich mir auch noch zu. Aber hier fahren die Massen einfach radikal drauflos im Vertrauen darauf, dass die anderen es sehen und bremsen. Die Missverständnisse stehen alle zerbeult am Straßenrand. Die Menschenmengen herum diskutieren stundenlang über den Hergang (oder nehmen es nur als Anlass für einen Kaffeeklatsch?).
Mein Fahrer erklärt mir, warum das System funktioniert, als eine Frau ohne sich umzudrehen oder auf das Hupen zu achten einfach über die Straße geht und wir scharf bremsen müssen: „If I would catch her with my car, probably a 100 people would come out of the houses and beat me up“.

Sonntag, 2. Januar 2011

Strandleben in Benaulim

Wunderschöner Strand, unaufdringliche Verkäufer (die meisten akzeptieren das erste "nein"), viele gemütliche Strandbars und -restaurants. Ein traumhafter Strandspaziergang unter dem Sternenzelt, nachdem die Sonne über dem Indischen Ozean irgendwo hinter Afrika untergegangen war. Wow.

Samstag, 1. Januar 2011

1st Class to Goa

Sylvester in 12km Höhe ist mal eine neue Art, den Jahreswechsel zu feiern. In Heathrow lernte ich Arabell kennen, auch auf dem Weg nach Goa. Und als wir beim Check-In fragten, ob es Plätze nebeneinander gäbe, bekamen wir ein Upgrade auf die 1st class geschenkt, nicht schlecht. Danke, KingFisher Airlines!
Leider schaffte es die Crew nicht, um Mitternacht der gerade aktuellen Zeitzone eine Durchsage zu machen. Also feierten wir zu dritt nach deutscher Uhrzeit das neue Jahr, zusammen mit Matthias aus Bayern, ebenfalls überraschter 1st-Class Neuling. Standesgemäß zur Reiseklasse mit Dom Perignon, und dann gleich fast drei Flaschen (ohne mich... ich genoß derweil einen schönen Whiskey, der viel zu großzügig eingeschenkt war). Fazit: Haute Cuisine Mahlzeiten, dazu Weine, Cocktails, Whiskey, Champagner, alles for free, so dass wir, statt die tollen Liegeplätze zu nutzen fast den ganzen Flug nach Indien an der Bar standen und unser Glück begossen, äh genossen. Als Matthias und ich dann wenigstens für eine Stunde noch unser Luxusbett genießen wollten, begann Arabell durch die Gänge zu tanzen. Die nette Stewardess ertrug es gelassen. Wohl auch ein Erste-Klasse-Privileg...
Was für ein schöner Start ins neue Jahr.
Sicher kein Zufall war es, dass sämtliche Stewardessen aussahen wie Bollywood Star Aishwarya Rai. Leider waren sie alle bis auf eine sehr arrogant, wie wir drei unabhängig voneinander feststellten.

Ankunft in Goa: Ein Hupkonzert sondergleichen. Kannte ich in der Form bisher nur aus Erzählungen. Hier ist die Hupe Kommunikationsform. Hupen heisst: "ich komme", "ich bin jetzt hinter Dir", "ich überhole Dich", "ich fahre an Dir vorbei". Beantwortet werden diese Signale jeweils mit einem eigenen Hupen aller derer, die es hören und eine Hupe besitzen. Leider keine Symphonie.
Das Appartement ist großzügig. Die Straßen staubig und kaum beleuchtet. Hinter dem Haus werden die Ochsen vorbeigetrieben. Rundherum Palmen und exotische Vögel. Bunte Farben allerorts. Indien.

Samstag, 25. Dezember 2010

Weihnachten Plus

Eine so liebe Weihnachtseinladung. Zum Kaffee um fünf. Die Wohnung toll geschmückt, Geschenke für alle, eine festliche Tafel für die vielen Gäste. Und dann ging es plötzlich mit spannenden Gesprächen und unterhaltsamen Rätseln bis um eins in der Nacht. Danke Jürgen, ich fühlte mich sehr geehrt für diese Einladung. Eines meiner schönsten Weihnachtserlebnisse ausserhalb der Familie!

Montag, 20. Dezember 2010

Nie wieder Sale e Tabacchi

Freunde aus L.A. waren ein paar Tage zu Besuch und wollten mich zum Essen in ein gutes Restaurant einladen. Hier die Zusammenfassung:
Der Vorspeisenteller "Meeresfrüchte" kann nicht geändert werden um irgend etwas Nichtfischiges draufzutun. Klar, bei dem Massenbetrieb sind Änderungswünsche eine Zumutung.
Die Kellner einschließlich dem Chef unfreundlich und den ganzen Abend über sehr unaufmerksam.
Ein Kellner musste Nießen. Ungeschützt. Voll auf das vorbereitete Brot und die ganzen Körbe. Nicht, dass er es danach weggetan hätte. Mahlzeit für den nächsten Gast...
Mark und ich nahmen das Rind mit Trüffel für ca. 20 EUR. Wir stellten beide bald fest, dass der Trüffel nicht herauszuschmecken war, sehr schade. Als der Kellner am Schluss fragt, ob es uns geschmeckt habe, teilte ich ihm das mit. Daraufhin fing er übel an zu diskutieren, wir hätten ja das andere Rind mit Trüffel für 30 EUR nehmen können, da sei auch mehr teurer Trüffel drin. Ah ja, der Gast hat also den Fehler gemacht.
Die Weinempfehlung war zunächst gut, als auch die umliegenden Tische unabhängig vom Gericht den gleichen Wein serviert bekamen wurden wir stutzig. Am nächsten Morgen kam die Antwort: Kopfschmerzwein. Oh wie peinlich war mir meine Restaurantempfehlung!
Sale e Tabacchi, seid Ihr von allen guten Geistern verlassen? Hygiene, Service, Qualität und Geschmack Note 6. Ganz sicher mein letzter Besuch bei Euch, wie auch vorsichtshalber beim dazugehörigen Malatesta. Der Name passt übrigens zu Euren Weinen.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Fondue mal nicht zu Hause

Fonduerestaurant "Ars Vini" nahe des Zionskirchplatz. Bisher kannte ich Fondue immer nur zu Hause. Wir genossen es, auch wenn es preislich gehoben war und der Wein allenfalls ok war. Barbara, ich war richtig enttäuscht, dass Dir meine Bollywood-DVD beim Schrottwichteln nicht gefallen hat, dabei hatte ich gedacht, dass wenn eine Frau dieses Geschenk zieht, sie begeistert sein würde ;-) Und einer von uns hatte den Begriff Schrottwichteln mangels Erfahrung wörtlich genommen und eine alte Heizstange seiner Waschmaschine als Geschenk mitgebracht. War ihm dann allerdings auch selbst etwas peinlich...

Samstag, 11. Dezember 2010

Ab nach Afrika!

Bilderabend mit afrikanischem Essen bei Freunden, die einen zehntägigen Urlaub zur Minientwicklungshilfe für einen Kindergarten in Gambia nutzten. Genial. Werde ich auch machen. Wer will schon zehn Tage irgendwo blöde am Strand liegen?

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Sauna im Schnee, Sandler mit Schreck

Manchmal tut die Sauna gut, und manchmal sehr gut. Heute war es Letzteres, die Gewölbe-Sauna kommt bei mir direkt nach dem Badeschiff auf Platz 2.
Dampfend im verschneiten Garten zu stehen ist einfach genial, auch wenn ich es nicht wie Martin geschafft habe, mich nackt in den Schnee zu legen...

Auf der Rückfahrt in der U-Bahn habe ich zum ersten Mal im Leben einer Straßenfeger-/Motz-Verkäuferin Geld gegeben. Ich war vollkommen verdattert: Plötzlich stand da eine Frau vor mir, die genauso aussah wie jemand Besonderes aus meinem Leben. Nein, sie war es nicht, aber diese Ähnlichkeit, Halelujah.
Sie passte gar nicht in die Obdachlosenszene, war viel zu fein, intellektuell, ein schönes Gesicht, gepflegt. Unter anderen Umständen hätte ich sie vielleicht auf einen Kaffee eingeladen. Mann, das macht einen ganz schön nachdenklich. Was ist da wohl in ihrem Leben passiert, um hier zu landen?

Ich hätte sie auf einen Kaffee einladen sollen. Schade.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Harmlose Monster im Liebesfilm

Wieder eine Vorpremiere, "Monsters", und, wie uns der anwesende (sehr sympathische) Regisseur Gareth Edwards erklärt, eigentlich eher ein Liebesfilm. Tatsächlich war die zwischenmenschliche Story die schönere, die paar Außerirdischen nur eine Nebensache. Mit den Erklärungen vor und nach der Aufführung ein spannender Film (insbesondere das Ende war erklärungsbedürftig), ansonsten nicht so mein Ding. Aber der Sekt und das "get-together" danach waren nett zum Kennenlernen.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Ja, "Was will ich mehr"?

Erotischer Film im Moviemento (Vorpremiere). Der Titel spiegelt schön das Hin und Her einer Affäre -wie im richtigen Leben- wider. Gut gemacht, hautnah sozusagen, mir aber ein wenig zu traurig, eher eine exzellente Doku mit grandiosen Bildern und sauber erzählter Story. Aber selbst das Happy(?) End war recht melancholisch. Die eher sparsam dosierten erotischen Szenen im Film waren allerdings teils unglaublich schön. Trotzdem: ich gehe lieber fröhlich aus dem Kino raus.

Montag, 6. Dezember 2010

SO36 Science slammed

Poetry Slam auf wissenschaftlich. Weniger unterhaltsam, als gedacht. Nächster Versuch bitte.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Romantischer Weihnachtsmarkt

Mit Sicherheit der beste Weihnachtsmarkt Berlins: der Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt. So viele einzigartige Stände, die es auf anderen Märkten gar nicht gibt, eine fast wehmütig schöne, romantische Kulisse, dieses Jahr in schönstem schneeweiß, Glockengeläut. Ach ja, das kann man eigentlich nur schwerverliebt aushalten, ohne dabei schwermütig zu werden...

Samstag, 4. Dezember 2010

Afrikanische Rhythmen

Hey, schönes Konzert im Afrikahaus. Das ging ins Blut. Gut besucht und schon zur Halbzeit standen die Zuschauer entweder auf der Bühne oder sonst irgendwo zwischen den Tischen und Stühlen und tanzten ekstatisch mit. Da wurde neben der geniale Musik auch die Kultur transportiert. Gerne wieder.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Eisstockschießen am Marlene-Dietrich-Platz

Eigentlich eine Mordsgaudi, nur bei -13°C und scharfem Wind, wird der Spaß auf der Eisbahn zur Herausforderung. Dick eingepackt wagten wir es dennoch (nach drei Absagen nur noch zu fünft), die drei Glühweine waren wirklich nötig, jedoch auch klar zu viel für mich... Aber lustig war's!
Bei 10° mehr auf dem Thermometer auch sicher gerne wieder.

Samstag, 27. November 2010

Weinmesse zum Weinen

Die WeinBerlin 10 war eine herbe Enttäuschung. Im Jahr zuvor noch groß im Rathaus Schöneberg, nun arg verkleinert, zu wenig Tiefe, zu viel Breite, im dbb-Forum an der Friedrichstraße. Ein bisschen mehr Fokus täte gut. Aber bei 1.000 EUR Standmiete für einen winzigen Tisch muss mal wohl jeden Winzer von irgendwo auf der Welt nehmen, der das zu zahlen bereit ist.

Freitag, 26. November 2010

Mitternachtssauna in Neukölln

Herrlich, das Jugendstilambiente, Kerzen ums Schwimmbad und dieses Mal ausgesprochen angenehmes Publikum. Früher lief noch gregorianische Musik im Hintergrund, was duch die hohe Kuppel und die Säulen sehr erhebend wirkte. Allison Crowe würde sicher auch gut passen. Leider zu wenig Ruheplätze, ein chronisches Problem hier.

Mittwoch, 24. November 2010

Edith Schröder die 4.

Schon letztes Jahr hatten wir uns vorgenommen, beim nächsten Mal ein Jahr auszusetzen. Chance verpasst. So saßen wir also bei der Premiere zum vierten Mal in Ades Zabels Weihnachtsshow und konnten die Gags fast schon mitsprechen. Nett war's schon, auch einiges Neues, aber der Anteil der bekannten Szenen war einfach zu hoch. Schade, aber selbst schuld. Nächstes Jahr dann wirklich nicht mehr :-) Anfängern ohne Niveau-Schmerzgrenze* sei's jedoch sehr empfohlen!

*Meine Mutter würde mich zur Adoption freigeben, wenn ich sie zu so etwas mitnehmen würde...

Sonntag, 7. November 2010

Lübeck lebt

Ich war zum ersten Mal in dieser schönen Stadt, echte Bildungslü(be)cke. Ein sehr sympathisches Wochenende mit herrlichem Strandspaziergang. Hoffentlich bald wieder.

Donnerstag, 4. November 2010

Geschichtsstunde ohne Höhepunkte

"Die deutsche Geschichte an einem Abend" sollte unterhaltsam die letzten 2000 Jahre auf der Bühne zusammenfassen. Ein netter Versuch, aber leider war der Name der Crew ("Unter Niewo") Programm. Nicht wirklich schlecht, aber keinesfalls das Eintrittsgeld wert.
Echtes Highlight allerdings: Ein Sketch mit verballhornten Städtenamen.

Dienstag, 2. November 2010

English Comedy

Seeeeehr witzig und kein bisschen politisch korrekt, die English Comedy Night im Club-Kookaburra. Da kommt man gerne wieder!

Mittwoch, 27. Oktober 2010

nicht-Begegnung der dritten Art

Wow, es gibt auch stalkende Frauen, die einen zum Treffen einladen, dann ohne Absage nicht erscheinen, mit einem üblen Mail erklären, dass die Wahl des Treffpunktes so unseriös gewesen sei (edle Hotelbar mit Blick über die Stadt, 4-Sterne-Superior) und nebenher noch fallen lassen, dass sie von mir den vollständigen Namen ergoogelt haben (=eine Drohung? Keine Ahnung).
Psychos gibt's... echt unheimlich.

Sonntag, 24. Oktober 2010

GWSW

Brilliant, wie eigentlich immer.

Samstag, 23. Oktober 2010

Pfui

Nichtsahnend traf ich mich mit Freunden in der Gainsbourg Bar am Savignyplatz. Eine Raucherbar. So etwas gibt es noch?! Es weckte Erinnerungen an die schlechte alte Zeit, als man beim Ausgehen von der dicken Luft dauernd heiser wurde und die Klamotten am nächsten Tag furchtbar stanken.
Auf Nimmerwiedersehen.

Freitag, 22. Oktober 2010

Jazz in den Ministern

Wie jedes Jahr: eine geniale Veranstaltung. Leider mit Abzockfaktor (der Vorkauf wurde gestoppt, damit mehr Karten à 20 EUR an der Abendkasse weggingen).
Die Auswahl der Bands aber größtenteils exzellent. Hessen schwächelte dieses Mal, dafür Brandeburg/McPomm exzellent. Besonders überraschend: eine Schüler-Big-Band "Big Brass" mit einer überragenden 16jährigen Sängerin Ayanda Rogge. Mich langweilen Bigbands normalerweise, hier aber die echte Ausnahmeband, wow. Ebenfalls top: Kitchengrooves.

Montag, 18. Oktober 2010

Sex im Liquidrom

Zur Eröffnung meiner Saunasaison noch einmal ein Besuch im Liquidrom. Da ab nächsten Monat der Eintrittspreis für die Tageskarte auf lächerliche 30 EUR angehoben wird (man kann trotzdem nicht mit VISA bezahlen), werde ich künftig wohl nicht mehr so oft herkommen.
Erst einmal eine schnelle Analyse: Von 20 vorbeilaufenden Personen haben 16 Bademantel plus Badekleidung drunter an, 80% Schamfaktor.
Wie gehabt: Das ist hier keine Sauna, sondern ein züchtiges Schwimmbad mit diskret angeschlossener Saunakabine für die ganz Mutigen.
Im Schwebebad ein lärmende Horde von planschenden Männern, das Schild "bitte Ruhe" haben sie überlesen, das Personal stört es nicht.

Ach ja, die dicke Überschrift: nein, ich hatte keinen Sex im Liquidrom, dafür aber an diesem Abend mehrere sehr nette Menschen dort kennen gelernt.
Da aber die mit Abstand meisten Zugriffe auf diesen Blog über Google mit der Suche nach "Sex im Liquidrom" kommen, muss das für ziemlich viele Besucher ein Thema sein... An diese hier also ein Tipp: ja, es gibt dort mehrere ruhige Ecken. Aber seid so nett und tut es nicht im Wasser, weil dort auch andere Menschen reingehen. Das finde ich einfach nur ekelig.

Freitag, 15. Oktober 2010

Allison Crowe live in Berlin

Schon Billie Woods im Vorprogramm sang sehr gefühlvoll. Dann Allison Crowe: Eine unglaubliche Stimme, eine umwerfend sympathische Frau. Und quasi ein Privatkonzert mit knapp 60 Gästen in der gemütlichen Osterkirche. Als zum Abschluss Leonard Cohens Hallelujah durch die heiligen Hallen donnerte blieb sicher niemand mehr ohne Gänsehaut. Ein Erlebnis der besondere Klasse. Irgendwann wird sie hier wahrscheinlich nur noch in Stadien auftreten. Die Stimme würde dafür allemale reichen :-)

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Lovely Hasenheide

Premiere eines Dokumetarfilms. Warum gehe ich da nur hin?
Naja, vielleicht ist er ja gut. Und? Hammer!
Für jeden Berliner ein Genuss. Eine wunderbare Ode an Neukölln mit Witz, gut gesehenen Bildern, einem roten Faden, der so auf ganzer Linie gefällt und wirklich ganze 72 Minuten lang Freude macht.
Seelig verlässt man das Kino, ich wusste es schon lange: Berlin ist die Stadt.

Sonntag, 3. Oktober 2010

mit Freunden feiern

42 Gäste kamen zu meiner Geburtstagsparty und es war wieder die wahre Freude zuzusehen, wie alle, auch die, die kaum jemanden kannten, sich augenscheinlich glänzend unterhielten, miteinander lachten, flirteten.

Samstag, 25. September 2010

Hollywood, Uganda oder Kleinknippersdorf?

Lesung und "Performance" im nbi (Kulturbrauerei). Erlebnisse einer Journalistin im Rahmen ihrer Reportage zum Thema Kriegsverbrechen. Unterhaltsam präsentiert.

Es war nicht so geschmacklos wie es klingt. Aber der Hollywood-Tratsch war wohl nur für geübte Glamour-Leser verständlich. Die Performance bestand aus dem gelegentlichen auf-den-Boden-Werfen einzelner Klatschmagazine. Mitunter ein paar nette Anekdoten. Das Leid der Kindersoldaten in Unganda und die jahrelange Untätigkeit der westlichen Welt kamen leider zu kurz.

Sonntag, 19. September 2010

Schmales Nachtcafé

Mal wieder bei Tanjas Nachtcafé, leider nur in reduzierter Besetzung und ohne Lesung, aber nichtsdestotrotz ein schöner Abend: Julia Luis singt wirklich wunderbar (und sieht auch noch verdammt gut aus :-); der Kontrabassist Akki Schulz überzeugte mit überraschenden Klassikadaptionen und einer (für mich) sensationellen Rio Reiser Interpretation von "Nur dich". Beide werde ich mir bei Gelegenheit sicher noch einmal anhören.

Donnerstag, 9. September 2010

The Funk Family again

Wieder einmal in der Kulturkantine, Funk vom Feinsten. Musiker und Publikum schwebten auf einer langen, langen Wolke oder auch in anderen Sphären. Zwei Stunden lang saß ich dort, konnte nicht aufhören mitzuwippen und hin- und herzuwackeln. Zwei Stunden mit einem Dauerlächeln im Gesicht. Danke!

Mittwoch, 8. September 2010

Reichstagskuppel

Sieben Jahre habe ich gebraucht, um nun endlich mal hochzugehen (und das auch nur mit einer Einladung zum Frühstück im Käfer, das lange Anstehen hätte mich sonst weiterhin abgeschreckt). Tolle Aussicht!!! Auch im Restaurant, aber das personelle Klima dort ist mir zu steif.

Montag, 6. September 2010

Wein & Musik?

Da wollten wir drei beinahe-Musikerjungs doch endlich mal gemeinsam einen Pianoabend einlegen. Und dann kam uns der köstliche Hauswein im Café Nö dazwischen. Toller Wein, tolle Trüffelpasta, durchschnittliche Cocktails, gute Stimmung... Keine gute Grundlage, um nachher noch sinnvoll in die Tasten zu hauen.
Nächstes Mal also besser ohne Umweg gleich ans Klavier...

Sonntag, 22. August 2010

alten Biergarten entdeckt

Ein durchwachsener Sonntag, mehr als eine halbe Stunde radeln macht keinen Spaß, das reicht heute also nur bis Tempelhof. Tempelhof?? Der Blackberry schlägt einen Biergarten vor, wow! Ein Biergarten in dieser Ecke? Und dann: Auf einem kleinen Berg gelegen, hübsch zwischen alten Bäumen, etwas morbides Ambiente, der Zahn der Zeit nagt hier beträchtlich, dazu günstige Getränkepreise und leckeres Essen.
Fazit: Die Bergterrasse Marienhöhe ist ein idealer Biergarten für den Berliner Kurzausflug.

Freitag, 6. August 2010

Golfen doch nur für Reiche?

Was für eine Abzocke! Wir waren zum Golftraining im GC Seeburg verabredet. Rangefee 8,- EUR, Bälle gibt es nur als 10er Karten (25,- EUR). Dazu eine wirklich olle Ausstattung und schlechte Öffnungszeiten. Das einizige Highlight ist das Restaurant.
Leute, Leute, so bekommt Ihr den Laden nicht voll, schaut Euch lieber mal die Konkurrenz in der City an. Statt für 33 EUR kann man dort für 6 EUR trainieren. Wer fährt da noch raus nach Seeburg??

Samstag, 31. Juli 2010

Paddeln in Werder

Wow, Werder sieht ohne Baumblütenfest ja ganz anders aus... Eine Paddeltour rund um die Insel hilft einem, die Seele baumeln zu lassen. Dann erholten wir uns, erschlagen von der schönen Plackerei, beim Picknick auf der grünen Wiese. Zum Abschluss in den Biergarten direkt am Wasser, bis die Mücken kamen. Ein schöner Tag!

Freitag, 30. Juli 2010

nicht eingeschlafen

Die Fahrt mit dem BVG-Bus ging an ewig-langen Baustellen vorüber. Das kleine Mädchen auf dem Sitz neben mir wurde nicht müde, ihrem Vater aufzuzählen, was dort vermutlich gerade gebaut wird:

"vielleicht ein Brunnen?"
... "mmh ja, kann sein" brummt der Vater

"oder ein Hochhaus?"
..."mmmh"

"oder ein Krankenhaus?"
..."mmmh"

"oder vielleicht eine Burg?"
..."mmmh"

"oder ein Arbatus?"
...Vater: "was ist denn ein Arbatus?"

Pause.

sie kleinlaut: "weiß ich nicht"
...der halbe Bus brach daraufhin in schallendes Gelächter aus :-)

Donnerstag, 10. Juni 2010

Wehmütiges Grillen

Grillen mit Freunden auf dem Tempelhofer Flugfeld. Ein grandioser Blick in die Ferne, ein lauwarmer Sommerwind, ein berauschender Sonnenuntergang. Dieser Platz ist ein Geschenk für die Berliner. Aber der Verlust des Innenstadtflughafens ist und bleibt eine politische Dummheit ersten Grades, gekennzeichnet durch die kurzfristigen Denkhorizonte lokaler Politiker ohne Vision und Rückgrat.

Freitag, 4. Juni 2010

Mozart rocks

Ensemble Oriol Berlin in der Philharmonie. Obwohl mir Mozart meist zu verspielt ist, wagte ich den Besuch. Eine gute Entscheidung, um mal wieder ein zu pauschales Urteil über Bord zu werfen. Die Auswahl der Stücke war perfekt, der musikalische Genuss überragend. Oriol werde ich mir merken. Mozart kommt zurück auf die Hörbar-Liste.

Samstag, 22. Mai 2010

Karneval & Chopin

Wer musste Chopins 200. Geburtstag ausgerechnet auf den Karneval der Kulturen legen? Die Verantwortlichen sind vermutlich schon lange tot, und die HfM hätte ihre "Chopin Konzertnacht" ruhig auch auf den 18. Mai legen können, OK, dann vielleicht mit ein paar zusätzlichen Stücken in memoriam Gustav Mahler. Nun, man entschied anders, und so kam ich noch zu wundervollem Klavierkonzertgenuss, bevor ich (wie schon am Tage zuvor) in den musikalisch doch recht konträren Karneval der Kulturen eintauchte. Wer in Berlin ist und dieses Festival nicht erlebt, hat das Jahr verpennt.

Freitag, 21. Mai 2010

Spargel, Sex und Schonsons

Premiere in der Ufa-Fabrik: EMMI & HERR WILLNOWSKY gaben sich mit "STAYING ALIVE IN CONCERT" die Ehre. Die Gürtellinie markierte die obere Grenze des Humors. Witze erzählen war doch in den 80er-Jahren "in", oder? Egal, denn sie waren wirklich richtig gut! Und auch die Lieder mit poetischem Wortwitz und in schöner Story verpackt, ein gekonntes Spiel mit dem Publikum: Ich gebe Note 1.
...für alle, denen Ades Zabel ein wenig zu trashig ist, aber die Richtung gefällt: unbedingt hingehen!

Donnerstag, 20. Mai 2010

Say What im Rickenbackers

Coverband mit Livemusik vom Feinsten, nächstes Mal bin ich sicher wieder dabei!

Donnerstag, 13. Mai 2010

Kulturkantine. Musik über den Dächern der Stadt

The Funk Family: funkig, jazzig, bluesig - genau meine Mu_sik :-)

Dienstag, 11. Mai 2010

Kiezbingo

Mensch Inge, Mensch Borg, ach Gisela. Ich liebe Eure Abende im SO36. Aber heute ward Ihr echt schlecht drauf. Das arme Mädel, das sich weigerte, ihr T-Shirt auszuziehen, wird sicher nie wieder freiwillig auf die Bühne kommen. Zahnlose Abende sind auch nix, aber ein Hauch mehr Feingefühl täte manchmal gut.

Montag, 10. Mai 2010

Der revolutionäre Traum von einer schönen neuen Welt

Die "4.Revolution". Fast live im ACUD-Kino. Welches die anderen drei Revolutionen waren blieb mir unklar. Das Rad, der Buchdruck, der iPod?
Ein Dokumentarfilm, der vieles verspricht, aber kaum belegt. Immerhin, ein schöner Traum von einer besseren Welt, die doch so einfach zu erreichen wäre. Ohne Fachmann zu sein: es wirkte sehr einseitig (Kurzfassung: Weltverschwörung der Energiekonzerne, um die erneuerbaren Energien zu verhindern). So wie Michael Moore's "Dokumentationen" regelmäßig das Qualitätskriterium der Objektivität fehlt, ist die sogenannte vierte Revolution ein unterhaltsamer Werbefilm, der einen durchaus motivieren kann, der chinesischen Solarindustrie ein paar Solarmodule mehr abzukaufen. Die Richtung stimmt schon, die Methode nicht.

Donnerstag, 22. April 2010

O-Ton, o-riginell

Neues Theater mit neuer Idee, schräg & sehenswert: "O-Tonart". Der Ton kommt vom Band, die Schauspieler als Marionetten der Technik. Schön geschnitten, gut gespielt, unterhaltsam! Manchmal wünschte ich mir mehr Textsicherheit, der perfekten Illusion halber. Die züchtige Nacktszene nach der Dusche: superb. Das Finale mit der Szene im Restaurant: absolute Spitzenklasse!

Sonntag, 18. April 2010

tempus fugit

Hey wie schön, auf Bitten meiner Mutter begleitete ich sie als Überraschungsgast zu einer Geburtstagsfeier alter Familienfreunde im Rheinland, die ich alle seit 25 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Trotz aller zeitlicher Distanz: es war ein wunderbares Gefühl, die zwar gealterten, aber dennoch altbekannten Gesichter wiederzusehen. Ein Sprung in die Kindheit, ein wundervolles vertrautes Gefühl, als habe man vor kurzem erst mit den Kindern der Jubilare gemeinsam im Garten gespielt.
Zum Abschied sagte mir schließlich das Paar (80 und 82 Jahre alt):
"Schön, dass wir uns noch einmal gesehen haben".

Selten brachte mich ein offenes Wort so brutal in die Realität zurück.

Danke für diesen unersetzbaren Tag. Und für die Lektion.