Sonntag, 14. April 2013

Einmal schneiden, föhnen und verlieben bitte



Ich gehe schon seit über acht Jahren zu meinem kurdischen Friseur in Moabit: die Mischung aus Freundlichkeit, Preis und gutem Schnitt wiegt den (inzwischen) größeren Umweg deutlich auf. Lange schon wunderte ich mich, wie gut er sich auch nach Wochen oder Monaten noch alles merken kann, was ich so irgendwann mal erzählte. 

Vorletzte Woche wurde mein Termin nach hinten verschoben, da würde es besser gehen, OK, kein Problem. Während des Arbeitens beugte er sich dann plötzlich zu mir herunter, kommt nah an mein Ohr und fragt leicht verlegen, ob ich denn zurzeit vergeben sei. Ich verneine fröhlich.

Er dreht leicht seinen Kopf zur Seite: „Sehen Sie da hinten die Dame die dort gerade geföhnt wird? Das ist die Cindy. Sie ist auch Single und hat sich total in Sie verguckt“. Ich erspare ihm die Frage, wie jemand, den ich zum ersten Mal in meinem Leben sehe in mich verguckt haben kann und es bereits meinem Friseur erzählt haben kann. „Sehr sympathisch, aber leider nicht mein Typ“. Ihm fällt kurzfristig das Gesicht runter: „Aber warum denn nicht???“ Ich erkläre es ihm, er akzeptiert es, aber offensichtlich schwer enttäuscht. Als Cindy kurz darauf den Laden mit einem schmachtenden Lächeln in meine Richtung verlässt, versinke ich so tief es geht im Friseurstuhl und beginne zu verstehen: mein verschobener Termin war kein Zufall gewesen.

Gegen Ende des Haarschnitts kommt er wieder auf das Thema zurück: „Ein ganz lieber Kunde von mir hat eine Schwester, die ist total erfolgreich und würde phantastisch zu Ihnen passen. Dürfte ich vielleicht ein Photo von Ihnen machen und es ihrem Bruder geben? Dann könnte sie sich bei Ihnen melden!“ Ich platze fast mit einem lauten Lachkrampf.
Aber sei’s drum. Für so einen Spaß bin ich gerne zu haben.

Krasses Kundenbindungsprogramm.

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